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Beachvolleyball: Das coolste Gold

Philip Dalhausser, das "Biest", hat sich mit seinem Partner Todd Rogers zu Gold gefressen. Das Spiel gegen die beiden Brasilianer Marcio Araujo und Fabio Luiz war Werbung für das Beachvolleyball. Die Menge tobte, wieder einmal war "Beach-Party" in Peking. Dafür verantwortlich war einer, der im Finale mit skurrilen Darbietungen zur Höchstform auflief.

Von Jens Fischer, Peking

Er heißt Bob. Oder Mike. Oder John. Auf jeden Fall ist Bob, Mike oder John mega-gut drauf. Auch heute wieder. Beim Finale des olympischen Beachvolleyball-Turniers. Heute gibt er alles. Natürlich macht er die Menge heiß wie in jedem Spiel in den vergangenen beiden Wochen. Stachelt sie an, sagt ihnen, wann die Post abgeht und erklärt, wie denn die La Ola funktioniert.

Heute ist Finale. Heute spielen die Weltklasse-Amerikaner Phillip Dalhausser, das Biest, und der "Professor" Todd Rogers gegen die beiden Überirdischen, die Brasilianer Marcio Araujo und Fabio Magalhaes. Das Traumfinale sozusagen, der Showdown hier im Chaoyang Park.

Am Ende siegen die beiden Amerikaner in einem hochklassigen Spiel mit 2:1-Sätzen (23:21, 17:21, 15:4), das wie auch alle Spiele in den Runden zuvor, Werbung ist für den Sport im Sand. Wieder einmal sind es das brachiale Spiel des "Biestes" Dalhausser und das clevere ausgebuffte Taktieren von Rogers, gegen das die beiden starken Südamerikaner kein Mittel finden.

Beachvolleyball ist angesagt

Im Pressezentrum hängen immer noch die Uhren an der Wand, zeigen die Uhrzeit in allen möglichen Zeitzonen dieser Welt für die internationale Journalisten-Horde. Und diesmal sind wirklich alle gekommen. Gerade die Sensationsmacher aus Übersee haben auf dieses Spiel hingefiebert. Das Spiel beginnt pünktlich zur "Prime-Time" in den USA und wird riesige Einschaltquoten haben. Beachvolleyball ist angesagt.

Das finden auch die Zuschauer im voll besetzten Stadion. Die USA gegen Brasilien - dieses Duell gibt es auch auf den Rängen. Schon lange vor Spielbeginn haben sich die heißblütigen Brasilianer eingefunden und machen Party ohne Ende. Samba in Peking. Auf der anderen Seite feiern die Amerikaner ihre Beach-Party. Das unvermeidliche Sternenbanner ist überall zu sehen, das Bier fließt in Strömen, und alles ist einfach cool.

Das Spiel hat die Stimmung verdient. In brütender Hitze schlagen sich beide Teams die Bälle um die Ohren, es ist das mit Abstand das hochklassigste Spiel des Turniers. Besonders Dalhausser hat während der Tage in Peking bewiesen, dass es auf der Welt keinen besseren Spieler gibt als ihn. Seine Aufschlag-Hämmer, seine gigantischen Blocks, seine Präsenz auf dem Platz - unerreicht. Dalhausser ist der Goldgarant. "Ich bin natürlich überglücklich, dass ich heute in diesem so wichtigen Spiel eine gute Leistung zeigen konnte. Aber mein Dank gilt auch meinem Partner Todd. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft", sagt er nach dem Spiel.

Der US-Traum ist wahr geworden

Als es endlich geschafft ist, liegen sich Dalhausser und Rogers in den Armen, schmeißen sich in den Sand und fassen es nicht. Sie sind ihrer Favoriten-Rolle gerecht geworden. Der amerikanische Beachvolleyball-Traum ist wahr geworden. Der in der Schweiz geborene Dalhausser rennt mit der obligatorischen Fahne durch das Stadion, die Amerikaner sind auf dem Olymp einer Sportart, die bei diesen Spielen ihre große Attraktivität bewiesen hat.

Täglich sind mehr Menschen und auch Journalisten in den Chaoyang Park gekommen, das Beachvolleyball-Turnier hat schnell sein Schattendasein verlassen. Hier war an jedem Tag die beste Stimmung. Die übliche Konformität und das Jubeln auf Bestellung wie bei den anderen Wettkampf-Stätten gab es hier nie.

Auch Bob, Mike oder John weiß: Heute ist sein großer Tag. Heute kann er etwas für seine Karriere als Pausen-Kasper unternehmen. Deswegen hat er sich extra ein brasilianisches Trikot unter sein offizielles Olympia-Family-Shirt gezerrt - Überraschung, Überraschung. Eine kleine Choreografie hat er sich überlegt. In einer der Spielpausen macht er die Robbe. Schmeißt sich in den heißen Sand, wühlt und ackert sich über das gesamte Spielfeld, schwitzt, lässt sich deswegen von einer der Cheerleaderinnen mit Wasser überschütten. Super, das gefällt den Leuten, das macht gute Laune.

Jetzt ist auch Bob, Mike oder John erledigt. Schließlich ist er auch nicht mehr der Jüngste - und auch einen kleinen Bierbauch schleppt er mit sich herum. Er keucht, und nach dem Spiel atmet er auf. Er hat wieder einmal alles gegeben.

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