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Juventus Turin: Alte Dame vor Gericht

Sportlich läuft es für Juventus Turin: Tabellenführer in der Meisterschaft und in der Champions League. Wegen der Dopingaffäre drohen nun aber Vereinsmitarbeitern hohe Haftstrafen.

Im sportlichen Höhenflug droht der "alten Dame" Juventus Turin der Absturz vor Gericht. Teamarzt Riccardo Agricola und Juve- Geschäftsführer Antonio Giraudo sollen wegen systematischem Dopings von Spielern ins Gefängnis. Staatsanwalt Raffaele Guariniello forderte am Montag im Turiner-Dopingprozess drei Jahre und zwei Monate Haft für Agricola und zwei Jahre und einen Monat für Giraudo. "Die Anklage baut nur auf Annahmen", entgegneten Juves-Verteidiger und sind von einem Freispruch am 26. November überzeugt.

Dennoch blieb bei den Turinern der Jubel über ihre Erfolgsserie in Champions-League und Meisterschaft getrübt. Zumal der italienische Rekordmeister am Dienstag zum ersten Mal seit seinem Börsengang auch noch ein Minus von 18,5 Millionen Euro in der Bilanz des letzten Saison präsentieren muss.

Nach dem 1:0-Sieg in der Champions League gegen Bayern München und seinem 3:0-Erfolg in der Meisterschaft bei Siena war die Stimmung beim souveränen Tabellenführer noch glänzend. Erst recht, nachdem die Turiner auch noch als heimlicher Sieger aus dem Verfolgerderby zwischen AC und Inter Mailand am Sonntagabend hervorgingen. Die Mailänder nahmen sich beim hochklassigen 0:0 gegenseitig die Punkte ab, so dass Juve mit 19 Punkten davonziehen konnte. Verfolger Lecce (14) und Milan (14) haben nach sieben Spieltagen bereits fünf Punkte Rückstand. Die "La Gazzetta dello Sport" sah Juve deshalb schon "in der Manier eines Michael Schumacher" auf dem Weg zum frühzeitigen Titelgewinn.

Auf dem Platz ist der Truppe von Erfolgstrainer Fabio Capello derzeit kein Gegner gewachsen. Der Doping-Prozess könnte Juve jetzt aber aus dem Tritt bringen. Zwischen 1994 und 1998 soll Teamarzt Agricola mit Zustimmung von Geschäftsführer Giraudo Spieler systematisch mit dem Blutdopingmittel EPO gedopt haben. Ein von der Anklage zitiertes Gutachten von Giuseppe Donofri stellte Schwankungen der Hämatokritwerte bei den Sportlern fest, die das EPO-Doping belegen sollen.

Zu den unter Verdacht geratenen Spielern gehören auch Stürmerstar Alessandro Del Piero und der frühere Juve-Star Didier Deschamps. Die Anklage der Staatsanwaltschaft basierten nur auf Hypothesen, behauptet dagegen die Verteidigung. Einen echten Beweis oder ein Geständnis gebe es nicht. Der fast dreijährige Dopingprozess war durch die offenen Anschuldigungen des Trainers Zdenek Zeman ausgelöst worden. Zeman hatte den Muskelzuwachs bei Del Piero als unnatürlich bezeichnet.

Bernhard Krieger/DPA / DPA

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