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Boxen: Klitschkos Absage bringt den WM-Titel in Gefahr

Wegen einer Meniskusverletzung im rechten Knie musste Box-Weltmeister Vitali Klitschko seine für den nächsten Samstag in Las Vegas geplante Titelverteidigung wieder absagen. Jetzt ist sein WM-Titel in Gefahr.

Box-Weltmeister Vitali Klitschko droht der Verlust seines WM-Gürtels am "grünen Tisch". Der Ukrainer hat sich mit der erneuten Absage des Weltmeisterschafts-Kampfes den Zorn seines Herausforderers Hasim Rahman zugezogen und unfreiwillig den in Berlin lebenden Türken Sinan Samil Sam ins WM-Gespräch gebracht. Wegen einer Meniskusverletzung im rechten Knie musste der WBC-Weltmeister im Schwergewicht seine für den nächsten Samstag in Las Vegas geplante Titelverteidigung gegen Rahman wieder absagen.

Das ursprünglich für den 30. April vorgesehene Duell war bereits einmal wegen einer Rückenoperation Klitschkos ausgefallen. Nun muss der 2,02 Meter große Schützling von Trainer Fritz Sdunek erneut unters Messer. "Mir ist etwas passiert, vor dem kein Sportler absolut sicher ist. Das ist ein Trauma", teilte Klitschko auf seiner Homepage mit.

WM-Kampf am Samstag möglich

Rahman hatte Klitschko schon nach der ersten Absage im Frühjahr einen Feigling genannt und die Verletzung als vorgeschoben gegeißelt. Eine erneute mehrmonatige Zwangspause werden der amerikanische Ex-Weltmeister und sein Promoter Don King kaum zulassen. Auch Promoter Bob Arum, der den Kampf für 12,1 Millionen Dollar ersteigert und die TV-Rechte verkauft hat, will endlich Geld mit dem Kampf verdienen. Experten halten trotz der Klitschko-Absage einen WM-Titelkampf am Samstag für möglich.

Denkbar ist, dass dem verletzungsanfälligen Klitschko der WM-Titel aberkannt wird. Nach dem Titelgewinn am 24. April 2004 hat der 34-jährige Ukrainer noch keine Pflichtverteidigung bestritten. Das ist nach den Statuten des World Boxing Council (WBC) aber binnen eines Jahres vorgeschrieben. Seine freiwillige Titelverteidigung gegen den Briten Danny Williams am 11. Dezember 2004 spielt in dieser Rechnung keine Rolle. "Wer Don King kennt, weiß, dass er nun höllischen Druck beim WBC machen wird", sagte Jean-Marcel Nartz, Technischer Leiter bei der Hamburger Universum Box-Promotion, bei der einst auch die Klitschko-Brüder unter Vertrag standen.

Samil Sam könnte einspringen

Sollte Klitschko der Titel aberkannt werden, könnte Herausforderer Rahman gegen den an Nummer eins des WBC gesetzten Samil Sam antreten. Der für den Berliner Sauerland-Stall boxende Türke ist bereits in Top-Form, weil er ebenfalls am 12. November in einem WM-Ausscheidungskampf gegen den Usbeken Oleg Maskajew in Hamburg boxen soll. Der Sieger dieses Duells besitzt ohnehin das Recht, den WBC- Weltmeister herauszufordern.

Klitschko hatte sich die Verletzung beim Training am vergangenen Donnerstag zugezogen. Zunächst erklärte sein Vertrauensarzt, es handle sich um eine Dehnung und der Weltmeister könne mit einer Kniemanschette kämpfen. Später habe sich aber herausgestellt, dass die Verletzung schwerwiegender sei. "Am Sonntag habe ich mich einer Behandlung bei führenden Experten unterzogen. Wir haben das äußerst Mögliche getan, um den Kampf planmäßig stattfinden zu lassen", entschuldigte sich Klitschko. "Es tut mir unheimlich Leid für die vielen Fans."

Die Gefahr, dass er nicht nur auf die Börse von 7,8 Millionen Dollar verzichten muss, sondern eventuell gar auf seinen Titel, sieht Klitschko auch. "Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil die Entscheidung in der Macht des WBC-Managements steht." Sollte es so kommen, kann Klitschko nur darauf hoffen, dass der Verband ihm als Herausforderer des neuen Weltmeisters eine neue Chance gibt.

Franko Koitzsch und Gert Glaner/DPA

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