HOME

Rechte der Arbeitnehmer und Passagiere: Was Sie nach der Aschewolke erwartet

Zehntausende Urlauber und Geschäftsreisende saßen in den vergangenen Tagen fest. Nach ihrer Rückkehr kann auf Arbeitnehmer eine unangenehme Überraschung am Boden warten. Passagiere können hingegen auf ihre Rechte pochen.

Von Swantje Dake und Vera Rigert

Zehntausende Reisende saßen während der vergangenen Tage an ihren Urlaubsorten fest. Langsam löst sich das Chaos auf. Der europäische Luftraum ist wieder komplett für Flüge freigegeben. Nun drängen sich die Reisenden erneut in den Schlangen vor den Abflugschaltern und möchten den nächsten Flug nach Hause nehmen. Manche haben Glück, andere müssen immer noch warten.

Wie sollen sich Arbeitnehmer verhalten, die nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurückkehren?

Wer nach wie vor am Urlaubsort festsitzt oder auf dem Rückweg von der Geschäftsreise gestrandet ist, muss seinen Arbeitgeber zunächst unverzüglich informieren, also auch, wenn die Gesprächskosten aus dem Ausland oder das Internetcafé teuer sind. Kommt der Arbeitnehmer dieser sogenannten Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag nicht nach, kann der Arbeitgeber ihn wegen unentschuldigten Fehlens abmahnen.

Dann sollte sich ein Angestellter täglich melden und erklären, dass er weiterhin nicht zur Arbeit erscheint und gleichzeitig sollte er wenn möglich Arbeitsbereitschaft signalisieren. Zwar sind die Folgen des Vulkanausbruchs ein Fall von "höherer Gewalt", trotzdem muss man nach der Rückkehr dem Arbeitsgeber nachweisen können, dass man wirklich auf Grund des Flugchaos nicht zur Arbeit erschienen ist. Sammeln Sie alle Reisebelege und Unterlagen, die Sie dem Arbeitsgeber nach der Rückkehr vorlegen.

Was ist mit Schäden, die einer Firma wegen der Fehlzeiten entstehen?

Hat ein Beschäftigter seine Firma unverzüglich über seine Zwangslage informiert, kann er auch nicht für Schäden haftbar gemacht werden, die etwa entstehen, weil wegen seines Fehlens wichtige Termine oder gar Aufträge geplatzt sind.

Werden für den verpassten Arbeitsantritt Urlaubstage fällig?

Fehlzeiten über mehrere Tage wegen "höherer Gewalt" sind im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht eindeutig geregelt. Arbeitgeber können auf einen Kostenausgleich bestehen: Sie können die Fehltage entweder nacharbeiten lassen, von künftigem Urlaub abziehen oder das Gehalt anteilig kürzen. Arbeitsrechtler empfehlen den Betroffen wegen der rechtlich unklaren Situation unbedingt, den Betriebs- oder Personalrat für eine einvernehmliche Lösung hinzuzuziehen. Grundsätzlich gelte die Regel "Arbeit gegen Lohn", so der Hamburger Arbeitsrechtsanwalt Dr. Matthias Sandmaier. Wenn der Arbeitnehmer nicht zur Arbeit erscheine, könne der Arbeitgeber ihm den Lohn kürzen. "Oder der Angestellte nimmt in Absprache mit der Firma rückwirkend Urlaub", so Sandmaier.

Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten: "Wenn die Voraussetzungen da sind, kann das Unternehmen von seinem festsitzenden Angestellten verlangen, gewisse Tätigkeiten vom Urlaubsort auszuführen" so Sandmaier weiter. Wenn der Urlauber seine Rückkehr nicht mutwillig herausgezögert hat, muss weder mit eine Abmahnung noch mit eine Kündigung befürchten.

Wer zahlt die unfreiwillige Urlaubsverlängerung?

Da die Aschewolke ein Fall der "höheren Gewalt" ist, kann der Urlauber nicht den Reiseveranstalter zur Verantwortung ziehen. Der Anspruch auf einen Rückflug bleibt bestehen, auch wenn ungewiss ist, wann dieser möglich ist. Die zusätzlichen Hotelübernachtungen müssen vom Urlauber getragen werden. Viele Veranstalter haben die Reiseverträge mit ihren Gästen gekündigt, so dass die Urlauber selbst für die Unterkunft aufkommen müssen. Andere, wie etwas Tui, zeigten sich kulant, zahlten die weiteren Hotelnächte und zum Teil, wie etwa Öger Tour, für die Verpflegung und Ausflüge während der Wartezeit. Ein rechtlicher Anspruch darauf besteht jedoch nicht.

Werden Urlauber für entgangene Ferientage entschädigt?

Nein, denn die Aschewolke ist ein klassischer Fall der "höheren Gewalt". Allerdings haben Flugpassagiere Anrecht auf eine kostenlose Betreuung und Verpflegung durch die Fluglinie, wenn sich der Flug - je nach Strecke - um zwei, drei oder vier Stunden verschiebt. Ab fünf Stunden können die Reisenden auf die Betreuung verzichten und den Ticketpreis zurück verlangen. Wird durch die Verzögerung eine Nacht auf dem Flughafen unausweichlich, müssen die Fluglinien ihren Kunden eine Übernachtung im Hotel zahlen. Die Fluggesellschaft kann auf Busse, Züge oder andere Verkehrsmittel zurückgreifen. Bis zur Abfahrt hat der Passagier dann Anspruch auf verschiedene kostenlose Leistungen wie Erfrischungen, gegebenenfalls Unterkunft und zwei Telefongespräche oder alternativ Faxe oder E-Mails.

Welche Passagierrechte gelten trotz der "höheren Gewalt"?

"Die Passagierrechte gelten genauso dann, wenn die Dinge schlecht laufen, wie wenn sie gut laufen", sagte die Sprecherin von Verkehrskommissar Siim Kallas. Nach EU-Recht haben die Passagiere bei Annullierungen Recht auf vollständige Erstattung ihres Flugtickets einschließlich Gebühren oder auf eine Ersatzbeförderung. Der Passagier kann zwischen beidem wählen. Wählt er die Erstattung, verliert er damit den Anspruch auf jede weitere Leistung. Das Geld muss binnen sieben Tagen erstattet sein. Die Entschädigung von bis zu 600 Euro bei Annullierung eines Fluges entfällt allerdings.

Was sollen Passagiere machen, wenn die Fluglinie die Unterkunft nicht zahlen will?

Ryanair und Air Berlin wollen ihren gestrandeten Passagieren die Kosten für Hotelzimmer und Essen nicht erstatten. Ryanair bot Urlaubern von den Kanaren lediglich einen Flug auf das spanische Festland an. Dann sollten sie ihren Heimweg auf eigene Faust und Kosten organisieren. Der Billigflieger will zwar "alle angemessenen und mit Belegen eingereichten Passagier-Auslagen der letzten Woche" erstatten, aber Ryanair-Chef Michael O'Leary betonte, dass diese in ihrer Rückzahlung jedoch durch den eigentlich bezahlten Flugpreis jedes Passagiers begrenzt seien. Wer aufgrund eines späteren Rückflugs also ein Hotel buchen musste, bleibt unter Umständen auf einem großen Teil dieser Kosten sitzen. O'Leary sagte dem irischen Radiosender RTE, es gebe "kein Gesetz, das einer Fluggesellschaft, die 30 Euro für ein Ticket nimmt, vorschreibt, tausende Euro für Hotels auszugeben. Das ist absurd." "In diesen Fällen raten wir: Klagen Sie ihr Recht ein, und beschweren Sie sich bei den nationalen Behörden", rät die Sprecherin von Verkehrskommissar Siim Kallas.

Wo können sich deutsche Passagiere beschweren?

Beschwerden sind an die nationale zuständige Aufsichtsbehörde für Luftfahrt zu richten. In Deutschland ist dies das Luftfahrt-Bundesamt. Auf der Internetseite gibt es ein sechsseitiges Formular zum Download .

Wo und für wen gelten die EU-Rechte?

Die Rechte gelten nicht nur auf EU-Territorium, sondern auch dann, wenn Passagiere in einem Drittstaat gestrandet sind, beispielsweise den USA. Dann muss ihre Fluggesellschaft aber in der EU gemeldet sein und der gebuchte Flug dorthin gehen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity