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1. Bundesliga: Lange Mitglieder-Versammlung bei der Hertha

Die wirklich wichtigen Fragen standen bei der Hertha-Mitgliederversammlung ganz hintenan. Zunächst gab es die Chance zur Vorstellung von Neu-Trainer Jos Luhukay und dem Auftritt von Manager Michael Preetz. Ex-Präsident Bernd Schiphorst sah indes eine "große Zerissenheit" im Verein.

Die Mitgliederversammlung bei Hertha bot zumindest beim Auftritt von Manager Michael Preetz nichts Überraschendes: Er wurde im Berliner ICC mit Buh-Rufen und Pfiffen bedacht. "Hertha bietet ein Bild großer Zerrissenheit", stellte Ex-Präsident Bernd Schiphorst kurz zuvor fest. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats forderte: "So weitermachen wie bisher kommt nicht infrage."

Aber auch ein Neuanfang nach dem zu erwartenden Abstieg wird für die Hertha kein leichter Weg - mit oder ohne Preetz. In der 2. Liga würde der Gürtel für die Spieler enger geschnallt: Statt wie zuletzt rund 27 Millionen Euro stünde mit rund 13 Millionen nicht einmal mehr die Hälfte für die Gehälter der Profis zur Verfügung, erklärte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller bereits vor dem brisanten Aufeinandertreffen der Fans mit dem Präsidium um Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.

Neu-Coach Luhukay rechnet mit 2. Liga

Die Abstimmung über den Präsidenten und auch über einen möglichen Gang in eine weitere Instanz in Sachen Relegationsspiel wurde erst zum Ende der Sitzung angesetzt. Für den neuen Coach ist der bittere Gang in die Zweitklassigkeit bereits besiegelt. "Nach zwei Relegationsspielen und zwei Gerichtsterminen muss man davon ausgehen, dass es die 2. Liga wird", meinte Jos Luhukay, der bereits am Mittag eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz gegeben hatte.

Am Abend durfte der ehemalige Chef- und Aufstiegstrainer des FC Augsburg dann sogar als erster Redner ran. Und der Niederländer nutzte die Gelegenheit als Wahlkampfhelfer für die amtierenden Entscheidungsträger: "Herr Preetz und Herr Gegenbauer haben mich sehr schnell von Hertha überzeugt."

Preetz trommelt für sich und Gegenbauer

Ob der Präsident auch die anwesenden 3252 stimmberechtigten Mitglieder überzeugen konnte, sollte sich erst gegen Ende der Sitzung zeigen. Preetz, Rekordtorjäger der Hertha, warb auf jeden Fall für Gegenbauer und damit de facto für sich: "Entscheiden Sie sich für inhaltlich überzeugende Lösungen, nicht für Parolen."

Hertha BSC liege ihm wie kaum etwas anderes am Herzen, betonte Preetz, der vor allem wegen des Trainerverschleißes in den vergangenen Monaten einhergehend mit der sportlichen Misere schwer in die Kritik geraten war. Preetz gibt aber nicht auf. "Ich bitte Sie im Interesse für Hertha BSC um Weitsicht und Geschlossenheit", sagte er, nachdem bereits tags zuvor Gegenbauer in einem Offenen Brief an die Mitglieder vor einer "öffentlichen Zerreißprobe" gewarnt hatte.

Manager Preetz habe "viel Kritik einstecken müssen und die sportliche Bilanz spricht gegen ihn. Aber so einfach liegen die Dinge nicht", sagte Schiphorst. Und siehe da: Nachdem Preetz das neue Trikot für die kommende Saison mit dem traditionellen Vereinsemblem vorgestellt hatte und er sich von der Bühne verabschiedete, gab es sogar Applaus.

sportal.de / sportal

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