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Dieter-Baumann-Interview: "Man wird den Täter noch finden"

Hamburg - Langstreckenläufer Dieter Baumann ist davon überzeugt, dass man noch den Schuldigen in der Doping-Affäre finden wird, die ihm im Jahr 2000 eine zweijährige Sperre eingebracht hat. Aber er müsse "den Täter nicht jagen", da werde "die Zeit eine Rolle spielen", sagte der Olympiasieger von Barcelona in einem Interview mit dem stern.

Über den Film "Ich will laufen!", der seinen Fall schildert und den die ARD am 4. August ausstrahlt, sagte Baumann dem stern, er hätte sich gerne "mehr Einflussnahme" gewünscht. "Aber ich habe letztlich erkannt, dass ich denen ihre künstlerische Freiheit lassen muss. Ich hatte nur eine Bedingung: keine Bettszene des Ehepaars Baumann."

Im stern-Gespräch räumte er ein, dass seine Ehe mit der Trainerin Isabelle Baumann unter den juristischen Auseinandersetzungen um den Doping-Fall gelitten habe. Seine Frau hätte "irgendwann gesagt: Pass auf, das ist jetzt dein Ding, ich sehe keine Erfolgsaussichten". Sie könne ihn "so auch nicht mehr unterstützen".

An seiner Unschuld hätte seine Frau aber nie gezweifelt. "Ich habe akzeptiert, dass wir unterschiedliche Strategien hatten, mit dem Fall umzugehen." Durch das "Auseinandergehen" hätten sie wieder zueinander gefunden. "Isabelle und ich sind unheimlich gefestigt aus der Sache herausgegangen."

In der Zeit seines juristischen Kampfes gegen die Doping-Sperre hätte Baumann oft gedacht: "Ich kann nicht mehr." Aber am Ende hätte immer das Argument gesiegt: "Ich war es nicht." Immer wenn ihm geraten worden sei, die Strafe zu akzeptieren, dann sei ihm sofort klar gewesen: "Ich mache weiter."

Für "absurd" hält Baumann die Idee, angesichts der vielen positiven Doping-Fälle das Dopen einfach zu erlauben. "Ich bin Vorsitzender eines Leichtathletikvereins mit einer Jugendabteilung von 300 Schülern. Wie soll ich einen Sport rechtfertigen, bei dem ich den Eltern sagen muss: Na, Ihre Tochter ist ja ganz gut, aber wenn sie was reißen will, dann müssen wir ihr mal ein paar männliche Hormone geben. Das wäre das Ende unseres Sportsystems."

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