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Neues Reiserecht: Wenn die Pauschalreise plötzlich teurer wird

Viele Verbraucher setzen bei der Urlaubsbuchung auf Pauschalreisen - sie sind bequem und sicher, wenn etwas schiefgeht. Doch in dem seit 1. Juli geltenden neuen Reiserecht gibt es auch einen Minuspunkt.

Ein Pauschalhotel  mit Logo der Tui AG am Pool im Norden der Mittelmeerinsel Mallorca.

Ein Pauschalhotel  mit Logo der Tui AG am Pool im Norden der Mittelmeerinsel Mallorca.

Die Pauschalreise liegt im Trend. Der Veranstalter haftet in den allermeisten Fällen und kümmert sich, wenn es zu Unregelmäßigkeiten beim Flug oder Transfer kommt. Doch Sicht der Verbraucherschützer gibt es durch das neue Reiserecht auch einen Nachteil: Anbieter können höhere Preisänderungen bei verlangen als bislang. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wann dürfen Reiseveranstalter den Preis nachträglich erhöhen? 
Das ist bei Pauschalreisen beispielsweise möglich, wenn sich die Kosten seit der Buchung erhöht haben - etwa weil sich Wechselkurse geändert haben, höhere Flughafengebühren fällig werden oder die Beförderung beispielsweise durch gestiegene Treibstoffpreise teurer wird.

Wie hoch darf eine Preissteigerung ausfallen?

Behält sich der Veranstalter im Buchungsvertrag eine Erhöhung des Preises vor, mussten Verbraucher sie bisher bis zu einer Schwelle von fünf Prozent des Reisepreises hinnehmen - nun sind es hingegen acht Prozent. Wer also eine Reise im Wert von 2000 Euro gebucht hat, kann noch kurzfristig für weitere 160 Euro zur Kasse gebeten werden - nach der vorherigen  Rechtslage waren es 100 Euro.
Was gilt bei einer Erhöhung von mehr als acht Prozent? 
Eine solche Preissteigerung kann der Veranstalter nicht einfach so durchsetzen. Ab dieser Schwelle hat der Reisende ein Rücktrittsrecht. Der Veranstalter muss dem Reisenden dabei eine "angemessene" Frist setzen, in der sich der Kunde entscheidet, ob er die teurere Reise antritt oder vom Vertrag zurücktritt und sein Geld komplett zurückbekommt. 
Bis wann muss der Veranstalter die Erhöhung geltend machen?
Bis 20 Tage vor Reisebeginn ist das möglich, danach nicht mehr. Wenn allerdings eine über der Schwelle liegende Preiserhöhung kurz vor Ablauf der 20-Tage-Frist beim Verbraucher eintrudelt, ist fraglich, ob der Urlauber nicht einfach in den sauren Apfel beißt. Denn gerade in beliebten Feriengegenden ist so kurzfristig oft kein Angebot zum ursprünglichen Preis mehr zu finden.
Kann der Preis für eine Pauschalreise auch sinken? 
Das ist - anders als zuvor - nun theoretisch möglich. Wenn sich der Veranstalter eine Erhöhung vorbehält, hat der Reisende im Gegenzug auch einen Anspruch auf eine Preissenkung, sollten die Kosten sinken. Der Anbieter muss die Differenz erstatten, darf allerdings "Verwaltungskosten" abziehen.
Welche Neuerungen gibt es noch? 
Das neue , mit der Deutschland die EU-Pauschalreiserichtlinie in nationales Recht umsetzt, ist vor allem eine Reaktion auf das veränderte Buchungsverhalten der Reisenden - viele stellen sich inzwischen ihren Urlaub selbst im Internet zusammen.

Eingeführt wurde deshalb die "verbundene Reiseleistung": Wer sich im Netz von zu Hotel zu Mietwagen durchklickt, der hat vielleicht nach eigener Einschätzung eine Pauschalreise gebucht - nach Auffassung der Anbieter aber nicht. Alle Anbieter, auch Reisebüros, müssen bei solchen verbundenen Reiseleistungen künftig klarstellen, dass der Käufer nicht denselben Schutz genießt wie bei einer Pauschalreise.

Auch wer eine Tagesreise unternimmt oder ein Ferienhaus bucht, ist nun nicht mehr durch das deutsche Pauschalreiserecht geschützt. Durch den Ausschluss dieser Leistungen aus dem Pauschalreiserecht gehen Verbrauchern etwa Rechte auf Zurückzahlung von Anzahlungen verloren, wenn der Veranstalter insolvent ist.

Das neue Gesetz bietet für Verbraucher aber auch Vorteile. Der Gewährleistungszeitraum wird verlängert: Bei Mängeln können Reisende ihre Ansprüche künftig zwei Jahre lang geltend machen. Zuvor war das nur bis zu einem Monat nach der Rückkehr von der Reise möglich.

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tib/AFP
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