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Was meinen Strunz?: Ein Erdbeben droht

Mit Pauken und Trompeten ist der FC Bayern aus der Champions League ausgeschieden. Gegen den AC Milan wurde dem Flagschiff des deutschen Klub-Fußballs schonungslos vor Augen geführt, woran es derzeit hapert. Besserung ist nicht in Sicht - im Gegenteil.

Jetzt ist es also doch passiert: Die Bayern sind als letztes deutsches Team aus der Champions League ausgeschieden. Und zwar völlig zu Recht! Der AC Milan war ganz objektiv betrachtet in beiden Spielen das bessere Team. Das 2:2 aus dem Hinspiel war für den deutschen Rekordmeister Gift, weil das Ergebnis über den wahren Leistungsstand hinweggetäuscht hat.

Wie schon im Hinspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion, so konnte man auch am Mittwochabend in München deutlich erkennen, dass Milan den Bayern derzeit in nahezu allen Belangen überlegen ist. Das fängt bei der taktischen Disziplin an und hört bei der individuellen Klasse der Einzelspieler auf. Man denke nur mal an Clarence Seedorf: Auf welche Art und Weise der Holländer die Führung selbst erzielt hat und kurz danach das 2:0 von Inzaghi mit der Hacke vorbereitet hat, das war schon auf höchstem Niveau. So jemanden, der auch mal für die überraschenden Momente sorgt, hat mein ehemaliger Verein leider nicht in seinen Reihen.

Neue Stars für den "General"

Meinen Hut ziehen muss ich übrigens vor Milans Urgestein Paolo Maldini. Wie der alte Abwehrrecke hinten den Laden bei den "Rossoneri" immer noch dicht hält, beeindruckt mich. Man darf nicht vergessen: Maldini wird bald 39. Ich würde heutzutage so alt gegen den aussehen, aber immerhin habe ich gegen ihn im Jahr 1990 zum ersten und letzten Mal mit Bayern gegen "sein" Milan gewinnen können - ein kleiner Trost ...

Aber zurück zur Gegenwart: Ab heute beginnt beim FC Bayern ein Neuanfang. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Führung gegenüber der Mannschaft deutliche Worte finden wird bzw. gefunden hat. Angestrebte Spielertransfers wie die von Luca Toni oder Arjen Robben werden ab sofort mit aller Macht vorangetrieben. Umgekehrt werden Fälle der wechselwilligen Santa Cruz oder Pizarro schnell abgearbeitet, um die neue Saison mit einem bereinigten Kader anzugehen. Aber es braucht eben auch neue Stars an der Isar.

Der fußballerische Super-Gau droht

Und da fängt das Problem von vorne an. Schauen wir uns doch das Teilnehmerfeld des Halbfinales mal an. Drei englische Klubs sind darin vertreten. Ist das Zufall? Nein, sicher nicht. Auf der Insel fließt das meiste Geld, man denke nur mal an den fetten Fernsehvertrag, der den Vereinen in England ein Vielfaches mehr an Einnahmen gewährt als das, was Bundesliga-Vereine kassieren. Selbst ein FC Bayern wird auch mittelfristig nicht mit Chelsea, ManU oder Liverpool um Stars mitbieten können.

Die Situation, in der sich die Bayern nach dem Ausscheiden nun befinden, ist gefährlich. Die Enttäuschung über das klare Aus in der Königklasse steckt einem noch lange in den Knochen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Umso wichtiger ist es, dass Trainer Hitzfeld die Jungs jetzt richtig anpackt und die richtigen Worte findet. Es wäre fatal, wenn man in der Endphase der Bundesliga weitere Punkte liegenlassen würde. Stellen Sie sich mal vor: Bayern wird am Ende nur Vierter und spielt nicht in der Champions League. Das wäre für den deutschen Fußball ein mittelschweres Erdbeben.

Aufgezeichnet von Klaus Bellstedt

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