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Wettskandal: Schweinsteiger schlägt zurück

Die Behauptungen der Münchener "tz", er sei in den aktuellen Wettskandal verwickelt, lässt sich Bastian Schweinsteiger nicht gefallen: Der Bayern-Profi hat die Tageszeitung angezeigt. Auch ein anderer Spieler fordert ein sechsstelliges Schmerzensgeld.

Bastian Schweinsteiger hat in der Auseinandersetzung mit der Münchner Zeitung "tz" rechtliche Schritte eingeleitet. Der Fußball-Nationalspieler hat nach Mitteilung des deutschen Rekordmeisters am Montag "bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht München I Strafanzeige und Strafantrag gegen die Verantwortlichen der Berichte der zurückliegenden Woche der Münchner Tageszeitung 'tz' gestellt".

Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang per Presseerklärung: "Bastian Schweinsteiger hat heute Strafanzeige gegen die verantwortlichen Redakteure wegen des Verdachts der üblen Nachrede bzw. des Verdachts der Verleumdung erstattet." Auch Paul Agostino vom TSV 1860 München leitete über seinen Berliner Anwalt rechtliche Schritte gegen das Blatt wegen dessen Berichterstattung über den Wettskandal ein.

Streit ist noch nicht beigelegt

Am Sonntag hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß gesagt, der Streit um die Berichterstattung der Münchner Zeitung sei noch lange nicht beigelegt. "So lange die 'tz', wie jetzt gestern ihr Chefredakteur, immer wieder nachlegt, ... wird das kein Ende kriegen", sagte Hoeneß dem Fernsehsender Premiere. Die "tz" hatte in ihrer Samstagsausgabe einen Teil ihrer Berichterstattung über Schweinsteiger und zwei weitere Fußball-Profis als falsch bezeichnet und sich dafür bei den Spielern entschuldigt, ihre Darstellung aber nicht komplett widerrufen. In der Montagausgabe veröffentlichte die Zeitung fristgerecht den von Bayern München verlangten Widerruf sowie die Gegendarstellung Schweinsteigers. Dieser erhielt auch Unterstützung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der von Rufmord sprach und ankündigte, alles zum Schutz des Spielers zu unternehmen.

Die "tz" zog die Behauptungen, die Fußballer seien beim Polizeiverhör gewesen und würden von den Ermittlern als Beschuldigte in einem Wettskandal geführt, zurück. Sie distanzierte sich allerdings nicht von ihrer Aussage, dass die Namen der drei im Zusammenhang mit dem Wettskandal immer wieder bei Informanten fielen. Das Blatt berief sich in seiner Samstagsausgabe auf verlässliche Quellen: "Keine Gerüchte, kein Hörensagen, es sind Fakten", hieß es in der Erklärung des Chefredakteurs.

Wie vom FC Bayern am vorigen Freitag in einem "Fünf-Punkte- Katalog" angekündigt, leitete Schweinsteiger damit über seinen Anwalt Werner Leitner rechtliche Schritte gegen die Zeitung ein. Nach Club-Angaben behalten sich der Spieler und der FC Bayern weiter die Geltendmachung von Ansprüchen auf Schadensersatz vor.

"Schmerzensgeld in sechsstelliger Höhe geltend machen"

Auch "Löwen"-Stürmer Agostino schaltete am Montag einen Anwalt ein. "Ich habe im Namen meines Mandanten einen Widerruf auf der Titelseite in gleicher Größe verlangt und werde ein Schmerzensgeld in sechsstelliger Höhe geltend machen, da die Aussagen jeglicher Grundlage entbehren", sagte der Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz. Darüber hinaus, so die Erklärung der Berliner Kanzlei, habe sich die "tz" "vollumfänglich unter Vertragsstrafebewährung verpflichtet, die streitgegenständlichen Behauptungen nicht mehr zu verbreiten, insbesondere die Aussage, unser Mandant sei vernommen worden, sei Beschuldigter bzw. würde im Wettsumpf stecken."

Die Staatsanwaltschaft bekräftigte am Montag, sie habe keine Anhaltspunkte, dass die drei genannten Spieler an einem Wettbetrug beteiligt seien. Die Ermittler hätten bislang keine neuen Erkenntnisse und seien dabei, das zur Verfügung gestellte Material auszuwerten, sagte ein Sprecher. Er kündigte an, die Staatsanwaltschaft werde sich bis auf weiteres nicht mehr zu dem Komplex äußern. Das ARD-Magazin "Plusminus" hatte unter Berufung auf einen Informanten über einen groß angelegten Wettbetrügerring berichtet, an dem auch ein Nationalspieler mitwirke, und die Ergebnisse der Recherchen an die Ermittler weitergegeben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

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