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Hauptstadt 1927 und 2013: Eine filmische Zeitreise durch London

In den 20er-Jahren filmte Claude Friese-Greene Londoner Orte. Fast 90 Jahre später begibt sich Simon Smith auf seine Spuren und dreht den sehenswerten Kurzfilm "London in 1927 & 2013".

Von Linda Richter

Als Claude Friese-Greene 1924 zu einer Reise durch Großbritannien aufbrach, hatte er ein Ziel: Mit einem Farbfilm wollte der 26-Jährige Werbung für ein Filmverfahren machen, das sein verstorbener Vater entwickelt hatte. Im Zeitraum von zwei Jahren drehte er "The Open Road", eine szenische Stummfilmreise durch Großbritannien.

Doch das Projekt des jungen Filmpioniers floppte. Der Stummfilm wurde nur wenige Male aufgeführt und geriet dann in Vergessenheit. Die Technik der Friese-Greenes konnte nicht mit dem damals entwickelten Technicolor-Prozess mithalten. Erst rund 90 Jahre später wird "The Open Road" die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit erhalten.

Der Film besteht aus mehreren zehnminütigen Episoden. Die letzte zeigt das London der Zwanziger Jahre – Friese-Greenes Heimatstadt. Nicht ohne Pathos setzte der Brite die Metrople an der Themse in Szene. Mit Schrifttafeln stimmt er die Zuschauer auf seine Bilder ein. Die zeigen neben Sehenswürdigkeiten wie dem Tower auch die ersten Doppeldecker-Busse, die durch die Straßen rollen. Frauen und Männer spazieren in der damals typischen Mode durch den Hyde Park oder über die Märkte der Petticoat Lane.

Die Wiederentdeckung des Films

Jahrzehntelang lagen die Aufnahmen im Archiv des Britischen Film Instituts (BFI). 2007 veröffentlichte das BFI den restaurierten Film und zeigte Auszüge davon auf Youtube. Die Clips erhielten Hunderttausende Abrufe. Und: Die Zeitreise durch das London der 20er-Jahre erregte auch die Aufmerksamkeit des Filmemachers Simon Smith.

Smith beschließt, die Orte der Episode erneut zu filmen. Im Februar des vergangenen Jahres beginnt er seine Arbeit für das Video "London 1927 & 2013". Sieben Monate später zeigt er den Clip, der die alten Sequenzen mit den neuen verbindet, auf der Videoplattform Vimeo. Fast eine halbe Millionen Mal ist das Video hier bereits abgerufen worden.

"Es war eine persönliche Studie, die gezeigt hat wie wenig sich in London verändert hat", sagt Smith über sein Projekt. Die Sehenswürdigkeiten hätten sich seit den Zwanzigern kaum verändert. Viele der Häuser in den Aufnahmen von damals stehen auch heute noch.

Die kleinen Unterschiede

Unterschiede gibt es dennoch: Während das Ufer der Themse um den Tower damals noch in sattem Grün erschien, prägen heute Hochhäuser das Bild. 2013 regeln Ampeln den Verkehr in London und haben die Verkehrslotsen von damals ersetzt. Fast doppelt so viele rote Doppeldecker-Busse rollen heute über die Straßen der Metropole.

Auch wenn sich Friese-Greenes Filmtechnik nicht durchsetzen konnte, die ungewöhnlich frühen dokumentarischen Farbbilder geben einen seltenen Einblick in die Vergangenheit. Der Brite starb jung im Alter von 44 Jahren in London aus ungeklärten Umständen. Was er wohl zu seinem späten Ruhm gesagt hätte?

Lesen Sie auf der folgen Seite eine Übersetzung des Skriptes von "London 1927 & 2013"

Übersetzung von "London in 1927 & 2013"

"Zurück in unserer Heimatstadt bedauern wir, dass unsere Tour nun vorbei ist. Aber wird sind auch froh unser LONDON wiederzusehen. Seine Sehenswürdigkeiten zu sehen, seine Geräusche zu hören, seine Gerüche zu riechen!" "Unser Vater Themse. Ein hingebungsvolles Elternteil, das nie zu alt für die Arbeit wird!" "Bei einem London-Besuch darf ein Besuch beim Tower nicht fehlen!" "Mehr als ein Amerikaner wollte bereits unseren Tower kaufen und ihn in Palm Beach als Bungalow wieder aufbauen!" "Überquerung der London Bridge"

"Die übermächtige Hand"

"Whitehall, wo das Denkmal unserer Nation für unsere ruhmreichen Toten steht."

"Die mehr als 4000 Busse sind ein eindrucksvoller Bestandteil des Londoner Verkehrs." "Eine weitere Gedenkstätte eines Heldens der Vergangenheit." "Der Eingang zu Londons Lunge." "Der Hyde Park – ein fröhliches Jagdgebiet für Amor und andere aufgeweckte junge Dinger." "Also bauten Sie einen Bogen aus Mamor und nannten ihn Marble Arch, Mamorbogen."

"So kümmert sich London um seine Spatzen. Eine hübsche Studie im Holländischen Garten von Kensington Garden."

"Peter Pans Statue - und eine etwas schüchterne Wendy."

"Zum Kontrast geht es nun vom Park-Idyll zur Petticoat Lane - dort amüsieren sich Londons Ehemänner, während Ihre Frauen das Sunday Dinner vorbereiten."

"Und nun zum Oval - zum Testspiel, in dem England auf brilliante Weise gegen Australien gewann."

"Blick über die Westminster Bridge."

"Und hier endet unsere Tour. Als letzten Schauplatz haben wir einen Ort gewählt der sicherlich Londons romantische Seite in jeden Teil des Reiches tragen wird."

Linda Richter

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