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Sonstige: "Ist ja echt pompös"

Spätestens als das gigantische Schiff aus dem Nebel auftaucht, hat sich für die rund 50.000 Hamburger das frühe Aufstehen gelohnt. Das größte und teuerste Passagierschiff der Welt ist da - und ganz Hamburg scheint in aller Frühe auf den Beinen zu sein.

Die Ausmaße der "Queen Mary 2" erinnern an einen schwimmenden Stadtteil, der sich langsam die Elbe aufwärts Richtung Hamburg schiebt. Mit seinen 345 Metern Länge und 72 Metern Höhe bringt der Transatlantik-Liner selbst die schiffserfahrenen Hanseaten zum Staunen: "Das ist schon sehr beeindruckend", schwärmt die 36-jährige Kerstin Meyer, die sich mit ihrer 13-jährigen Patentochter Daniela schon um 06.10 Uhr einen Logenplatz am Hafen sicherte. Nicht zu früh: Nur eine halbe Stunde müssen sie auf die "Queen Mary 2" warten, die es offenbar besonders eilig hat, die Hansestadt zu erreichen.

Bei anderen, die erst kurz vor 07.00 Uhr an den Landungsbrücken auftauchen, gibt es lange Gesichter. Lediglich das Heck sehen sie noch in Richtung des Hafencity-Kreuzfahrtterminals verschwinden. Und wieder andere sind ohnehin enttäuscht von dem Flaggschiff der Cunard-Reederei. "Uns hat die 'Jewel of the Seas' im April viel besser gefallen", sagen die beiden jungen Frauen Susann Kirsche und Kamila Plewe missbilligend.

Größer, schöner, besser...

Dabei spielt die "Queen Mary 2" in einer ganz anderen Klasse als normale Kreuzfahrtschiffe. Für das chronisch schlechte Wetter im Atlantik ist das Linienschiff viel stabiler ausgerüstet als die Schön-Wetter-Kreuzfahrer in der Karibik. Und auch sonst ist die "QM 2" nicht ohne: Größtes Schiff, teuerstes Schiff, größte "schwimmende" Bibliothek, weltweit einziges "schwimmendes" Planetarium, 111 Quadratmeter große Suiten, zehn Restaurants, eine Brauerei, fünf Schwimmbäder und und und. Kurz gesagt: Luxus pur. In den günstigen Kabinen ist eine Überfahrt von Southampton nach New York aber immerhin schon für 1.710 Euro zu haben.

Für die rund 250.000 Neugierigen, die am Montag zum Kreuzfahrtterminal in der Hafencity kommen, ist aber nicht einmal eine Besichtigung des königlichen Luxus-Liners möglich. Zum Schutz vor Terroranschlägen und um die Nerven der meist gut betuchten 2.620 Passagiere zu schonen, werden Fußgänger nur bis auf 30 Meter an das Schiff herangelassen. Dabei haben die meisten "QM 2"-Reisenden ohnehin die Gelegenheit genutzt, um sich im Norden Deutschlands ein wenig umzusehen. Rund 700 Passagiere, hauptsächlich Amerikaner, sind sogar für einen Tag nach Berlin gefahren.

Sogar Golfspielen ist möglich

Trotzdem bleibt den Schiffs-Fans nichts anderes übrig, als sich an den Absperrungen die Nasen platt zu drücken, sich mit dem kleinen Volksfest am Terminal zu begnügen und den Luxus-Liner von Ferne zu bestaunen. Sie kommen nicht wie die Passagiere in den Genuss der Zigarrenraucher-Lounge, des Theaters, der Kinderdisco oder der Jogging-Strecke rund um das Schiff auf Deck 7. Nicht einmal aufs Golfspielen muss der "Queen Mary 2"-Passagier verzichten: "In unserem Golf-Simulator kann man auf den besten Greens der Welt spielen", betont Thorsten Lünzmann von Cunard.Doch nicht nur die Hamburger, auch Passagiere und Besatzung sind offenbar glücklich über den Deutschlandbesuch. "Ich hatte die Passagiere vorgewarnt, dass der Empfang sehr herzlich wird, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", berichtet Kapitän Paul Wright strahlend. Schon kurz nach der Einfahrt in die Elbe bei Cuxhaven habe er in der Dunkelheit auf beiden Seiten immer wieder Kamera-Blitzlichter und begeisterte Menschen gesehen. "Ich habe ab 04.00 Uhr morgens so oft das Nebelhorn geblasen, dass ich bestimmt alle aufgeweckt habe", fügt er grinsend hinzu.Zumindest in Hamburg ist das Schiff auch in den weit entfernten Stadtteilen zu hören. Da hält es dann auch viele Langschläfer nicht mehr zu Hause, so wie den 20-jährigen Henrik Plichta, der am Mittag staunend vor dem Hochhaus-ähnlichen Schiff steht. Viel fällt ihm zur "Queen Mary 2" nicht ein, außer: "Ist ja echt pompös."

Lisa Arns
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