HOME

Zentralchina: Xian - Stadt der tönernen Armee

Jeder kennt die beeindruckenden Reihen Tausender Terrakotta-Soldaten, die 1974 nahe der zentralchinesischen Stadt Xian entdeckt wurden. Doch auch die über 2000 Jahre alte Altstadt von Xian hat seine Reize.

Im Jahre 1974 wollten chinesische Bauern in einem Feld östlich von Xian einen Brunnen anlegen. Bei den Grabungen fanden sie im Erdreich plötzlich den tönernen Kopf einer historisch anmutenden Soldatenfigur aus Ton. Wissenschaftler wurden zu Rate gezogen, die weitere Nachforschungen veranlassten. Damit waren die Weichen gestellt für eine der sensationellsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts: die Terrakotta-Armee des Kaisers Qin Shi Huangdi, entstanden um 210 vor Christus.

Jede Figur ist einzigartig

Gezielte Ausgrabungen haben mehr als 8.000 lebensgroße Soldatenfiguren in historischer Uniform zu Tage befördert. Beeindruckend ist vor allem, dass jede einzelne Tonfigur individuell angefertigt wurde und sich von allen anderen unterscheidet. Von der ursprünglichen Bemalung ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben. Um weiteren Witterungseinflüssen vorzubeugen, wurden über den Ausgrabungen drei große Hallen angelegt, in denen die schier endlos wirkenden Reihen von Soldaten und ihren Pferden beim Rundgang von allen Seiten aus betrachtet werden können.

Dass die so genannte Terrakotta-Armee so lange unentdeckt blieb, liegt schlicht daran, dass sie niemals für die Öffentlichkeit gedacht war, sondern als Grabbeigabe für Kaiser Qin von Anfang an in großen unterirdischen Hohlräumen versenkt wurde. Archäologische Forschungen lassen vermuten, dass bislang nur ein Bruchteil freigelegt wurde und dass sich die Formationen noch bis zum Grabhügel des Kaisers fortsetzen, der sich etwa zwei Kilometer westlich der Ausgrabungsstätte befindet. Dieses enorme Ausmaß allein lässt den Besucher immer wieder staunen.Das Gelände der Terrakotta-Armee, das auch noch ein interessantes Museum sowie ein Panoramakino umfasst, liegt etwa 30 Kilometer östlich von Xian in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Die weit über 2.000 Jahre alte Stadt ist nicht nur wegen ihrer Haupttouristenattraktion bedeutend, sondern hat auch selbst viele historische Sehenswürdigkeiten aufzuweisen. Die Altstadt von Xian ist von einer noch weitgehend erhaltenen Mauer aus dem 14. Jahrhundert umgeben, die zu einem Großteil begehbar ist. Sie ist insgesamt 14 Kilometer lang, etwa zwölf Meter hoch und ebenso breit, so dass früher auch Pferdewagen darauf fuhren.

Prächtige Aussicht über Xian

Außerhalb der Stadtmauer lohnt sich ein Besuch des buddhistischen Tempels der Gnade, dessen Grundstein schon um 650 gelegt wurde. Von der 60 Meter hohen Großen-Wildgans-Pagode hat der Besucher eine prächtige Aussicht über ganz Xian. Weiter stadteinwärts ist auch die 45 Meter hohe Kleine-Wildgans-Pagode zu besichtigen. Woher die Namen stammen, ist übrigens unklar. Auf dem Weg zwischen den beiden Pagoden sollte man das Museum der Geschichte von Shaanxi besuchen, das mit zahlreichen auch in Englisch beschrifteten Exponaten einen guten Überblick über die historische Entwicklung der Region gibt.

Am südlichen Teil der Stadtmauer liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Konfuzius-Tempels das Shaanxi Beilin Museum mit seinem berühmten Stelenwald - eine ungewöhnliche Ansammlung von gut 1.000 Steinsäulen, in die historische Ereignisse und philosophische Weisheiten aus mehreren Jahrhunderten der chinesischen Geschichte eingemeißelt sind. Von dort ist es nicht weit zum zentralen Stadtplatz mit dem Glockenturm - ein wuchtiges Gebäude, von dem aus eine große Bronzeglocke einst die Uhrzeit verkündete. Etwas weiter westlich liegt der ähnlich konstruierte Trommelturm, und hier beginnt das muslimische Viertel von Xian.

Am Ende der Seidenstraße

Die Ausbreitung des Islams bis ins östliche China vollzog sich einst entlang der alten Seidenstraße, an deren Ende Xian liegt. Im muslimischen Stadtviertel mit seinen Basarstraßen fühlt man sich gleich in den Vorderen Orient versetzt, obwohl auch die chinesischen Einflüsse unübersehbar sind. Besonders deutlich wird dies in der Großen Moschee, mit deren Bau um 740 begonnen wurde.Im Stil wirkt sie viel stärker fernöstlich als etwa arabisch. So hat das Minarett die Form einer Pagode, und statt einer Kuppel gibt es nach oben geschwungene Dächer wie überall im asiatischen Osten. Doch gleichzeitig wird eine Vermischung dieses Kulturkreises mit der tausende Kilometer weiter westlich gelegenen islamischen Welt deutlich.

Annedore Smith/AP / AP
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity