HOME

DFB-Pokal - Bayern im Halbfinale: Peps Liebling Thiago: Erst Kung-Fu-Treter, dann Matchwinner

Nach 120 Minuten ohne Tor hat erst das Elfmeterschießen eine Entscheidung zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München gebracht. Aufregung gab es vor allem wegen einem Spieler.

Bayerns Torwart Manuel Neuer beglückwünscht Teamkollege Thiago nach dessen entscheidendem Elfmeter gegen Bayer Leverkusen

Bayerns Torwart Manuel Neuer beglückwünscht Teamkollege Thiago nach dessen entscheidendem Elfmeter gegen Bayer Leverkusen

Mit Elfmeter-Glück hat Rekord-Pokalsieger FC Bayern München seine Chancen auf das Titel-Triple gewahrt. Der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga gewann am Mittwoch das Pokal-Viertelfinale bei Bayer 04 Leverkusen mit 5:3 im Elfmeterschießen, nachdem die packenden 120 Minuten zuvor torlos geblieben waren. Damit haben die Münchner, die auch noch im Champions-League-Viertelfinale stehen, weiter den 18. Cup-Triumph im Visier. Zudem könnten die Bayern als erster Verein dreimal in Serie den Pokal gewinnen.

Die Leverkusener verpassten hingegen vor 31.210 Zuschauern nach zuletzt fünf Bundesliga-Siegen ohne Gegentor den ersten Halbfinal-Einzug seit sechs Jahren. Zudem erlebte das Team von Trainer Roger Schmidt nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League bei Atletico Madrid das nächste Elfmeter-Drama, weil Josip Drmic bei seinem Versuch an Manuel Neuer scheiterte. In Leverkusen ärgert man sich zudem, dass ausgerechnet Bayerns Thiago den entscheidenden Straßstoß verwandelte. Er hätte nach einem Kung-Fu-Tritt gegen Stefan Kießling (90.) eigentlich Rot sehen müssen.

"Spiel hat keinen Verlierer verdient"

"Das ist bitter, brutal", klagte Bayer-Schlussmann Bernd Leno nach Spielschluss über das Ergebnis. "Sie waren einen Elfmeter besser. Unsere Mannschaft hat noch Luft nach oben, irgendwann gewinnen wir auch ein Elfmeterschießen", sagte Sportdirektor Rudi Völler. "Elfmeterschießen ist immer vor allem Glück. Es war ein nervenaufreibendes Spiel", urteilte Weltmeister Thomas Müller. "Das Spiel hat keinen Verlierer verdient gehabt", sagte Bayern-Held Neuer.

Bayern-Trainer Pep Guardiola hatte seiner Mannschaft diesmal nicht die Defensivtaktik verordnet, mit der er als Reaktion auf den Ausfall des Topduos Arjen Robben und Franck Ribéry zuletzt in Dortmund ein glanzloses 1:0 erreicht hatte. Stattdessen kehrten die Münchner zum gewohnten Spiel mit hohem Ballbesitz zurück. Allein in der ersten Halbzeit lief die Kugel zu 73 Prozent in den Reihen der Gäste, die zudem dreimal soviele Pässe spielten. Wirklich drangvoll und zielführend allerdings wirkte die Offensive der Bayern nicht.

Bayer ließ nicht viel zu

Die Leverkusener setzten sich von Beginn an clever und zum Teil sehr sehenswert zur Wehr. Bei den Bayern fehlte die Kreativität, zumal auch Bastian Schweinsteiger verletzt passen musste. Nur einmal wurde es vor den Bayer-Tor richtig gefährlich: Bei einer präzisen Hereingabe von Juan Bernat fiel der Ball dem völlig allein stehenden Thomas Müller (40.) direkt vor die Füße, doch 04-Keeper Bernd Leno warf sich in die Schussbahn und wehrte ab.

Die Hausherren, die vor sechs Jahren den FC Bayern im zuvor letzten Pokalduell der beiden Clubs aus dem Wettbewerb geworfen hatten, ließen ansonsten nicht viel zu und setzten selbst einige Nadelstiche. Nationalspieler Karim Bellarabi, der seinen 25. Geburtstag feierte, stürmte in der 22. Minute auf das Bayern-Gehäuse zu, schoss aus vollem Lauf aber weit über das Tor. Sekunden vor Ende der ersten Hälfte zielte er volley erneut deutlich drüber.

Lewandowski-Tor aberkannt

Zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff übersah Bellarabi den besser postierten Roberto Hilbert und donnerte den Ball stattdessen in die Wolken. Kurz darauf musste die Partie für einige Minuten unterbrochen werden, nachdem Wendell und Mario Götze heftig zusammengeprallt waren. Beide konnten aber weitermachen.

Danach erhöhten die Münchner, die zuvor in 15 Pokal-Partien in Serie siegreich waren, den Druck. Nach einer Stunde lag der Ball dann nach einem Kopfball von Robert Lewandowski im Bayer-Netz, doch Schiedsrichter Felix Zwayer gab den Treffer wegen eines angeblichen Stürmerfouls gegen Ömer Toprak nicht - eine Fehlentscheidung.

Chancen auf beiden Seiten

Doch die Proteste der Bayern halfen nichts. Auf der Gegenseite war es immer wieder Bellarabi, der dem Guardiola-Team Sorgen bereitete. In der 65. Minute lief der Leverkusener allein auf Nationalkeeper Manuel Neuer zu, der jedoch abwehren konnte. Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit verpasste Julian Brandt nach Bellarabis Flanke den möglichen Siegtreffer aus kurzer Distanz, weil Rafinha gerade noch die Fußspitze an den Ball bekam.

In der Verlängerung bestimmten die Bayern das Geschehen. Götze schob den Ball nach Rafinhas Zuspiel aus drei Metern am linken Pfosten vorbei (98.), Bernat scheiterte an Leno (114.). So musste das Elfmeterschießen entscheiden.

tkr/Andreas Schirmer und Kaspar Kamp, DPA / DPA

Wissenscommunity