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Klinsmann-Interview: "Der Titel ist das Ziel"

"Die Fans haben die Hoffnung, dass wir Weltmeister werden. Also ist das auch meine Zielsetzung", sagt Jürgen Klinsmann. Im Interview spricht er über Erwartungsdruck, Vertragslaufzeiten und die Anforderungen an seinen Co-Trainer.

Mit welchen Vorstellungen und Zielen gehen Sie Ihre neue Aufgabe als Bundestrainer an?

Klinsmann: "Die Fans haben den Wunsch und die große Hoffnung, dass wir 2006 im eigenen Land Weltmeister werden. Dies ist auch meine Zielsetzung. Ich habe mir ein Bild gemacht und denke, das Potenzial ist - trotz aller Probleme - vorhanden. Ich bin voller Energie und mit klaren Vorstellungen in die Partnerschaft mit dem DFB gestartet, gehe diese Aufgabe aber auch mit dem Wissen an, dass es schwer wird."

Mit dem Ziel des Titelgewinns setzen Sie sich unter großen Erfolgsdruck.

"Ich muss irgendwo anfangen und eine Zielsetzung vorgeben. Ich bin mir der Erwartungshaltung unter den Fans bewusst. Wenn ich mit dem Druck nicht umgehen könnte, würde ich nicht hier sitzen."

Dennoch läuft ihr Vertrag als Bundestrainer nicht über die WM 2006 hinaus. Warum haben Sie nur für zwei Jahre unterschrieben?

"Ich hatte nicht den Wunsch, ein langfristiges Engagement anzunehmen - ohne zu wissen, wo es hinläuft."

Was werden Ihre ersten Aufgaben sein, wenn Sie am 1. August das Amt offiziell übernehmen?

"Einen Trainerstab zusammenzusetzen, der Hand und Fuß hat. Ich möchte die Co-Trainer-Frage so früh wie möglich entscheiden und hoffe, dass wir in ein paar Tagen mehr wissen. Ich will sehr schnell eine Vertrauensbasis zur Mannschaft schaffen, des weiteren muss ich mir einen Überblick über das Umfeld verschaffen und Kontakte zu den Trainern und Managern der Bundesligavereine aufnehmen."

Welche Voraussetzungen muss Ihr künftiger Assistent mitbringen?

"Er muss eine langjährige Bundesliga-Erfahrung haben und in der Bundesliga akzeptiert sein. Er muss Elan mitbringen und ein offener Typ sein. Da ich nicht 10 oder 15 Trainerjahre vorweisen kann, hole ich einen Co-Trainer, der mir dieses Input geben kann."

Als Spieler waren Sie sehr bekannt, als Trainer sind Sie ein unbeschriebenes Blatt. Sind Sie ein Typ wie Franz Beckenbauer oder eher wie Berti Vogts?

"Ich bin weder Kaiser noch Berti. Ich komme aus der Angriffsecke und habe auf dem Platz oft Dinge gewagt, wo weder mein Gegenspieler noch ich wusste, was dabei herauskommt. Ich möchte ein Spielsystem aufbauen, das nach vorn gerichtet ist und unseren Tugenden entspricht: Aggressiv zu sein, temporeich zu spielen und zum Abschluss zu kommen."

Mit dem neuen Teammanager Oliver Bierhoff sitzt ein weiterer langjähriger Nationalspieler mit im Boot. Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit?

"Ich wollte unbedingt jemanden an der Seite haben, dem ich zu 1000 Prozent vertraue und mit dem ich mich blind verstehe. Oliver kann sich in die Köpfe der Spieler hinein denken und kennt sich mit Stresssituationen aus."

Interview: Eric Dobias/DPA / DPA
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