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Fall Schweinsteiger: "tz"-Sportchef gefeuert

Wenn das mal kein Eigentor war: Nach der mittlerweile widerrufenen Berichterstattung über eine angebliche Beteiligung Bastian Schweinsteigers am jüngsten Wettskandal rollen bei der Münchener Tageszeitung "tz" nun die Köpfe.

Die Münchener Boulevardzeitung "tz" hat sich bei drei Fußballprofis entschuldigt, denen sie in einem Bericht die Verwicklung in eine Wettaffäre unterstellt hatte. Das Blatt widerrief die Anschuldigungen vollständig. Der Sportchef übernehme die Verantwortung und habe die Redaktion einvernehmlich verlassen, berichtet die Zeitung am Freitag auf ihrer Titelseite.

"Herr Schweinsteiger, Herr Agostino und Lanzaat stecken nicht in einem 'Spendensumpf'. Sie gelten weder als 'Beschuldigte' noch wurden sie von der Polizei verhört oder sonst zu einem 'Wettskandal' befragt. Sie haben keine hohen Wetteinsätze auf möglicherweise manipulierte Fußballspiele gesetzt. Auch sind keine Vorwürfe im Zusammenhang mit dem 'Wettskandal' gegen Herrn Schweinsteiger, Herrn Agostino oder Herrn Lazaat erhoben worden", hieß es in der Entschuldigung im Namen der Redaktion und des Verlages.

Entschuldigung auf Seite 1

Die Zeitung hatte in der vergangenen Woche berichtet, der FC-Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger und zwei Spieler des TSV 1860 München, Paul Agostino und Quido Lanzaat, seien an einer Wettaffäre beteiligt und von der Polizei dazu verhört worden. Die Staatsanwaltschaft und die Vereine wiesen die Meldung umgehend zurück, Nationalspieler Schweinsteiger erstattete Anzeige wegen Verleumdung. In der vergangenen Samstagausgabe räumte Chefredakteur Karl Schermann dann einige Fehler bei der Berichterstattung ein.

In der am Donnerstagabend vorliegenden Freitag-Ausgabe gab das Blatt zudem personelle Konsequenzen bekannt. "Gleichzeitig teilen wir mit, dass der stellvertretende Chefredakteur und Sportchef Gerald Selch die Verantwortung für die Berichterstattung übernommen hat und im gegenseitigen Einvernehmen aus der tz-Redaktion ausscheidet", heißt es in der mit dem Wort "Entschuldigung" überschriebenen Erklärung auf Seite 1.

"Eine einseitige Schuldzuweisung für die gemeinsam getragene Entscheidung zur Veröffentlichung der Berichterstattung bedeutet dies aber nicht", so Redaktion und Verlag. Das Blatt distanzierte sich also weiter nicht von der Aussage, die drei Sportler seien in eine Wettaffäre verwickelt.

Reuters/DPA/kbe

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