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An Bord von US-Flugzeugen Rückkehr der Maskenpflicht? Immer häufiger infizieren sich Flugbegleiter – es kommt zu Flugstreichungen

Flugbegleiteinnen mit Maskenschutz
Seit mehr als zwei Jahren müssen Flugbegleiter bis auf wenige Ausnahmen bei der Arbeit einen Mund -Nasen-Schutz tragen.
© Imago Images
Welche Folgen die Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Großbritannien und den USA im Luftverkehr haben, zeigt sich durch die rasant ansteigenden Erkrankungen des fliegenden Personals. Die US-Regierung hat gegen die Aufhebung der Maskenpflicht im Verkehr Berufung eingelegt.

Zu früh gefreut? Der spontane Jubel von Passagieren über die Durchsage des Kapitäns auf einem Flug von Florida nach New York ist nur die eine Seite der Medaille: Am 19. April hatte der Kapitän die Entscheidung einer Bundesrichterin aus Florida über Lautsprecher durchgegeben, dass die landesweite Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln rechtswidrig und aufgehoben sei. Auf Videos, die in Social-Media-Kanälen hochgeladen wurden, zeigen die Fluggäste ihre mit Applaus quittierte Begeisterung für die richterliche Entscheidung.

Wie die Konsequenzen durch die Aufhebung des Mund-Nasen-Schutzes in den öffentlichen Verkehrsmitteln und damit auch für die Airline-Industrie aussehen, belegen erste Erfahrungen, die britischen Fluglinien gesammelt haben. Diese gelten als Vorreiter bei den Lockerungen an Bord. Schon am 22. März hatte der Billigflieger Easyjet verkündet, dass auf UK-Inlandsflügen und auf Flügen nach Dänemark, Gibraltar, Island und Ungarn die Maskenpflicht aufgehoben sei.

Die Maßnahme "gibt den Reisen zu Ostern einen zusätzlichen Schub", freute sich Easyjet-Chef Johan Lundgren. "Wir bleiben zuversichtlich bei unseren Plänen, dass wir diesen Sommer ein Flugangebot nahe des 2019-Niveaus erreichen werden", ließ er in einer Medienmitteilung verlauten.

Flugausfälle wegen fehlendem Personal

Die zweite Seite der Medaille: Doch bereits zwischen dem 28. März und dem 3. April musste Easyjet 202 seiner 3517 Flüge stornieren, die von Großbritannien aus starten sollten, wie das Luftfahrtanalyseunternehmen Cirium berichtet. Im Vergleichszeitraum vor drei Jahren sei dagegen kein einziger Flug ab Großbritannien ausgefallen.

Nach Angaben eines Pressesprechers von Easyjet sind die Stornierungen auf einen "überdurchschnittlich hohen Krankenstand der Mitarbeiter" zurückzuführen, der wiederum mit dem jüngsten Anstieg der Covid-19-Fälle zurückzuführen sei.

Für den Epidemiologen Eric Feigl-Ding aus Washington D.C. waren die Infektionen "verdammt vorhersehbar", schreibt er auf Twitter. "Die britische Regierung lässt die Beschränkungen fallen, Fluggesellschaften wie Easyjet lassen die Masken fallen … und in weniger als zwei Wochen … (gibt es) einen enormen Anstieg von Piloten und Flugbegleitern, die wegen #Covid-19 krank und arbeitsunfähig sind, werden 120 Flüge storniert! Die Airline-Chefs haben darum gebeten".

Ähnlich sah es bei Britisch Airways Anfang April aus: Laut Cirium fielen 393 von 2405 geplanten Flügen ab Großbritannien aus. In den Vereinigten Staaten befürchten nun die US-Airlines ebenfalls eine neue Welle an Corona-Ausbrüchen und Personalausfällen. So musste United Airlines im Dezember mit der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante Hunderte von Flügen absagen, nachdem sich zu viele Flugbegleiter in häusliche Isolation begaben und für Einsätze nicht mehr zu Verfügung standen.

Schon einen Tag nach der Entscheidung der Richterin in Florida hat die US-Regierung gegen die Aufhebung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln Berufung eingelegt. Die US-Gesundheitsbehörden seien zu dem Schluss gekommen, dass Masken weiterhin "zum Schutz der öffentlichen Gesundheit notwendig sind", sagte ein Sprecher.

Noch sind die Restriktionen nur im US-Inlandsverkehr gefallen, auf Auslandsstrecken wie Transatlantikflügen zu Airports in EU-Staaten ist das Tragen einer Maske weiterhin obligatorisch. "Im Gesundheitswesen versuchen wir Unfälle zu vermeiden. Die Mediziner sind im Grunde genommen Mechaniker, die versuchen Autos zu reparieren, nachdem sie verunglückt sind", schreibt der Epidemiologe Feigl-Ding auf Twitter und stellt die Frage, wer so denke: "Oh, heute müssen wir uns nicht anschnallen, weil es im Krankenhaus noch genügend freie Betten gibt?"

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