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EASY JET: Ein neuer Raubvogel in Lufthansa-Gefilden

Mit der Übernahme der Deutschen BA schwingt sich die britische EasyJet endgültig zur Nummer 1 auf dem europäischen Billigflugmarkt auf.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass sich der vor sieben Jahren gegründete Aufsteiger auch »in fortgeschrittenen Verhandlungen« zur Übernahme seines britischen Konkurrenten Go befindet. EasyJet-Chef Ray Webster machte am Mittwoch deutlich: Deutschland ist für ihn der Markt, auf dem er seine nächsten Schlachten schlagen will. Für die Lufthansa bedeutet das: Ein neuer Raubvogel kreist am heimatlichen Himmel.

Werbewirksame Auftritte

In Großbritannien macht EasyJet seit langem mit ungewöhnlichen Methoden auf sich aufmerksam. Als British Airways etwa 1998 mit viel Tamtam den ersten Flug seiner eigenen Billig-Tochter Go promoten wollte, versuchte der griechische EasyJet-Gründer Stelios Haji-Ioannou dem Konkurrenten die Schau zu stehlen, indem er selbst einen Platz buchte und sich - ganz in EasyJet-Orange gekleidet - frech vor die Kameras schob.

Uneingeschränkter Wachstumsmarkt?

Der EasyJet-Kurs an der Londoner Börse stieg am Mittwoch erneut. Doch Analysten haben durchaus Zweifel an der eingeschlagenen Übernahme-Strategie: »Die Billigfluglinien haben immer gesagt, dass sie auf einem zunächst schier unbeschränkten Wachstumsmarkt operieren«, sagte Chris Tarry, Luftverkehr-Analyst der Commerzbank in der Londoner City, der »Sunday Times«. »Warum müssen sie dann jemanden kaufen, um zu wachsen?«

»Kein konkurrenzfähigeres Unternehmen«Die großen Gewinner

Ryanair und EasyJet haben eines gemein: Sie sehen sich nach den Terrorangriffen auf die USA vom 11. September 2001 als große Gewinner eines veränderten Marktverhaltens, das vor allem den traditionellen Fluggesellschaften schwer zu schaffen macht. Die Billigflieger, die auf Bord-Mahlzeiten und andere Service-Leistungen verzichten und ihre Passagiere Kosten sparend im Internet buchen lassen, hatten in den vergangenen Monaten starken Rückenwind. Während BA seine Flugrouten zusammenstrich, bestellte Ryanair 100 neue Boeing-Flugzeuge. Und während KLM am Mittwoch einen Verlust von 156 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2001/02 bekannt gab, meldete Go für den gleichen Zeitraum einen Gewinn von 27 Millionen Euro, verglichen mit 6,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Begehrter Markt

»Deutschland ist in Europa der größte Inlandsmarkt für den Luftverkehr, wird aber von Billigflug-Gesellschaften sehr armselig bedient, besonders im Vergleich zu Großbritannien«, sagte EasyJet- Chef Webster am Mittwoch. »Deshalb glauben wir, dass der deutsche Markt das Potenzial hat, sich zu einem europäischen Schlüsselmarkt für Billigfluglinien zu entwickeln.«

Lufthansa-Aktie unter Druck

Die Börse reagierte mit einem deutlichen Kursrutsch für die Lufthansa-Aktie, selbst obwohl einige Experten wegen des anderen Kundensegments der Billigflieger bisher eher geringe Auswirkungen auf die Marktriesen erwarten. Das Lufthansa-Papier war mit einem Minus von mehr als drei Prozent schwächster Wert im DAX.

Wettbewerb verschärft sich

Seit Monaten schon ist der deutsche Branchenführer in einen erbitterten Kampf mit Ryanair verwickelt. Dem irischen Senkrechtstarter werden von Lufthansa unfaire Methoden vorgeworfen. Das Landgericht Köln entschied im März, dass Ryanair den Hunsrück- Flughafen Hahn in der Werbung nicht länger als »Frankfurt-Hahn« vermarkten darf, da der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt mehr als 120 Kilometer vom Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt/Main entfernt liegt. Nach der Übernahme der Deutschen BA durch EasyJet dürfte sich der harte Wettbewerb noch verschärfen.

Christoph Driessen