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Sieben Meter hohe Wellen: Sturmtief "Egon" versetzt "Aida"-Passagiere in Angst

Sieben Meter hohe Wellen und Windstärke 10: Eine Kreuzfahrt auf der Nordsee ist im Winter nicht immer lustig. Auf der "Aida Prima" wurden mehrere Passagiere bei schwerer See verletzt.

Als in der Nacht zu Samstag das Sturmtief "Egon" in der Deutschen Bucht tobte, befand sich das Flaggschiff der Kreuzfahrtreederei Aida Cruises mitten drin. Die "Aida Prima" war während der einwöchigen Reise auf der letzten Etappe ihrer Metropolen-Kreuzfahrt von Rotterdam nach Hamburg unterwegs. Das erst im Jahre 2016 in Dienst gestellte Schiff kämpfte sich durch die schwere See.

Doch trotz modernster Technik und Stabilisatoren erwischten die bis zu sieben Meter hohen Wellen den Ozeanriesen so heftig, dass auf Deck 15 der Pool überschwappte, das Deck überflutete und mehr als nur Gläser im Selbstbedienungsrestaurant zu Bruch gingen. "Menschen auf Stühlen flogen um, Tische, Geschirr flog durch die Gegend. Im Poolbereich schreiende und weinende Kinder. Dort sind die Liegen vom Poolwasser, das rausgeschleudert wurde, weggeschwemmt worden", berichtet ein Passagier auf seiner Facebookseite.

Auf einem auf "Bild.de" veröffentlichten Video ist zu sehen, wie auf einem Deck der Pool überläuft und Mobiliar durch die Gegend rutscht.

Ein anderes auf Youtube hochgeladenes Video zeigt das Chaos an Bord, das die Wellen in den Restaurants angerichtet haben: von roten Lebensmitteln verschmierte Fußböden und viel zerbrochenes Porzellan. Mehrmals sind Ansagen zu hören, die sich nicht an die Passagiere, sondern an die Crew richten: "Medical response team to deck six".


Keine Panik auf der "Aida Prima"

Der diensthabende Kapitän Jens Janauscheck, der seit fünf Jahren für Aida Cruises fährt, soll die Passagiere aufgefordert haben, in ihren Kabinen zu bleiben und eine Kursänderung eingeleitet haben, um Schlimmeres zu verhindern. Nach Angaben von Aida Cruises gab es "zwei Passagiere mit Prellungen und einen mit einer Fraktur". "Das Schiff war jedoch zu jeder Zeit sicher", sagte später eine Reederei-Sprecherin.

Doch das Sturmtief "Egon" hat viele Gäste an Bord beängstigt, und die Kommunikation dürfte verbesserungswürdig sein. "Zu keiner Zeit hat der Kapitän erwähnt das Sicherheit für die Gäste besteht. Keine Worte der Beruhigung, die erste Stunde im Sturm keine Informationen, nur mehrfach über Lautsprecher das Notsignal für die Sanitäter. Zitat eines Managers zum Sturm: Sowas habe ich in 17 Jahren nicht erlebt", postete ein Passagier auf Facebook.

Tatsache ist, dass selbst ein so modernes Schiff wie die "Aida Prima" den rauen Naturgewalten der Nordsee ausgesetzt ist - besonders den Herbst- und Winterstürmen. Das Schiff fährt mit bis zu 3300 Passagieren erstmals ganzjährig jeden Samstag auf einem Rundkurs von Hamburg auf immer derselben Route durch die Nordsee und läuft die Häfen Southampton, Le Havre, Zeebrügge und Rotterdam an.


Summer feeling bleibt eine Illusion

Das 300 Meter lange Schiff erreichte wie geplant am Samstagmorgen das Cruise-Terminal in Steinwerder im Hamburger Hafen. Im Rahmen einer Pressekonferenz über das Entertainment-Programm an Bord der "Prima" nach dem Einlaufen der Sturm-Kreuzfahrt beschwichtigte Kapitän Janauscheck: "Orkantief  'Egon' machte sich breit über die Nordsee, den haben wir anständig abgewettert".

Aida Cruises verkauft die Kreuzfahrten der "Prima" im Katalog mit dem Motto "365 Tage Sommer". Durch die jüngsten Ereignisse des Sturmtiefs "Egon" sind Reederei wie Passagiere inzwischen eines Besseren belehrt: Im Januar herrscht auch auf dem Sonnendeck der "Aida Prima" eben Winter und kein Sommer. Da hilft auch ein auf 25 Grad aufgeheizter Beachclub unter einer transparenten Kuppel nicht viel.

Fazit des Passagiers CKoch11: "Der Großteil ist vielleicht sicher in Hamburg gelandet. Ich jedenfalls habe die Prima auf einer Rettungsliege mit einem Rettungswagen verlassen. Die Passagiere wurden durch den Kapitän viel zu spät gewarnt. Das ist Fakt!"

Vor kurzem kündigte Aida Cruises an, die "Aida Prima" im November 2017 aus Hamburg abzuziehen und im kommenden Winter Kreuzfahrten ab den Kanaren anzubieten. Als Gründe für das neue Routing nannte die Reederei den Wunsch vieler Kunden, mit dem Schiff in wärmeren Gefilden zu fahren. 

Kreuzfahrtschiff erreicht Taufhafen: "Aida Prima" läuft erstmals Hamburg an


tib

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