VG-Wort Pixel

Lockerung der Reisebeschränkungen Von der Leyen: Geimpfte US-Bürger können bald wieder in die EU reisen

Urlaub im Risikogebiet Gran Canaria: "Fliegen entspannter als vor Corona"
Sehen Sie im Video: Urlaub auf Gran Canaria – stern-Reporterin zeigt ihre Flugreise ins Corona-Risikogebiet.




Linda Richter, stern-Reporter
„Fliegen in Zeiten der Corona-Pandemie: Ist das sicher möglich? Die Regierung warnt vor Reisen ins Ausland. Trotzdem kann man Urlaubsflüge buchen – auch in Risikogebiete. Ich habe den Test gemacht – mit einem Flug zu den Kanaren.“ 
Gran Canaria ist zum Zeitpunkt meiner Reise ein Risikogebiet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei etwa 70 und ist damit niedriger als in den meisten Teilen Deutschlands. 
Die Lieblings-Insel der Deutschen leidet unter der Corona-Pandemie. Während 2019 noch fast 880.000 deutsche Urlauber dort hinflogen, waren es 2020 nur noch etwas mehr als 300.000. Insgesamt verliert Gran Canaria im Corona-Jahr 2,5 Millionen Touristen – ein Einbruch um fast 70 Prozent.   
Ich buche den Flug. Mit 175 Euro pro Flug ist die Reise relativ preiswert.  Schon vor dem Start wird aber deutlich: Eine Flugreise zu planen, kostet in Corona-Zeit viel Nerven und Flexibilität.  


Linda Richter, stern-Reporter:
„In den acht Wochen vor dem Flug hat Condor meine Flüge vier Mal geändert. Das bedeutet: Meine Flüge wurden auf einen völlig anderen Tag in der Woche gelegt – aus einem 4-Stunden-Flug wurde auf einmal ein 14-Stunden-Flug. Informiert wurde ich darüber nur in einer automatisierten Mail. Zehn Tage vor Abflug kommt die letzte Änderung.“ 


Ich frage bei Condor nach. Pressesprecherin Magdalena Hauser erklärt mir, wie schwierig die Planung für Fluggesellschaften in Padnemie-Zeiten sei – durch die Impfungen, hofft sie, werde sich die Situation entspannen. Die Nachfrage sei derzeit abhängig von den Quarantäne-Bestimmungen in den unterschiedlichen Ländern – und die ändern sich je nach Infektionsgeschehen.
Um Leerflüge zu vermeiden, werden Passagiere weniger ausgelasteter Flüge auf andere verteilt. Dafür nutzen die Flugplaner auch Algorithmen, um Passagiere umzuverteilen. 


In meinem Fall bin ich mir sicher, dass vor dem Verlegen meiner Flüge kein Planer über die Änderung geschaut hat. Ich ändere die Flüge telefonisch.
Als ich einen Mitarbeiter in der Leitung habe, finden wir Alternativen. Aus meiner zehntägigen geplanten Reise bleiben nach vier Mal umbuchen nur sieben Tage übrig. 
Um auf die Kanarischen Inseln zu reisen, braucht man außerdem einen negativen PCR-Test. Kostenfaktor am Flughafen rund 80 Euro. Obwohl die Ferienzeit bevorsteht, geht es im Testzentrum ruhig zu. Die riesige Halle wirkt wie ausgestorben. Ich habe mich vorher online registriert und den Test bezahlt und bin sofort dran – in weniger als zehn Minuten bin ich durch.  
Linda Richter, stern-Reporter
„Ich komme gerade aus dem Testzentrum und der Test war sehr entspannt. Keine Wartezeiten. Keine Schlangen. Das Ergebnis soll uns jetzt in 24 Stunden zur Verfügung gestellt werden und damit könnte ich dann fliegen.“ 
 Sind so wenige Besucher im Hamburger Flughafen-Test-Zentrum normal? Eine Mitarbeiterin des Testteams erzählt mir, dass in den Stunden zuvor die Halle voll gewesen sei. Wer nicht in eine Schlange geraten will, kann auf die Stoßzeiten in den Testzentren achten. Wann dort viel los ist, zeigt zum Beispiel Google unter den Infos des Zentrums an.     


Wie schnell ich mein Ergebnis habe, überrascht mich. Nach drei Stunden erscheint die Auswertung auf meinem Handy: Negativ. Damit kann ich mich bei den spanischen Behörden registrieren. Fehlt nur noch die spanische Corona-App auf dem Smartphone – dann habe ich endlich alles für den Flug zusammen.


Linda Richter, stern-Reporter:
„6:30 Uhr, Tag des Abfluges, Ich bin hier vor dem Terminal 1 des Hamburger Flughafens. Es ist relativ ruhig. Man darf nur mit Boarding-Pass in das Flughafen-Gelände und ich bin gespannt, wie das beim Check-In abläuft.“


Beim Einchecken des Gepäcks müssen wir neben dem Ausweis die Testergebnisse und Registrierung in Spanien vorlegen.  Einige Urlauber und Reisende sind im Flughafen unterwegs, die Schlangen aber nicht lang und übersichtlich. Menschen stehen im Abstand hintereinander – im Security-Bereich geht alles sehr schnell und ohne Gedrängel. 


Vor den Gates haben nur wenige Geschäfte geöffnet – der Großteil des Flughafens ist dicht. 
Linda Richter, stern-Reporter:
„Ich bin jetzt hier am Gate etwa eine Stunde vor dem Abflug. Es ist zu 50 Prozent gefüllt. Überall sind Sicherheitshinweise, sodass die Leute genug Abstand voneinander halten.“ 


Bricht beim Boarden dann das große Chaos aus? Tatsächlich läuft alles weiterhin entspannt ab:  Die Sitzreihen werden in Gruppen nacheinander aufgerufen –  auch beim Einsteigen gibt es viel Platz zwischen den Passagieren.   
Ohne Stress erreiche ich meinen Sitzplatz. Endlich geht es los – denke ich – dann kommt es aber anders: 


Linda Richter, stern-Reporter
„Wir waren schon auf dem Rollfeld und sind jetzt wieder zurückgefahren: Technischer Fehler – auch das kommt noch vor. Das heißt, wir werden jetzt wahrscheinlich das Flugzeug wechseln müssen. Wie das noch abläuft werden wir sehen. Die Crew hat uns gebeten, sitzen zu bleiben.“ 


Und nun? Auch beim Aussteigen greift das neue Corona-Sicherheitsprinzip, das wir schon vom Boarden kennen. Die Crew ruft nacheinander die Sitzreihen auf, so dass die Passagiere hintereinander aussteigen.  
So stressfrei habe ich ein Flugzeug noch nie verlassen.  
Dann heißt es wieder: Warten. Boarden. Und irgendwann ist es dann endlich so weit: Der Flieger hebt ab. 


In den kommenden vier Stunden sitze ich nun in dieser riesigen Aluminiumbüchse mit vielen anderen Menschen. Etwas mulmig ist mir dabei schon – trotz Masken und der Gewissheit, dass alle an Bord ein negatives Testergebnis haben. 
 Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr auf einem Flug? Der MIT-Statistiker Arnold Barnett hat anhand bestehender Daten das Risiko  für  einen zweistündigen Flug ermittelt, wenn alle Passagiere durchgängig eine Masken tragen. Es liegt in einem vollen Flugzeug bei 1 zu 7700, etwa 0,03 Prozent.
Sind nicht alle Sitze belegt, ist es sogar noch niedriger. Dass das Freilassen der Mittelsitze die Ansteckungsgefahr senkt, zu dem Ergebnis kommt auch eine neue Studie der US-Regierung.
So schlecht leere Sitzreihen für die Airlines und die Umwelt auch sind –  in Corona-Zeiten machen sie das Fliegen sicherer. Auch mein Flug ist nicht voll ausgelastet. Von den gut 300 Plätzen sind nur etwa 180 belegt – also etwas mehr als die Hälfte. 
Auch wenn Statistiken natürlich nicht alle Unsicherheiten erfassen können, ich fühle mich an Bord sehr sicher – auch weil ich weiß, dass alle hier getestet wurden.
Als die Insel im Fenster erscheint, bin ich entspannt und freue mich aufs Ankommen. Und dann ist es so weit: Die Reifen setzen auf der Landebahn auf – willkommen auf Gran Canaria.  


Linda Richter, stern-Reporter
„Ich bin hier am Flughafen in Las Palmas.  Bei der Ankunft hatten wir kaum Wartezeiten. Einmal bildet sich eine kurze Schlange. Dort wurde mit einer Wärmebildkamera die Temperatur jedes einzelnen überprüft. Am Ende musste  meine Registrierung in Spanien zeigen – alles also sehr einfach.“ 


Vor Ort reserviere ich mir am Flughafen einen Termin für einen Antigen-Test in einer Woche. Denn nur damit komme ich wieder zurück nach Hamburg. Und auch bei den deutschen Behörden muss ich mich damit registrieren. Außerdem warten nach dem Urlaub zehn Tage Quarantäne auf mich, die ich nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test abkürzen kann. 


Linda Richter, stern-Reporter:
„Ich bin wieder zurück in Deutschland. Der Test in Spanien lief problemlos und auch die Quarantänezeit in Deutschland liegt hinter mir. Hat sich der Aufwand gelohnt? 
Finanziell haut das Reisen ganz schön rein: Die Tests haben insgesamt rund 190 Euro gekostet.  
Hinzu kommt die Organisation vor dem Flug und Selbstisolation nach der Reise: Auch das raubt viel Nerven und Zeit. Auch wenn sich das Fliegen selbst sicher anfühlt und entspannter abläuft als vor Corona – für eine kurze Urlaubsreise lohnt sich das Reisen in Risikogebiete derzeit kaum.“ 


Quellen: Tourismusbehörde Gran Canaria,  Washington PostCDC, Medrxiv









Mehr
US-Bürger könnten schon im Sommer wieder in die EU einreisen dürfen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Interview ankündigte. Voraussetzung: Man muss gegen Corona geimpft sein.

Gegen Corona geimpfte US-Bürger sollen in den kommenden Monaten wieder in die Europäische Union einreisen dürfen. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Sonntag in einem Interview mit der Zeitung "The New York Times" an. In den USA würden Impfstoffe eingesetzt, die von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassen worden seien. "Das wird Freizügigkeit und Reisen in die Europäische Union ermöglichen", sagte von der Leyen.

"Eines ist klar: Alle 27 Mitgliedstaaten werden ausnahmslos alle anerkennen, die mit Vakzinen geimpft wurden, die von der EU-Arzneimittelbehörde EMA genehmigt wurden", sagte von der Leyen. Die EMA hat die drei in den USA verwendeten Impfstoffe zugelassen: Moderna, Pfizer/Biontech und Johnson & Johnson. 

"Große Fortschritte" bei der Impfung der US-Bürger

Von der Leyen machte jedoch keine genauen Angaben, ab wann es wieder touristische Reisefreiheit geben könnte und unter welchen Bedingungen. Der "New York Times" zufolge könnten die neuen Regelungen im Sommer in Kraft treten. Hintergrund seien die schnell voranschreitende Impfkampagne in den USA und Fortschritte bei den Gesprächen über den Einsatz von Impfnachweisen.

Von der Leyen verwies in dem Interview auf "große Fortschritte" bei der Impfung der US-Bürger. Mit dem Ziel, bis Mitte Juni 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen, lägen die Vereinigten Staaten im Plan. Die Wiederaufnahme des Tourismus werde "von der epidemiologischen Situation" abhängen, aber diese verbessere sich in den USA und werde sich "hoffentlich auch in der Europäischen Union verbessern", fügte von der Leyen hinzu.

Aktuell diskutieren die EU-Mitglieder weiter über die Einführung eines EU-weiten Impfpasses sowie die Kriterien für die Öffnung der Länder für den Tourismus.

rw DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker