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Ex-Geliebte getötet "Mord-Torwart": Der tiefe Fall von Brasiliens Superstar Bruno

Der Torwart Bruno Fernandes de Souza im Jahr 2008
Der Torwart Bruno Fernandes de Souza im Jahr 2008 - ein Jahr vor der verhängnisvollen Liebesnacht
© picture-alliance
Bruno Fernandes de Souza sollte einmal der Nationaltorwart Brasiliens werden. Doch dann ließ er seine Ex-Geliebte töten und angeblich an Rottweiler verfüttern. Nun startet der wegen Mordes Verurteilte sein Comeback - begleitet von Protesten.

Bis zu seinem 25. Lebensjahr führte Bruno Fernandes de Souza ein Leben, von dem viele träumen. Der brasilianische Fußball-Torwart war gutaussehend, groß gewachsen, umworben. Er feierte sportliche Erfolge, wurde brasilianischer Meister mit Flamengo Rio de Janeiro, auch vom AC Mailand soll er ein Angebot bekommen haben. Weil er beliebt und gut war, verziehen sie ihm all seine Eskapaden: Alkohol, Schlägereien, Frauen.

Bruno, aus einem armen Vorort der Stadt Belo Horizonte stammend und ohne Eltern aufgewachsen, galt als die größte Torwarthoffnung Brasiliens. Vermutlich hätte er auch bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2014 auf dem Platz gestanden. Doch stattdessen fristete der damals 29-Jährige seine Zeit ganz woanders: Er saß einsam in einer Zelle.

Es ist eine Geschichte, die alles hat, was einen Mord zum Medienspektakel macht: einen bekannten Protagonisten, eine schöne Frau, Sex, Erpressung – und grausame Details. Im Jahr 2010 sollen auf Brunos Farm im Hinterland des Bundesstaates Minas Gerais Dinge geschehen sein, die selbst die erfahrensten Ermittler schockierten. Minutiös wurden die Tage dort während eines Prozesses rekonstruiert, der zu einem der aufsehenerregendsten Brasiliens wurde. Bruno, so der Vorwurf, habe unter Mithilfe seiner Ehefrau und seiner neuen Freundin seine Ex-Geliebte ermorden und vielleicht sogar an seine Rottweiler verfüttern lassen.

Die ehemalige Geliebte machte Druck

Eliza Samudio war eine hübsche Frau mit langen, dunklen Haaren, die als Nacktmodell arbeitete und als eine "Maria Chuteira" galt. So werden in Brasilien Frauen genannt, die den Kontakt zu Fußballstars suchen, um sich damit selbst zu Ruhm und vielleicht einer kleinen Karriere zu verhelfen. Der Torwart soll Samudio 2009 im Rahmen einer Ménage à trois kennengelernt haben, die beiden hatten Sex. Samudio wurde schwanger und wollte Geld.

Mehrmals versuchte der Torwart vergeblich, sie zur Abtreibung zu zwingen, er soll ihr mit dem Tod gedroht, sie gewürgt, ihr einmal auch Medikamente verabreicht haben. Doch Samudio blieb stur. Sie tauchte unter und brachte einen Sohn zur Welt, den sie "Bruninho" nannte – "kleiner Bruno". Ihre Klage auf Unterhalt hatte Erfolg. Der Fußballstar wurde zu einer monatlichen Zahlung verurteilt, doch offenbar reichte Samudio das nicht. Immer wieder, berichten Kollegen, habe sie versucht, ihn zu erpressen und ihm Szenen gemacht. Für Bruno, verheiratet und Idol seines Vereins, wurde das Model zunehmend zur Gefahr.

Im Juni 2010 verschwand Eliza Samudio im Alter von 25 Jahren. Zuletzt wurde sie auf Brunos Farm gesehen. Nach allem, was man heute weiß, muss sie dort im Beisein des Torwarts eine tagelange Tortour erlitten haben. Sie wurde gefoltert, geschlagen und schließlich stranguliert. Der Mörder soll ein ehemaliger Polizist gewesen sein. Doch den Auftrag gab, so glauben Staatsanwälte und Richter, Bruno.

Kritik an neuem Verein

Es ist die brasilianische Variante des O. J. Simpson-Prozesses in den USA oder des Pistorius-Falls in Südafrika. Rasch rückte der Torwart ins Zentrum der Ermittlungen. Die Polizei stützte sich auf Indizien, auf Blutspuren und Telefonmitschnitte, immer wieder untersuchte sie den Tatort im Hinterland. Die Ermittler hatten ein Motiv, sie hatten immer mehr Beweise. Nur eine Leiche konnten sie nicht finden. Ein 17-jähriger Cousin des Torwarts erzählte, dass Teile des Körpers an die Rottweiler Brunos verfüttert worden seien, und zog die Aussage später zurück. Bruno selbst gestand nur, dass Eliza ermordet wurde. Er sagte: "Ich habe akzeptiert, dass es passiert", bestritt aber, dass er der Auftraggeber sei.

Doch die Beweislast war offenbar erdrückend. Seit 2010 saß Bruno in Haft, im Jahr 2013 wurde er zu mehr als 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Karriere, so schien es zumindest, war für immer vorbei. Doch im Februar dieses Jahres wurde er überraschend vorzeitig auf Bewährung freigelassen. Seither gibt es viel Kritik – an der Justiz, die ihn so früh entlassen hat, und auch am brasilianischen Zweitligisten Boa Esporte, der den Verurteilten nun unter Vertrag genommen hat. Der Club hat durch die Verpflichtung mehrere Sponsoren und den Ausrüster verloren, die Internetseite wurde gehackt.

Für den Torwart stehen nun körperliche und medizinische Tests an, dann könnte er nach sieben Jahren sein Comeback geben. Bei seiner Vorstellung am Dienstag gab sich der heute 32-Jährige von der Kritik unbeeindruckt. "Es ist mir egal, was die Leute sagen." Boa Esporte verteidigt den Vertrag und erklärt, Bruno habe eine zweite Chance als Profi verdient. Der Verein rechnet damit, Souza erstmals im April einsetzen zu können.

Bruninho, der ungewollte Sohn, wächst bei seiner Großmutter mütterlicherseits auf. Brasilianischen Medien zufolge will Bruno einen Vaterschaftstest fordern. Dann, erklärte der Torwart, wolle er sich seinem Sohn nähern. "Ich habe die größte Herausforderung meines Lebens vor mir. Denn eines Tages wird das Schicksal uns zusammenführen und ich werde ihm alles erklären müssen, was geschah."

Andere am Mord Beteiligte sitzen noch in Haft. Von Eliza Samudios Leiche fehlt bis heute jede Spur.

Ex-Geliebte getötet: "Mord-Torwart": Der tiefe Fall von Brasiliens Superstar Bruno
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