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Reiseziel Ägypten Allein mit Tutanchamun


Touristen meiden noch immer Ägypten. Dabei gibt es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um sich die weltberühmte Hochkultur am Nil anzusehen.
Von Ludwig Moos, Kairo

Are you happy?", fragt Mohamed El Tonsy immer mal wieder, wenn es ihm gelungen ist, seinen Fahrgast mit zentimetergenauem Manövrieren durch den Dauerstau Kairos zu einem der Sehenswürdigkeiten zu bringen. Seit 30 Jahren chauffiert der 60-Jährige vor allem Touristen, die er meist an seinem Stammplatz nahe dem Tahrir-Platz auf offener Straße anwirbt. Für 150 ägyptische Pfund, knapp 20 Euro, macht er eine Tagestour zu den Pyramiden in Giseh, Sakkara und Dahschur. In den letzten acht Wochen hatte er ganze zehn Kunden, seinem Boss, für den er den klapprigen Honda Santamo fährt, schuldet er jeden Monat 600 Pfund. Inständig hofft er auf bessere Zeiten. "Inschallah!"

Entspannung im revolutionären Kairo

Die Massen kommen nicht mehr zum riesigen Tahrir-Platz, nur kleinere Demos bauen sich öfter auf und rasch wieder ab, begleitet von Garküchen und den Andenkenhökern der Revolution. Das Militär, Mitte März noch mit schweren Tanks an neuralgischen Punkten präsent, hält sich inzwischen eher mit Schützenpanzern dezent im Hintergrund.

Downtown oder in der ausgedehnten islamischen Altstadt kehrt Kairo zu seinem chaotisch-dynamischen Alltag zurück. Vor dem Eingang und in den Räumen des Ägyptischen Museums hat die dunkel gekleidete Polizei die kräftigen Männer im Tarnanzug weitgehend wieder abgelöst, nur die umgehängte MP unterstreicht, welche Schätze hier zu bewachen sind. In der Stunde, bevor das Museum schließt, gehören einem die goldenen Masken und anderen Grabpreziosen des Tutanchamun fast allein.

Das große Warten in Luxor

Die Hauptstadt mit ihren 20 Millionen Bewohnern braucht die Touristen nicht wirklich. Ganz anders Luxor, das Zentrum Oberägyptens. Die Versorgungsbasis für Besuche der über hundert pharaonischen Tempel und Gräber, von Karnak oder dem Tal der Könige, und für die Nilkreuzfahrten flussaufwärts bis Assuan lebt zu mehr als 80 Prozent vom Tourismus. Und der fällt ziemlich flach, was viele in der Stadt nicht verstehen, denn die Revolution haben sie schließlich in Kairo gemacht.

Die Menschen sind konservativer hier, erkennbar schon an der Galabia, dem traditionellen Gewand der Männer. Die wenigen Fremden ziehen die Aufmerksamkeit der Händler verschärft auf sich. Nach der klassischen Eröffnung "From where you come? Aus Deutsland. Alles gutt" geht es vehement zur Sache, aber mit einiger Entschiedenheit lässt sich alles angemessen beilegen. Sogar an den touristischen Hotspots. Nie war die Chance, sich dem Erbe des Alten Ägypten ungestört zu nähern, besser als jetzt.


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