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Wer steckt hinter...: ...www.easy.com?

Als Kind hat er Boote ferngesteuert, heute lenkt Stelios Haji-Ioannou neben dem Billigflieger Easyjet noch 14 andere Firmen.

Die Welt von Mr. Stelios ist orange und kennt nur zwei Sorten Menschen: Die Reichen und die Schlauen. Die Reichen buchen ihre Flüge auf den letzten Drücker, wollen ein Hotelzimmer mit Meerblick und missbrauchen den Mietwagen als Müllkippe. Die Schlauen dagegen planen ihre Ferien ein Jahr im Voraus, halten das Auto sauber und sind zufrieden, wenn im Hotelzimmer ein Bett steht. Ein Fenster ist schon Luxus.

Der Schöpfer der "easy"-Kette trägt dunkles Haar und Vollbauch. Gerade kommt er von einer Bootsmesse aus Miami. Nun sitzt Stelios Haji-Ioannou, 39, in der Londoner Firmenzentrale und nuckelt an einer Dose Cola light mit Vanillegeschmack. Um ihn herum wuseln die Mitarbeiter. Insgesamt 15 Unternehmen tragen das orangefarbene Wappen. Es gibt nicht nur Easyjet, Easycar und Easycruise, seit neuestem gehören "just call me Stelios" auch zwei Hotels.

Zimmer in den Kategorien "klein", "sehr klein" und "winzig"

Eines, die Villa in Nr. 14, Lexham Gardens, sonnt sich noch im Glanz der viktorianischen Zeiten. Andere Ketten haben Betonklötze, bei easy sieht noch alles so aus wie im 19. Jahrhundert - zumindest von außen. Im Treppenhaus riecht es nach Pressspan, die Zimmer sind in die Kategorien "klein", "sehr klein" und "winzig" eingeteilt. Das Bett steckt in einer Nische, Tisch und Stühle gibt es nicht, Fenster nur gegen Aufpreis. Dafür ist die Nasszelle mit easy-orangefarbenem Plastik ausgekleidet, und wer sich die Hände wäscht, steht mit den Füßen in der Dusche. "Dieses Hotel ist natürlich nichts für einen Dreimonatsaufenthalt", sagt Stelios. Die Zimmer sind für Londoner Verhältnisse günstig. Eines kostet etwa 50 Pfund, rund 72 Euro. Ist das Hotel nicht ausgebucht, fällt der Preis auf bis zu 30 Euro.

Vor elf Jahren startete der gebürtige Grieche seine Billigkette mit zwei geleasten Boeing 737, die zwischen London und Glasgow pendelten. Als einer der Ersten ließ er seine Kunden für Nüsschen und Tomatensaft blechen - und machte damit doppelt Gewinn. Zum einen mit dem Verkauf des Saftes, zum anderen, weil er so eine der Toiletten im Flugzeug einsparte. Und damit Platz für neue Sitze schuf.

"Die Zukunft liegt auf dem Fluss"

Seinen größten Werbecoup landete Stelios 1998. British Airways brachte den Billigflieger "Go" in Startposition. Auf dem Jungfernflug nach Rom buchte sich Stelios mit neun Mitarbeitern ein. Sie trugen orangefarbene Overalls, verteilten Easyjet-Freiflüge an die Passagiere und gaben Interviews. Am nächsten Tag war in der Zeitung mehr über Easyjet zu lesen als über Go.

Nachdem er im vergangenen Jahr die Hotels, die Kreuzfahrten und Uhren auf den Markt gebracht hat, will Stelios 2006 nicht expandieren. Für 2007 plant er eine TV-Show, in der er nach dem Superstar-Prinzip neue Ideengeber für sein Unternehmen casten will. Danach wird Easycruise ausgebaut. "Die Zukunft liegt auf dem Fluss", sagt Stelios. Schon als Kind hatte er ein Faible für ferngesteuerte Boote, mit 22 wurde er Geschäftsführer im Schiffsunternehmen seines Vaters - bis der ihn mit der kleinen Starthilfe von sieben Millionen Euro ins Flugzeuggeschäft entließ. Mittlerweile beträgt Juniors geschätztes Vermögen 650 Millionen Euro.

Jedes seiner Unternehmen funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Die Preise fallen, wenn wenig Leute von dem Angebot Gebrauch machen. "Das nennt man mehr Wert für weniger Geld", sagt Stelios und saugt die letzten Tropfen Vanillecola aus der Dose.

Stéphanie Souron / print
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