HOME

Damen-Fußball-EM: Bittere Tränen nach Englands Niederlage

Drei Tage zuvor war sie noch der gefeierte Matchwinner und avancierte zum Liebling der Nation, jetzt kullerten Englands Jungstar Karen Carney bittere Tränen über die Wangen.

Wie ein Häufchen Elend saß die 17 Jahre alte Schülerin aus Birmingham nach dem 1:2 des Gastgebers gegen Dänemark im zweiten Spiel der Frauenfußball-EM bei der Pressekonferenz und musste als "Player of the Match" quälende Fragen über sich ergehen lassen. Verstohlen wischte sie sich immer wieder Tränen aus dem Gesicht und stammelte kaum verständliche Sätze wie: "Ich bin so enttäuscht. Wir haben alles probiert und ein tolles Spiel gemacht."

Englands Cheftrainerin Hope Powell saß neben dem Teenager, der zudem derzeit im Schulexamens-Stresse steckt, auf dem Podium und hätte ihr jüngstes Teammitglied am liebsten in den Arm genommen und getröstet. Doch die ehemalige Nationalspielerin setzte ihr Pokerface auf und dachte wohl: ,Da muss sie durch. Das gehört zum Reifeprozess.’ Carney, die im ersten Spiel gegen Finnland am Sonntag noch den von 30 000 kreischenden Fans und der englischen Presse bejubelten 3:2-Siegtreffer erzielt hatte, hätte auf diese Erfahrung sicher gerne verzichtet. Dennoch beantwortete sie tapfer noch ein paar Fragen und ließ sich mit hängenden Mundwinkeln von den Fotografen ablichten, ehe sie endlich von ihrem Leid erlöst wurde.

Auch Schweden erlebte ein Debakel

Nach dem anschließenden Spiel des EM-Mitfavoriten Schweden gegen Finnland dürften sich die Gesichter der Engländerinnen wieder etwas aufgehellt haben. Denn dem Vizeweltmeister aus Skandinavien erging es noch schlimmer. Gegen Außenseiter und EM-Debütant Finnland kam Schweden nicht über ein 0:0 hinaus und muss nun seinerseits das Ausscheiden bereits in der Vorrunde befürchten. Das käme einer Sensation gleich und wäre für das Drei-Kronen-Team eine Premiere. Schweden war 1984 erster Frauen-Europameister und kam danach bei den sieben EM-Turnieren immer mindestens ins Viertelfinale.

Doch möglich ist in der Gruppe A jetzt alles. Dänemark (4 Punkte) hat als Tabellenführer vor dem Gruppen-Finale an diesem Samstag die besten Aussichten, sich eines von zwei Halbfinal-Tickets zu sichern. Gegen Finnland (1 Punkt) würde den Däninnen schon ein Unentschieden genügen. Kein Wunder, dass Trainer Peter Bonde bester Laune war und nach dem Last-Minute-Sieg vor 14 695 Fans in Blackburn durch Tore von Merete Pedersen (80.) und Catherine Paaske Sörensen (88.) breit grinste. Fara Williams hatte die Gastgeberinnen durch einen umstrittenen Elfmeter (52.) in Führung gebracht.

Auch in Blackburn kommt es am Samstag (19.00 Uhr MESZ/Eurosport) zu einem "echten Endspiel" zwischen England (3 Punkte) und Schweden (2) um den Halbfinaleinzug. "Wir werden uns auf diese Partie focussieren. Wir haben noch immer die Chance, unser großes Ziel noch zu erreichen", sagte Hope Powell. Vielleicht gibt es für Englands Fußballerinnen doch noch ein Happy End bei der EM im eigenen Land. Dann könnte auch die kleine Karen Carney wieder lachen.

Ulli Brünger/DPA

Wissenscommunity