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Douglas Ward im Gespräch: "Ein Schiff muss halten, was die Reederei verspricht"

Seit 32 Jahren testet Douglas Ward Kreuzfahrtschiffe für den "Berlitz Cruise Guide". Worauf der Brite dabei achtet und wie sich die Branche verändert. Außerdem gibt er Tipps gegen Seekrankheit.

Douglas Ward

Wenn er kommt, sollte besser alles klappen: Jedes Jahr besichtigt Douglas Ward, 71, zwischen 30 und 50 Kreuzfahrtschiffe, dafür ist er mehr als 200 Tage auf See.

Herr Ward, Sie haben mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe getestet. Welches ist das beste der Welt?

Das hängt davon ab, was Sie auf einer Kreuzfahrt suchen und wie Ihr Geschmack ist.

Das perfekte Schiff

Gibt es nicht. Stattdessen müssen Sie ein Schiff finden, das für Sie funktioniert. Manche legen Wert auf gutes Essen oder Animation und Entertainment, andere wollen eine Route fahren, an der sie möglichst viele schöne Orte besuchen.

Im aktuellen "Berlitz Cruise Guide" bewerten Sie 295 Kreuzfahrtschiffe. Wie gehen Sie dabei vor?

Ich beurteile etwa 400 Kriterien, die ich in sechs Kategorien unterteile: Schiff, Kabinen, Essen, Service, Entertainment und Kreuzfahrterlebnis an sich. Dabei spielt auch eine Rolle, wie groß ein Schiff ist und welches Publikum es bedient. Man kann einen Ozeanriesen nicht mit einem kleinen Schiff vergleichen.

Was braucht ein Schiff, damit es eine gute Bewertung bekommt?

Vor allem muss es halten, was die Reederei verspricht. Sonst sind die Kunden frustriert, buchen nicht noch einmal oder warnen andere über soziale Netzwerke.

Sie haben viel Macht. Wie oft hat man versucht, Sie zu bestechen?

Nicht mehr als vier Mal. Viele erkennen mich nicht, andere respektieren mich gerade dafür, dass ich objektiv bin. Nur das, was die Reederei dem Gast bietet, fließt in meine Bewertung ein. Dabei hilft mir meine Erfahrung. Außerdem bekomme ich im Jahr etwa 3000 Briefe und Mails von Passagieren. So erfahre ich, wenn sich etwas verändert. Schafft eine Reederei zum Beispiel die Schokolade auf dem Kopfkissen ab, weiß ich das innerhalb von 24 Stunden.

Wie haben sich die Schiffe im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Die Unternehmen haben viel Geld investiert, um sie umweltfreundlicher zu machen, etwa durch Brennstoffzellen und Flüssiggasantrieb. Zudem haben sie auf den großen Schiffen Gimmicks wie Kletterwände, Surfsimulatoren oder Bar-Roboter eingeführt. Im Katalog macht sich das gut, an Bord muss man oft Wartezeiten in Kauf nehmen.

Weltweit ist die Zahl der großen Kreuzfahrtschiffe gestiegen.

Als schwimmende Freizeitparks sind sie vor allem für Familien mit Kindern interessant. Andererseits sehnen sich viele Kreuzfahrer nach Schiffen für 1000 statt 4000 Gäste. Deshalb werden kleinere Schiffe mit sehr guter Ausstattung, exzellentem Essen und attraktiven Routen künftig stärker nachgefragt werden.

Genau wie Expeditionskreuzfahrten in abgelegene Regionen.

Die sind ideal für einen digitalen Entzug, die Ziele reichen von Papua-Neuguinea über den Nordpol bis zur Antarktis. Auch Flusskreuzfahrten in Europa werden immer beliebter, weil sich viele Menschen Städte im Landesinnern anschauen möchten. Die Nachfrage nach exklusiven Kreuzfahrten wird ebenfalls steigen.

Was ist deutschen Gästen wichtig?

Sie mögen längere Kreuzfahrten zu möglichst vielen Destinationen, sieben Tage sind den meisten zu kurz. Und sie sind gerne auf deutschsprachigen Schiffen unterwegs.

Was gehört unbedingt in den Koffer?

Taschenlampe, Sonnenbrille, Sonnencreme, Windjacke, Feuchtigkeitscreme, weil die Klimaanlage die Haut austrocknet. Und flache Schuhe, am besten mit Gummisohle. High Heels kann man bei hohem Wellengang ohnehin nicht tragen.

Ihr Mittel gegen Seekrankheit?

Da die Schiffe heute sehr stabil sind, werden weniger als drei Prozent der Passagiere seekrank. Sollte es Sie trotzdem erwischen, rate ich zu einem alten Seefahrermittel ohne Nebenwirkungen: gemahlenen Ingwer in warmem Wasser oder warmer Milch auflösen und trinken.

Wohin fahren Sie in den Urlaub?

Am liebsten bleibe ich zu Hause und arbeite im Garten. Manchmal mache ich auch eine Kreuzfahrt mit meiner Frau. Zwar fällt es mir schwer, an Bord nicht zu arbeiten. Aber ich liebe es noch immer, auf See zu sein. Nur gegen Häfen bin ich allergisch, in manchen war ich schon mehr als 200 Mal. 

Schiffstaufen 2017: Das sind die neuesten Kreuzfahrtschiffe
"Silver Muse", Silversea Cruises

"Silver Muse", Silversea Cruises

Auf der auf der italienischen Fincantieri-Werft entsteht das neue Flaggschiff von Silversea Cruises: Die "Silver Muse" ist der erste Neubau der Luxusreederei seit Jahren und verspricht höchsten Komfort in Kabinen mit einer Mindestgröße von 36 Quadratmeter, Butlerservice und einem Restaurant von Relais & Chateaux. Die Jungfernfahrt startet nach der Taufe am 19. April 2017 in Monte Carlo. Das Bild zeigt eine Fotomontage des Schiffes vor Manhattan.


Daten: 212 Meter Länge,  40.700 BRZ, 8 Decks, 596 Passagiere, www.silvermuse.info


Interview: Gunnar Herbst
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