Olympia-Bronze zum Abschied Rodel-Doppelsitzer Leitner und Resch feiern ausgelassen


Wie von der Tarantel gestochen rannten Patric Leitner und Alexander Resch zu ihren Fans und feierten ausgelassen ihr mit Bronze veredeltes Karriere-Ende. Acht Jahre nach ihrem Gold- Coup von Salt Lake City hatten die Rodel-Routiniers auch in Vancouver eine Olympia-Medaille erobert.

Wie von der Tarantel gestochen rannten Patric Leitner und Alexander Resch zu ihren Fans und feierten ausgelassen ihr mit Bronze veredeltes Karriere-Ende. Acht Jahre nach ihrem Gold- Coup von Salt Lake City hatten die Rodel-Routiniers auch in Vancouver eine Olympia-Medaille erobert. Dank eines fulminanten zweiten Laufs raste der "Bayern-Express" am Mittwochabend (Ortszeit) in Whistler auf seiner allerletzten Fahrt vom fünften sogar noch auf den Bronzeplatz vor. Dagegen fielen die Halbzeit-Vierten André Florschütz und Torsten Wustlich noch auf den fünften Rang zurück.

"Keinen Meter fahre ich mehr. Das halte ich nervlich nicht aus", stöhnte Leitner nach dem Nervenspiel im entschärften Eiskanal von Whistler. Und der ehemalige Bundestrainer Thomas Schwab sollte Recht behalten. "Es geht wohl nur noch um Bronze für uns", hatte der Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland vor dem Doppelsitzer-"Finale" prophezeit.

André Florschütz übte Selbstkritik: "Der zweite Start war zu schlecht, um aufs Podium zu fahren. Aber Patric und Alex haben sich diesen Abschied verdient." So feierten die deutschen Kufenflitzer dank Leitner/Resch ihre fünfte Medaille bei den XXI. Olympischen Winterspielen.

Das erste Gold für Österreich bei diesen Winterspielen holten nicht die Alpinen, sondern die Doppelsitzer Andreas und Wolfgang Linger. Fahnenträger Andreas und Bruder Wolfgang wiederholten ihren Olympiasieg von 2006 in Turin. Hinter den überlegenen Gewinnern fuhren die Letten Andris und Juris Sics überraschend Platz zwei.

"Das ist schwer. Das ist ein enges Feld", hatte der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl eine Stunde vor dem Start des letzten Rodel-Wettbewerbs prophezeit. Der "Bayern-Express" Leitner/Resch patzte im ersten Lauf gleich am Slalom-Start und büßte trotz guter Fahrt wertvolle Zeit ein. "Lasst uns einmal den Start treffen, dann stehen wir auf dem Treppchen", sagte Steuermann Leitner sechs Tage vor seinem 33. Geburtstag.

Wie die Frauen waren auch die Doppelsitzer vom ungewohnten Junioren-Start ins Olympia-Rennen gegangen. "Der Start ist der Hammer, da entscheidet sich alles", hatte Leitner schon im Training gestöhnt. An den Medaillenrängen vorbei fuhren die dreimaligen Weltmeister Florschütz/Wustlich, die vor einem Jahr bei der Olympia- Generalprobe im Whistler Sliding Centre noch zum Weltcup-Sieg gefahren waren.

Das Duo lag nach dem ersten Lauf zwar aussichtsreich auf dem vierten Platz, am Ende reichte es aber nicht für die zweite Olympia- Medaille nach Silber 2006. Hintermann Wustlich hatte schon nach den Trainingsläufen Böses geahnt. "Der Start macht hier 80 Prozent aus, das ist der Scharfrichter. Wenn man den nicht richtig hinbekommt, kann man schon vom Bock absteigen."

So jubelte nach den Gold-Fahrten von Tatjana Hüfner und Felix Loch am Mittwoch vor allem die ausländische Konkurrenz. Linger/Linger machten wie schon 2006 den Olympiasieg perfekt und konnten damit erst als drittes Doppel der Rodel-Geschichte ihr zweites Gold bejubeln. Dennoch beendeten die deutschen Kufen-Asse die olympischen Rodel- Rennen einmal mehr als erfolgreichste Nation.

Herzzerreißende Szenen spielten sich unterdessen bei der Ankunft des Sarges im georgischen Heimatdorf des tödlich verunglückten Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili ab. "Warum habe ich Dich überlebt?", rief seine Mutter und warf sich weinend auf den in eine georgische Flagge gehüllten Sarg. An diesem Samstag soll der Athlet, der nur 21 Jahre alt wurde, in Bakuriani etwa 170 Kilometer westlich von Tiflis beigesetzt werden.  

Michael Fox und Frank Kastner, DPA DPA

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