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Snowboarderin Amelie Kober: "Leistungsfähige Mutter" will Edelmetall

Snowboarderin Amelie Kober gilt als Medaillenkandidatin. Vor ihrem ersten Auftritt im Parallelslalom spricht sie über ihre Chancen und darüber, wie man als junge Mutter im Leistungssport besteht.

Mit einer sehr ausgeglichenen Mannschaft gehen die deutschen Alpin-Snowboarder um die Olympia-Zweite Amelie Kober und Weltmeisterin Isabella Laböck an den Start. "Ich glaube, dass jeder in Sotschi den Traum von einer Medaille hat - so wie ich auch", sagte die junge Mutter Kober. Der Sohn ist zu Hause geblieben. Auf ein Mitbringsel darf sich der Dreijährige aber freuen.

2006 verzückten Sie die Wintersport-Fans als 18-Jährige mit Silber, 2010 gaben Sie in Vancouver Ihre Schwangerschaft bekannt. Womit überraschen Sie diesmal?


Amelie Kober: Das ist schwierig zu sagen. Das Niveau in unserem Sport ist extrem gestiegen. Ich glaube, dass jeder in Sotschi den Traum von einer Medaille hat - so wie ich auch. Wenn man nach zweimal WM-Bronze aus dem Vorjahr zu den Olympischen Spielen fährt, ist das immer gut für das Selbstvertrauen. Und wenn es bei den Spielen nicht klappt: Eine olympische Medaille habe ich ja schon.

Können Sie die Unterschiede Ihrer drei Olympia-Teilnahmen beschreiben?


Als junge Sportlerin bin ich nach Turin gefahren und habe mir relativ wenige Gedanken gemacht. Ganz anders 2010. Da habe ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht. Der Leistungsdruck war enorm und ich war schwanger. Der achte Platz war für mich schon ein Misserfolg, weil ganz klar eine Medaille das Ziel war. Aber ich habe etwas Wunderschönes mit nach Vancouver und wieder mit nach Hause genommen: Lorenz.

Wie hat sich für Sie als Mutter eines dreijährigen Sohnes der Stellenwert des Leistungssports verändert?


Beim Wettkampf selber zählt nur der Sport. Ansonsten fällt es mir viel leichter, vom Sport abzuschalten. Früher war ich überehrgeizig und wahnsinnig auf den Sport fokussiert. Jetzt weiß man, was wirklich zählt. 2010 hat mir die nahende Geburt meines Sohnes auch geholfen, den Misserfolg von Vancouver zu verdauen. Die neue Aufgabe hat mich erfüllt und ich habe nach vorne geschaut.

Wie haben Sie denn den Schlafmangel - gerade in der Anfangszeit - weggesteckt? Sie sind ja schon vier Monate nach der Geburt in den Leistungssport zurückgekehrt.
Am Anfang war es sehr, sehr hart. Ich hatte einen Nicht-Schläfer und einen Nicht-Esser ... Aber es geht immer irgendwie, man kann ja nicht aus der Situation raus. Und das Kind ist immer die Hauptaufgabe.

Aber ist es für eine junge Mutter mit einem Baby oder einem kleinen Kind nicht wahnsinnig anstrengend? Denn neben der Eltern-Aufgabe zehrt ja auch noch der Leistungssport an den Kräften.


Ich glaube, dass beides vergleichbar ist. Im Leistungssport geht man an die Grenze der Belastbarkeit - und als Mutter muss man es auch. Ich bin viel belastbarer geworden, Kleinigkeiten stören mich nicht mehr. Früher habe ich mir Gedanken gemacht, wenn ich vor Wettkämpfen schlecht geschlafen habe oder Jetlag hatte. So etwas steckt man als Elternteil lockerer weg, weil man es gewohnt ist. Oder man muss auch dann funktionieren, wenn das Kind krank ist. Ich glaube, dass man leistungsfähiger wird.

Versteht Lorenz mittlerweile eigentlich, was seine Mutter macht und warum sie weg muss?


Inzwischen versteht er es. Als er noch kleiner war, war es ein bisschen einfacher für mich zu verreisen. Denn jetzt möchte er mitfahren und meistens darf er das auch. Wenn ich einmal ohne ihn wegfahre, beschwert er sich schon einmal. Aber er weiß, dass ich wiederkomme.

In Sotschi ist er sicher nicht mit, oder?


Es wäre möglich gewesen, aber wir haben uns dagegen entschieden. Durch die vielen Sicherheitszonen hätte es sein können, dass wir uns fast nicht sehen können. Und dafür, dass ich zweimal die Familie sehe, steht die Reise in keinem Aufwand. Dazu macht man sich auch Gedanken wegen der Terrorgefahren.

Wie denkt man als Mutter über das Thema Sicherheit?
Ich habe schon mit vielen darüber gesprochen. Ich persönlich fühle mich eigentlich sicher und denke, dass alles getan wird, um für unsere Sicherheit zu sorgen. Aber ich kenne auch Leute, Sportler und Angehörige, die vorher aufschreiben, wie man damit umgehen soll, wenn sie nicht mehr da sein sollten.

Wo ist Ihr Sohn während Olympia?


Er wird in der Zeit bei meinen Eltern leben. Da weiß ich, dass das reibungslos funktioniert und er das Umfeld kennt - das ist er gewohnt. Kontakt halten wir über Skype, Whatsapp oder Telefon. So kann ich in den Alltag eingebunden werden, auch wenn ich weit weg bin.

Was werden Sie ihm aus Sotschi mitbringen?


Vielleicht eine landestypische Sache. Nach dem Wettkampf vor einem Jahr in Sotschi habe ich ihm für eine horrende Summe ein Maskottchen mitgebracht. Da hat er erstmal das Olympia-Schildchen abgeschnitten.

Interview: Christian Kunz und Maximilian Haupt/DPA / DPA

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