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International Inter verliert 1 -3 gegen Aufsteiger Novara


Die Krise bei Inter wird immer größer. Nach einer 1:3-Niederlage bei Aufsteiger Novara Calcio taumelt die vor 15 Monaten noch beste Mannschaft Europas dem Tabellenkeller entgegen. Trainer Gian Piero Gasperini wurde am Tag nach der Pleite entlassen.

Urgestein Javier Zanetti hatte sich sein 757. Spiel für Inter, mit dem er nun alleiniger Rekordhalter der Clubgeschichte ist, sicher anders vorgestellt. Bei Aufsteiger Novara wollte Inter den großen Befreiungsschlag schaffen und nach katastrophalem Saisonstart endlich die Kurve kriegen.

Doch es kam anders – und das lag nicht am ungewohnten Kunstrasen des Stadio Silvio Piola. Inter agierte wie in den letzten Spielen, erneut mit einem neuen System, vorne harmlos und hinten schlecht abgestimmt und deutlich zu langsam. Riccardo Meggiorini (38.) und Marco Rigoni (86. per Elfmeter/90.) mit einem Doppelschlag besiegelten den 3:1-Erfolg des konzentriert und eiskalt die Fehler des Gegners ausnutzenden Novaras, das Esteban Cambiasso (89.) lediglich die Ergebniskosmetik zugestand.

Nach dem fünften Pflichtspiel ohne Sieg trennte sich Inter am Tag nach dem Spiel von Trainer Gian Piero Gasperini.

Der Coach hatte nach dem 3-5-2 gegen die Roma zurück zum 3-4-3 gewechselt, anders als von den meisten Experten angenommen jedoch Giampaolo Pazzini erneut nicht in der Startelf aufgeboten. Stattdessen bildete erneut der zuletzt so glücklose Diego Milito die Sturmspitze, flankiert von Luc Castaignos und Diego Forlan. In die Abwehrkette kehrte Christian Chivu zurück.

Meggiorini bestraft die Inter-Patzer

Und der brachte kurz nach Anpfiff sein Team gleich in arge Bedrängnis. Mit einem missglückten Rückpass hatte er Novaras Riccardo Meggiorini in Schussposition gebracht, Keeper Julio Cesar musste Kopf und Kragen riskieren, um die brenzlige Situation zu entschärfen (1.). Der anschließende Eckball brachte erneut Gefahr. Zunächst war Cesar am Ball vorbei gesegelt, dann rettete Chivu auf der Linie (4.).

Nach diesem turbulenten Auftakt beruhigte sich die Partie zunächst etwas. Inter übernahm die Kontrolle, ohne gegen die defensiv gut gestaffelten Gastgeber allerdings gefährlich in den Strafraum zu kommen. Mehr als zwei Distanzschüsse von Wesley Sneijder (9.) und Forlan (13.), die ihr Ziel klar verfehlten, sprangen nicht dabei heraus. Gefährlicher wurde es auf der Gegenseite nach Kontern, die die gedankliche, aber auch körperliche Langsamkeit und die fehlende Ordnung in der Inter-Abwehr aufdeckten.

Zunächst hatte Lucio Meggiorini (15.) zu viel Platz gelassen, dessen Scherenschlag aber nur das Außennetz getroffen, dann musste Cesar erneut aus seinem Kasten stürmen, um vor Andrea Mazzarani zu klären (16.). Inter agierte in der Folge wieder aktiver, war vorne bis auf einen strammen Schuss aus 20 Metern von Sneijder aber nicht zwingend genug - die einzige Strafraumszene vereitelte Giuseppe Gemiti mit einem beherzten Block gegen Milito - und hinten anfällig. Esteban Cambiasso Fehler bestrafte Meggiorini nach Zuspiel von links durch Mazzarani mit dem 1:0 (38.).

Novara macht alles klar

Gasperini reagierte zur Pause, ersetzte Forlan durch Pazzini und Castaignos durch Joel Chukwuma Obi, später ersetzte dann noch Mauro Zarate den glücklosen Sneijder. Inter verstärkte den Druck, schnürte Novara hinten ein. Das 3-4-3 wurde mit zunehmender Spielzeit immer mehr zu einem 3-3-4, doch das ersehnte Tor wollte nicht fallen. Zu selten konnten sich die Gäste wirklich aussichtsreich in Szene setzen.

Die beste Chance hatte Pazzini eine Viertelstunde vor dem Ende, sein Schuss im Strafraum flog aber knapp am Pfosten vorbei. Zuvor hatte der eingewechselte Luigi Giorgi nach einem Konter Cesar zu einer weiteren Parade gezwungen. Und nachdem Lucio den Referee mit einer plumpen Schwalbe im Strafraum der Gastgeber nicht hatte täuschen können, legte Ranocchia im eigenen Sechzehner Morimoto um, wurde vom Platz gestellt und Rigoni vollstreckte den verhängten Strafstoß eiskalt zum 2:0 (86.).

Mehr als der Ehrentreffer durch Cambiasso (89.) war den Nerazzurri nicht mehr vergönnt. Und in der Nachspielzeit war es noch einmal Rigoni, der einen weiteren Abstimmungsfehler in der Inter-Defensive zum 3:1-Endstand nutzte (90.). Für Inter verschärft sich die Krise damit weiter und es ist nicht schwer vorzustellen, dass Präsident Massimo Moratti, der den Auftritt seiner Mannschaft über 90 Minuten mit versteinerter Miene, fast regungslos verfolgt hatte, bereits in Gedanken einen neuen Trainer verpflichtet hat.

Seine Worte nach dem Spiel verheißen nichts Gutes. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass er die Mannschaft im Griff hat", erklärte Moratti laut Gazzetta dello Sport. "Ich brauche jetzt die Nacht, um zu entscheiden." Erwartungsgemäß wurde am nächsten Tag Vollzug gemeldet und Gian Piero Gasperini entlassen.

Schon am Vormittag leiteten die Co-Trainer Giuseppe Baresi und Daniele Bernazzani das Training. Claudio Ranieri, Delio Rossi oder Roberto Baggio werden als heiße Kandidaten für die Nachfolge Gasperinis gehandelt.

Malte Asmus

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