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Schifffahrt: Der Kapitän des Traumschiffs muss von Bord

Ausflaggung oder Verkauf des Traumschiffs: Kapitän Jungblut hat im Streit um die "Deutschland" immer wieder öffentlich Front gemacht gegen die Reederei Deilmann - nun verlässt Jungblut das Schiff.

Aus der Traum: Kapitän Andreas Jungblut muss seinen Platz auf der Brücke des ZDF-Traumschiffs, der "Deutschland", räumen. Während die "Deutschland" vor der Küste Westafrikas mit Kurs auf die Kapverdischen Inseln schipperte, flatterte dem streitbaren Jungblut im Landurlaub die Kündigung ins Haus. Durch wiederholtes illoyales Verhalten des Kapitäns sei eine vertrauensvolle Zusammenarbei mit ihm nicht mehr möglich, heißt es in einer Pressemitteilung der Reederei.

Seit 27 Jahren stand Jungblut in Diensten der Reederei Deilmann, seit 13 Jahren führte er als Kapitän das Kommando auf der "Deutschland". Doch seit der Übernahme der Reederei durch den Finanzinvestor Aurelius 2010 gab es mehrfach Unstimmigkeiten zwischen Kapitän und Reederei. Einen ersten Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen im Sommer. Jungblut hatte während der Olympischen Spiele, als das ZDF-"Traumschiff" als Unterkunft für Besucher und Prominente in London vor Anker lag, öffentlich gegen Pläne protestiert, das Schiff auszuflaggen. Das Schiff sollte aus Kostengründen nach dem Willen der Reederei unter der Flagge Maltas fahren. Die Reederei lenkte angesichts des öffentlichen Drucks ein.

"Bild"-Interview bringt Fass zum Überlaufen

"Die Kündigung ist keine Reaktion auf das Engagement für die deutsche Flagge. Wir hätten gerne weiter mit Kapitän Jungblut zusammengearbeitet, aber es ging einfach nicht mehr", sagte Reedereigeschäftsführer Konstantin Bissias. Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar ein "Bild"-Interview vom Wochenende. Darin wird Jungblut mit den Worten zitiert, Aurelius wolle die "Deutschland" nach Korea verkaufen. "Das stimmt nicht. Wir wollen die "Deutschland" nicht verkaufen sondern wollen, dass sie das deutsche Traumschiff bleibt", dementierte Reedereisprecherin Kornelia Kneissl.

Darauf setzt auch das ZDF. "Die MS Deutschland ist für uns zunächst einmal ein Drehort wie es andere auch gibt. Wir gehen davon aus, dass er uns auch in Zukunft, konkret: zu Beginn des nächsten Jahres wieder zur Verfügung steht", sagte ZDF-Sprecher Peter Gruhne am Dienstag. An der Gunst der Zuschauer habe sich nichts geändert. "Alles andere, was gegenwärtig für Schlagzeilen sorgen mag, sind interne Angelegenheiten, zu denen wir uns nicht äußern", sagte Gruhne.

Auch die Passagiere stehen nach den Worten Kneissls zur "Deutschland". "Wir haben seit dem Sommer eine sehr positive Buchungsentwicklung", sagte sie. Der neue Kapitän Elmar Mühlebach ist für viele Fahrgäste kein Unbekannter. Der 45-Jährige ist seit bereits 2007 stellvertretender Kapitän auf der "Deutschland". Er wird am 4. November in der senegalesischen Hauptstadt Dakar an Bord gehen und das Kommando übernehmen.

Eva-Maria Mester, DPA / DPA

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