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Reisebedingungen Kreuzfahrtunternehmen will Impfnachweise von Urlaubern – Florida verbietet es

Die Norwegian Gem liegt im Hafen von Miami und wartet auf ihre erhoffte Wiederinbetriebnahme
Norwegian Cruise Line hofft, die Kreuzfahrten ab Miami am 15. August wieder aufnehmen zu können
© TNS / ABACA / Susan Stocker / Picture Alliance
Wer nicht geimpft ist, bleibt an Land. So hätte es zumindest gerne das Kreuzfahrtunternehmen Norwegian Cruise Line. Weil das der Staat Florida allerdings ganz anders sieht, hat die Reederei nun Klage eingereicht.

Ohne gültigen Impfnachweis sollen die Urlauber auf dem Trockenen bleiben. Die Norwegian Cruise Line, eine Muttergesellschaft dreier internationaler Kreuzfahrtlinien, will zukünftig ausschließlich gegen Covid-19 geimpfte Passagiere an Bord lassen. Der US-Bundesstaat Florida sträubt sich jedoch vehement gegen diese Bedingungen, bezeichnet die Anforderung gar als diskriminierend.

Nach monatelangem Ringen um die Wiederaufnahme des Kreuzfahrttourismus hat die Norwegian Cruise Line Medienberichten zufolge nun Klage eingereicht.

5000 Dollar Strafe, wenn Unternehmen Impfung fordern

Laut der "New York Times" hat das Unternehmen am Dienstag gegen Floridas Surgeon General, den bundesstaatlichen Leiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Klage eingereicht. Der Staat verhindere mit dem Verbot, Impfnachweise als Reisevoraussetzung zu fordern, die Seereisen "sicher und gesund" zu gestalten. Die Regierung unter dem republikanischen Gouverneur Ron DeSantis soll die Reisebedingungen immer wieder bekämpft und die Richtlinien als diskriminierend bezeichnet haben.

Einem im Mai diesen Jahres verabschiedeten Gesetz zufolge drohen Unternehmen, die ihre Kunden zum Vorzeigen einer Corona-Impfung zwingen, sogar 5.000 US-Dollar Strafe – pro Vorfall. Das Verbot sei aus Sicht des Kreuzfahrtunternehmens unter anderem deshalb nicht gültig, weil es gegen mehrere Punkte der US-Verfassung verstoße.

"Ein anomaler, fehlgeleiteter Eingriff droht, die sorgfältige Planung von N.C.L.H. zu verderben und sie zu zwingen, bevorstehende Kreuzfahrten zu stornieren oder zu behindern", erklärte die Norwegian Cruise Line Medienberichten zufolge in der Klageschrift. Dabei könne ein "nicht wiedergutzumachender Schaden von enormen Ausmaßen" entstehen, habe es weiter geheißen.

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Monatelanger Streit um Reise-Auflagen

Seit Monaten ringen die Reedereien mit dem Südstaat, einem wichtigen Drehkreuz für die Branche, um die Wiederaufnahme der Kreuzfahrten.

Nachdem die Kreuzfahrtschiffe in den USA fast 18 Monate lang nicht ablegen durften, habe die Seuchenschutzbehörde (C.D.C) im Herbst 2020 schließlich erklärt, den Tourismuszweig unter strengen Auflagen wieder öffnen zu lassen. Dagegen wiederum habe der Staat Florida geklagt. Das C.D.C. überschreite seine Befugnisse, hatte es geheißen. Infolgedessen habe ein Bundesrichter der Gesundheitsbehörde das Aufstellen entsprechender Richtlinien in Florida bis auf Weiteres verboten.

Klage gegen Florida "letzter Ausweg"

Die nun eingreichte Klage gegen Surgeon General Scott Rivkees sehe die Norwegian Cruise Line demnach als "letzten Ausweg". Schließlich sei das Fordern eines Impfnachweises in keinem anderen Hafen der Welt ein Problem, erklärte die Kreuzfahrtlinie gegenüber dem Nachrichtensender "CNBC". Die Konkurrenten Royal Caribbean Cruises und Carnival Cruises hätten den Betrieb von Florida aus bereits wieder aufgenommen. Passagiere müssten hier jedoch strenge Sicherheitsprotokolle befolgen und eine Reiseversicherung abschließen, die die Kosten für eine eventuelle Covid-19-Erkrankung abdeckt.

Die Kreuzfahrtbranche wurde von der Pandemie enorm hart getroffen: Im Vergleich zum Vorjahr sei die Passagierzahl 2020 der "New York Times" zufolge um 80 Prozent gesunken. Die drei größten Unternehmen hätten laut einem aktuellen Bericht der Ratingagentur "Moody's" seit März vergangenen Jahres umgerechnet mehr als 760 Millionen Euro verloren.

Quellen: "New York Times"; "CNBC"; "Washington Post"

yks

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