planeteye.com Drehkreuz für Urlaubsplaner


Schluss mit dem Herumhüpfen von einer Website zur nächsten: Das Portal Planet Eye tritt an, Reiseinformationen auf einer Seite zu bündeln.
Von Karsten Lemm, San Francisco

Verreisen kann Arbeit sein, selbst wenn es um Urlaub geht. Immer mehr Menschen nutzen das Internet, um sich vorab über ihr Reiseziel zu informieren - doch meist bedeutet das, von einer Website zur anderen zu springen: hier das Hotel suchen; dort nachlesen, ob es etwas taugt; weiter zu Google Maps, um zu sehen, was es rings um die Unterkunft noch alles zu sehen gibt. So geht das munter weiter. Im Durchschnitt, fand der Marktforscher Comscore bei einer Untersuchung in England heraus, besuchen Reisende mehr als 20 unterschiedliche Webseiten, ehe sie einen Flug kaufen oder ein Hotel reservieren.

"Das Buchen ist heute kinderleicht, aber ein Reiseziel zu verstehen - ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es anderswo aussieht - bleibt immer noch mühevoll", sagt Butch Langlois, Präsident der neuen Reiseseite Planet Eye, die sich vorgenommen hat, das zu ändern. Mit einer Kombination aus Fotos, Stadtplänen, Insidertipps und Buchungsservice will die kanadische Jungfirma nichts weniger werden als "die erste Anlaufstelle in Sachen Reiseplanung im Internet", so Langlois. Helfen soll dabei auch Microsoft: Der Software-Riese steuerte eine patentierte Technologie zur Informationsauswertung bei und hält ein Drittel der Anteile an Planet Eye.

Mehrere Web-Seiten auf einen Klick

Das Portal, das am 10. Juli offiziell an den Start geht, führt im Wesentlichen zusammen, was sich andernorts im Internet bereits finden lässt - nur eben bisher über viele Seiten verstreut: Hotelpreise und -informationen von Travelocity, Hotelkritiken von Tripadvisor sowie aus Reiseführern wie Frommer's, dazu noch Restaurantipps, Flickr-Fotos, Sehenswürdigkeiten. "Wir versuchen, Informationen zusammenzubringen und Zusammenhänge herzustellen, damit unsere Nutzer leichter planen und Entscheidungen treffen können", erklärt Langlois. "Wir wollen informieren und inspirieren."

Für 50 Ziele wie Berlin, Rio de Janeiro und Venedig hat Planet Eye obendrein eigene Experten angeheuert, die als Stadtführer auftreten. Vorerst konzentriert sich die Seite auf Englisch, andere Sprachen und europäische Inhalte sollen folgen. Wie viele andere Web 2.0-Dienste auch setzt PlanetEye zudem auf rege Beteiligung der Nutzer, die Erfahrungen und Empfehlungen austauschen können. Wer durch besonders gute Beiträge auffällt, komme potentiell sogar als freier Mitarbeiter in Betracht, sagt Langlois: "In kleineren Städten wie etwa Jena könnte ein Nutzer zu unserem Experten werden, und dann ist denkbar, dass wir eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen anbieten."

Deutschen kaufen Reisen für 13 Milliarden Euro im Web

Geld verdienen will das Reiseportal außer mit Anzeigen auch durch Umsatzbeteiligung beim Vermitteln von Buchungen und Reservierungen. Wer etwa durch Planet Eye auf ein Konzert stößt, kann ohne Umwege Tickets kaufen; und wer ein interessantes Restaurant entdeckt, kann sofort online einen Tisch reservieren. In beiden Fällen bekommt Planet Eye eine Vermittlungsprovision von Partnern wie Stubhub und Opentable.

Der Markt für Reiseportale ist heiß umkämpft, denn es geht um viel Geld: Allein die Amerikaner werden in diesem Jahr für über 100 Milliarden Dollar (etwa 64 Milliarden Euro) Reisen im Internet buchen, schätzt der Marktforscher eMarketer. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Flugtickets, der Rest auf Hotels und Mietwagen. In Europa sollen laut Verband Internet Reisevertrieb (VIR) noch einmal gut 60 Milliarden Euro hinzukommen - 13 Milliarden davon allein dank der reiselustigen Deutschen. Nach anfänglichem Zögern hat sich auch zwischen Elbe und Isar das Internet zum Buchen und Informieren etabliert. "Fast jede Urlaubsreise beginnt im Web", berichtet der VIR.

Um sich von Konkurrenten wie Realtravel, Locr und Mydaytrip abzusetzen, nutzt Planet Eye eine von Microsoft entwickelte Technologie namens "World Wide Media Exchange" (WWMX). Auf interaktiven Stadtplänen zeigen aufspringende Fenster, so genannte "Medienblasen", Informationen rund um einen bestimmten Ort. Das können Restaurants in der Nähe eines Hotels sein, aber auch Museen, Kinos oder andere Sehenswürdigkeiten. Registrierte Nutzer sollen davon profitieren, dass die Seite mit der Zeit lernt, was sie mögen, und daraufhin eigene Vorschläge macht. "Wenn wir zum Beispiel wissen, dass Sie gern Golf spielen, können wir Ihnen Golfplätze zeigen, die Sie sonst vielleicht übersehen hätten", erklärt Langlois.

Alle persönlichen Reiseinformationen werden in einem "Travel Pack" zusammengefasst - einer Art digitalen Sammelmappe für Bilder, Buchungsbestätigungen und mehr. Das Travel Pack lässt sich privat oder öffentlich mit anderen teilen, etwa zum Planen von Gruppenreisen. Wer unterwegs auf sein Travel Pack zurückgreifen will, muss allerdings vor einem PC sitzen - einen Mobildienst bietet PlanetEye bisher nicht an. Das sei, ebenso wie die Expansion nach Europa, als nächster Schritt geplant, sagt Langlois.


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