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Winterspiele Vancouver 2010: Unfalltod Kumaritaschwilis überschattet Medaillenjagd

Biathletin Magdalena Neuner verbreitete zum Olympia-Auftakt Silberglanz, Rodler Felix Loch hatte Gold-Träume, doch Vancouver trug am ersten Wochenende der XXI. Winterspiele auch Trauer.

Der Unfalltod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili warf einen tiefen Schatten, es gab am ersten Wettkampf-Tag gewalttätige Randale von Olympia-Gegnern, und auch das Wetter spielt noch immer nicht mit: Nach der Absage der Super-Kombination der Damen musste auch die Abfahrt der Herren am Samstag abgeblasen werden. Da passte es ins triste Bild, dass Kanada am Samstag das ersehnte erste Gold bei olympischen (Heim)spielen einmal mehr verpasste. Als Jennifer Heil im Ziel schon als Siegerin des Buckelpisten-Wettbewerbs gefeiert wurde, raste US-Konkurrentin Hannah Kearney als letzte Starterin noch an ihr vorbei.

Die Veranstalter verheißen unterdessen bessere Zeiten und sprechen sich damit wohl auch selbst etwas Mut zu. "Es werden jetzt erfolgreiche Spiele werden", sagt Renee Smith-Valade vom Organisationskomitee VANOC, aber zumindest die Wetter-Aussichten sind weiter eher düster. Eine Mischung aus Schneefall, Regen und milden Temperaturen an den verschiedenen Wettkampfstätten macht den Organisatoren Sorgen. Zudem zogen am ersten Wettkampftag mehr als 200 militante Demonstranten durch die Innenstadt, rissen Zeitungskästen aus ihren Verankerungen und schlugen damit Schaufensterscheiben ein. Die maskierten jungen Leute bewarfen auch Polizisten mit Gegenständen und demolierten Autos und Busse. Es gab sieben Festnahmen.

Überschwänglich wurde Skispringer Simon Ammann für seinen insgesamt dritten Olympiasieg gefeiert, doch der Unfalltod in der Eisrinne dämpfte die Begeisterung. "Mit schweren Herzen musste die Show weitergehen", beschrieb die "Vancouver Sun" die Stimmung und den Zwiespalt, den viele Kanadier empfinden. So hielt sich auch der olympische Überschwang der einheimischen Medien in Grenzen, bei allem Stolz auf eine stimmungsvolle Eröffnungsfeier trotz eines Patzers beim Entzünden des olympischen Feuers. Wenigstens die Straßen in der Stadt haben sich inzwischen mit Besuchern gefüllt. In den Partyzentren drängen sich die Menschen. Und überall sieht man Weiß und Rot, die Farben des kanadischen Teams.

Im Biathlon-Zentrum in Whistler war schwarz-rot-gold angesagt, denn Neuner brachte die deutsche Olympia-Mannschaft als Sprint-Zweite in die Medaillenspur. "Die Silbermedaille bei Olympischen Spielen - das ist ganz schön cool, absolute Spitze", jubelte sie. "Der Weg ist bereitet", sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Nur um 1,5 Sekunden musste die sechsfache Weltmeisterin der Überraschungs-Siegerin Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei den Vortritt lassen und schuf sich eine glänzende Basis für die Verfolgung am Dienstag. "Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen", bekannte Bundestrainer Uwe Müssiggang nach Platz zwei für seine Vorzeige- Athletin. Nicht gut lief es für die anderen Deutschen. Simone Hauswald wurde 26. vor Andrea Henkel, Kati Wilhelm kam auf Rang 30.

Eine weitere Medaillenhoffnung im Skispringen erfüllte sich nicht: Michael Uhrmann belegte von der Normalschanze den fünften Rang. Im Finale büßte Uhrmann als Zweitplatzierter des ersten Durchgangs drei Plätze ein. Martin Schmitt wurde Zehnter. Ammann flog auf dem Bakken erneut der Konkurrenz davon. Acht Jahre nach seinem Doppel-Triumph von Salt Lake City siegte der Schweizer souverän vor Adam Malysz aus Polen. Eisschnelllauf- Olympiasieger über 5000 Meter wurde Top- Favorit Sven Kramer aus den Niederlanden vor dem Südkoreaner Seung- Hoon Lee. Die deutschen Langstreckler verbuchten auf dem Eisoval von Richmond über 5000 Meter ihr schlechtestes Olympia-Abschneiden seit 46 Jahren.

Südkoreas Lee Jung-Su gewann die erste Shorttrack-Entscheidung über 1500 Meter. Silber holte US-Star Apolo Anton Ohno. Einen Achtungserfolg erzielte Sebastian Praus als Shorttrack-Elfter.

Als Konsequenz aus dem Todessturz von Kumaritaschwili im Eiskanal von Whistler nahmen die Rodler ihr Rennen am Samstag vom Damen-Start aus in Angriff. Unbeeindruckt vom Unfall seines jungen Kollegen behielt Loch cool die Nerven und hatte als Halbzeit-Führender vor seinem Team-Kollegen David Möller schon Gold im Visier. "Mit Psychologie hatte ich noch nie Probleme", erklärte der 20 Jahre junge Rodel-Weltmeister bereits vor den letzten beiden Läufen am Sonntag, "es war schwierig, damit umzugehen, aber wir haben das ganz gut geschafft." Erste Nervenprobe bestanden - und zwar glänzend.

Gabriele Chwallek und Jörg Obergethmann, DPA / DPA

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