First Class im Flugzeug Kampf um exklusive Kundschaft

Privatsphäre und Exklusivität - Erste-Klasse-Abteile im Flugzeug erfüllen jegliche Wünsche. Die neuen Trends über den Wolken sprechen Kunden an, die Wert auf Prestige legen.

Schlafsessel, Spitzenküche, Service bis ins Detail - die Erste Klasse auf Langstrecken ist für viele Fluggesellschaften trotz des enormen Aufwands ein lohnendes Geschäft. Konkurrenz läuft nicht nur über Sitzbreite oder Weinauswahl - viele Gesellschaften konzentrieren sich auf eine Servicekette, die vom Einchecken bis zur Betreuung nach der Landung reicht.

In wenigen Wochen wird Airbus A380-Startkunde Singapore Airlines (SIA) erstmals präsentieren, welchen Komfort Gäste an Bord des neuen Flaggschiffs A380 geboten bekommen. "Es ist ein sehr situierter Markt. Die Gäste sind nicht nur wohlhabend, sondern achten auch auf Status", sagt Peter Tomasch, Sprecher von Singapore Airlines. "Auf rund 50 Prozent unserer Flüge weltweit bieten wir die First Class an." Um flexibel reagieren zu können, haben viele große Fluggesellschaften ihre Langstreckenflotte unterschiedlich ausgestattet. Je nach Buchungslage fliegt ein Airbus oder Boeing-Jet mit zwei oder drei Komfortklassen an Bord.

Während der Sprung von der dritten zur zweiten Klasse vor allem mehr Platz und Bewegungsmöglichkeit bedeutet, ist der Sprung von der zweiten zur ersten Klasse für manchen Reisenden auch eine Prestigefrage. "Diese Passagiere geben sich nicht mit der Business ab, auch wenn sie noch so gut ist", sagt Tomasch.

Die Erste Klasse bietet Vorteile

Erste-Klasse-Abteile im Flugzeug müssen eine Mischung aus Luxuskarosse, Fünf-Sterne-Hotel und Feinschmeckerlokal sein - mit entsprechenden Herausforderungen für Konstrukteure und Designer. Sessel, die sich in ein flaches Bett verwandeln lassen, sind heute Standard. Dazu kommen mehrere Dutzend Unterhaltungsprogramme und Telefonverbindung via Satellit.

"Komfort hat gerade in den letzten Jahren enorm zugelegt. Inzwischen ist die Business-Class auf einem Standard, den vor 10 bis 15 Jahren die First bot. Deshalb bieten wir unseren Kunden eine enorme Flexibilität bei der Gestaltung der Kabine", beschreibt Airbus-Sprecher Tore Prang die Erfahrung des Herstellers.

Einer der Hauptvorteile ist das Platzangebot: In der Ersten Klasse beträgt der Sitzabstand rund 2,30 Meter - in der engen Economy sind durchschnittlich 80 Zentimeter Standard. "Manche Gesellschaften bieten schon kleine Schlafkabinen ab. Damit wird der Trend nach mehr Privatsphäre und Exklusivität deutlich", sagt Prang. In einem eigenen Designzentrum in Hamburg und Toulouse untersucht Airbus, wie die Kabine der Zukunft aussehen könnte.

"Passagiere in der First wollen Privatheit, aber auch die Möglichkeit zum Austausch", sagt Geert Boven, Vorstandschef von Etihad Airways. In der Premium-Abteilung an Bord der Gesellschaft aus Abu Dhabi lässt sich der Sessel entweder in eine weitgehend abgeschottete Schlafkabine verwandeln, oder fürs Gespräch mit dem Mitreisenden zu einer Konferenzrunde drehen. "Jeder Sitz kostet mehr als ein Porsche Cayenne", beschreibt er den Aufwand. Die Sessel müssen nicht nur Komfort- und Designansprüchen genügen, sondern auch den Sicherheitsvorschriften der Luftfahrtbehörden entsprechen, ebenso Zubehör wie Schlafdecken oder Kuschelkissen.

Himmlischer Standard ohne Schnäppchenpassagiere

Der komfortabelste Sitz ist im Kampf um die exklusive Kundschaft aber nur die Hälfte wert, wenn Service am Boden nicht dem himmlischen Standard entspricht. Wer ein Ticket für 8000 statt für 800 Euro löst, möchte sich beim Einsteigen nicht durch Schnäppchenpassagiere drängen. Deshalb beginnen viele Fluggesellschaften exklusiven Service schon am Boden.

So eröffnete Lufthansa zum Beispiel am Flughafen Frankfurt ein eigenes Terminal extra für die Abfertigung der First-Passagiere. Dort können Gäste besonders zügig einchecken oder ihre Wartezeit in einer besonders komfortablen Lounge verbringen. Zum Flugzeug geht es per Limousine. Die Gesellschaft rundet ihr Angebot mit einem weiteren Kooperationsprogramm ab: Sie arbeitet mit dem Geschäftsreisejet- Betreiber Netjets zusammen. Passagiere können so direkt vom Langstreckenflug mit dem Lufthansa-Airbus oder Boeing auf einen kleinen Businessjet umsteigen, der sie an den individuell gewünschten Zielort fliegt.

Heiko Stolzke/DPA DPA

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