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Follow me: Ju 52: Die alte Dame wird geadelt

Das hat es noch nie gegeben: Ein Bürgermeister erklärt ein fast 80 Jahre altes Flugzeug zum fliegenden Denkmal. Auf dem Wellblechrumpf der Lufthansa Ju 52 klebt jetzt eine ganz besondere Plakette - und jeder kann mit dem Denkmal "Tante Ju" mitfliegen.

Das hat es noch nie gegeben: Ein Bürgermeister erklärt ein fast 80 Jahre altes Flugzeug zum fliegenden Denkmal. Auf dem Wellblechrumpf der Lufthansa Ju 52 klebt jetzt eine ganz besondere Plakette - und jeder kann mit dem Denkmal "Tante Ju" mitfliegen.

Normalerweise erhalten nur Gebäude mit besonderer historischer Bedeutung die blau-weiße Denkmalschutzplakette. Doch in Hamburg gibt es auch eine kurze Liste mit "beweglichen Denkmälern". Zu dieser Kategorie gehören der Eisbrecher "Stettin", das Dampfschiff "Schaarhörn" oder das Motorschiff "Cap San Diego".

© Daniel Bockwoldt/DPA

Am Wochenende konnte eine weitere Auszeichnung im Rahmen der Airport Days vergeben werden. Als weltweit erstes und einziges für den gewerblichen Flugbetrieb zugelassenes historisches Verkehrsflugzeug ist die Ju 52 der Lufthansa vom Amt für Denkmalschutz der Hamburger Kulturbehörde nun als „bewegliches Denkmal“ unter Schutz gestellt worden.

Das erforderliche Mindestalter von 30 Jahren erfüllt die Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung mit Leichtigkeit. Die dreimotorige Maschine wurde 1936 bei den Junkers-Flugzeugwerken in Dessau gebaut und gehört zu den wenigen noch flugfähigen Exemplaren dieser Baureihe. Insgesamt verließen fast 5000 Exemplare des vom legendären Luftfahrtpionier Hugo Junkers entworfenen Flugzeugstyps die Werkshallen.

© Till Bartels

Die Feierstunde zur Übergabe der Denkmalschutzplakette durch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz eröffnete Jürgen Weber, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, mit dem Worten: "Unsere Tante wird Denkmal". Denn für Luftfahrt-Enthusiasten ist das Flugzeug mit der Kennung D-AQUI mit vielen Emotionen verbunden. Zunächst gehörte diese Maschine zum Bestand der alten Lufthansa, die mit bis zu 70 Junkers von Berlin-Tempelhof zu Städten in ganz Europa flog.

© Till Bartels

Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese "Tante Ju" in Norwegen und Südamerika stationiert, ehe sie als "Iron Lady" in den USA als historisches Flugzeug unterwegs war. 1984 wurde die Ju 52 von der Lufthansa erworben und innerhalb von zwei Jahren bei der Lufthansa Technik generalüberholt.

© Till Bartels

Im Zeitalter der Großraumflugzeuge mit komfortablen Druckkabinen erinnert diese Ikone der deutschen Verkehrsfliegerei an die Anfänge der Passagierluftfahrt. "Die Tante Ju besitzt eine große luftfahrthistorische Bedeutung als eines der letzten und gut erhaltenen Beispiele dieses damals im Hinblick auf seine Konstruktion neuartigen Motorflugzeugtyps", heißt es in der Begründung des Hamburger Denkmalschutzamtes.

Seit nunmehr 29 Jahren können Fluggäste mit dieser Ju 52 die Atmosphäre des Fliegens wie zu Großmutters Zeiten erleben. Während des Sommerhalbjahres hebt das Traditionsflugzeug regelmäßig mit bis zu 16 Passagieren zu Rund- und Streckenflügen über Deutschland und in die Nachbarländern ab. Einige Plätze sind für dieses Jahr laut Flugplan noch frei.

© Till Bartels

In den Vereinigten Staaten wurde übrigens im vorigen Jahr ein für die Luftfahrt bedeutender Ort zum "Historical Landmark" erklärt, ein eher makabrer Vorgang. Denn kein Flughafen, keine besonderes Fluggerät erhielt die Auszeichnung, sondern ausgerechnet eine Absturzstelle im Grand Canyon.

Den Hamburgern dagegen ist eher nach feiern zu Mute. Jürgen Weber blickt optimistisch in die Zukunft: "Wir werden alles daran setzen, dass unsere Tante Ju noch lange Jahre fit bleibt. Das nächste Etappenziel ist der 100. Geburtstag!“

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