Peking-Skizzen, Teil 8 Ich hasse Kekse


Olympia in Peking ist ein Erlebnis. Olympia wird auch für mich als Journalisten für immer unvergessen bleiben. Keine Frage. Leider beschränkt sich der Nervenkitzel doch primär auf die sportlichen Wettkämpfe. Denn was sich drum herum abspielt, in den Katakomben bei den Journalisten, wirkt sehr irdisch - ganz besonders, was das kulinarische Angebot betrifft.
Von Jens Fischer, Peking

Als Journalist in Peking bei den olympischen Spielen zu sein, ist eine tolle Sache. Eine berufliche Erfahrung, die einen weiterbringt. Sowohl, was die journalistische Arbeit betrifft, als auch im privaten Leben. Was ich hier während der drei Wochen erlebe, werde ich wohl nie vergessen. Irgendwann, wenn ich alt und grau vor meinen Enkeln sitze, werde ich ihnen die Geschichten von damals erzählen, damals als ich in Peking bei den Spielen war, im Jahr 2008. Mir egal, ob sie es interessiert. Mir egal, ob sie sich insgeheim denken: Lass ihn brabbeln, den Alten.

Ich freue mich, hier zu sein. Toller Sport, verrückte Stadt, internationale Begegnungen, Kontakte knüpfen, neue Bekannte kennenlernen - eine klasse Sache. Sie denken sich gerade: Spinnt der Fischer? Schwärmt uns vor, wie toll doch alles ist, soll lieber seine Arbeit machen. Das mache ich auch. Und das ist bisweilen ziemlich anstrengend, glauben Sie mir. Ganz besonders, weil man sich hier als Journalist recht oft doch auch wie ein Hamster im Laufrad fühlt.

Täglich grüßt das Murmeltier

Das fängt früh am Morgen an. Spätestens sieben Uhr aufstehen, verschlafen nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs raus dem Hotel, Taxi finden. Im allgemeinen Verkehrs-Wahnsinn geht's los, auf zu den Wettkämpfen. Rein in die Halle, und gleich auf direktem Weg in den "Press-Workroom". Ich suche mir einen Platz, pack den Laptop aus, anschließen, anfangen zu arbeiten. Immer das Gleiche. Ach ja, da ist er wieder, der Kollege X von der Zeitung XY. Genau wie gestern, da saß er mir in einer anderen Halle gegenüber. Die Uhrzeit war dieselbe.

Großen Hunger sollte man zu den Wettkämpfen lieber nicht mitbringen. Denn das "Journalisten-Buffet" ist hier extrem spartanisch. Was darf ich Ihnen anbieten? Ein köstliches, verschrumpeltes Äpfelchen, oder doch lieber die obligatorische Banane - den Sattmacher unter den Früchten. Und dann gibt es noch diese kleinen kulinarischen Teufel, gleich neben dem Obst haben sie sich versteckt. Trockene Kekse, die von meinen geliebten Volunteers in Fließband-Arbeit aus riesigen Dosen permanent aufgefüllt werden. Denn die spröden Teig-Gesellen finden unter meinen Kollegen reißenden Absatz. Kein Wunder, sonst gibt es ja auch nichts.

Happening im Presse-Bus

Es gibt sie in drei Sorten. In dunkel, hell und helldunkel. Nach Schokolade schmecken sie ein wenig, nach Sesam und nach… hmm… gute Frage: Vanille? Ich weiß es nicht. Sie schmecken langweilig, alle, ich mag sie nicht, und ich kann sie auch nicht mehr sehen. Ich bin noch zwei Wochen hier, noch 14 Tage diese Kekse - ich drehe durch. Ein Horror.

Nach den Wettkämpfen geht's ins Pressezentrum. Rein in den Shuttle, ach ja, hallo, wie geht's? Schon was geschrieben? Nein, mache ich jetzt hier im Bus. Zeit dafür habe ich genug: Schließlich dauert die Fahrt wie immer ewig, es gilt, die unzähligen Absperrungen, Gitter und Posten zu überwinden. Da kann ich ganz in Ruhe loslegen. Wenn sich nicht gerade meine Freunde, die kleinen Kekslein melden würden ...


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