Eisschnelllauf Überragende Friesinger vor dem 3. Titel


Nur ein Sturz kann am Sonntag noch den dritten Europameistertitel von Anni Friesinger verhindern.

Nur ein Sturz kann am Sonntag noch den dritten Europameistertitel von Anni Friesinger verhindern. Nach ihrer Gala- Show an den ersten beiden Tagen der kontinentalen Eisschnelllauf- Titelkämpfe in Heerenveen verfügt die 25-jährige Inzellerin über ein unglaubliches Polster von 18,11 Sekunden für die abschließenden 5000 m auf ihre härteste Rivalin Claudia Pechstein (Berlin).

Die Titelverteidigerin setzte sich am Samstag erwartungsgemäß auf ihrer Schokoladenstrecke über 1500 m durch und brillierte zum Abschluss auch auf den 3000 m. «Es war ein absoluter Überlauf, eines meiner besten 1500-m-Rennen überhaupt. Aber es hat viel Kraft gekostet», meinte die weltbeste Allrounderin nach dem 1500-m-Rennen, in dem sie in glänzenden 1:57,87 Minuten die Konkurrenz geradezu in Lähmung versetzte: Nicht weniger als 2,23 Sekunden betrug ihr Vorsprung auf die zweitplatzierte Claudia Pechstein, die mit ihren 2:00,10 nicht zufrieden war.

Claudia Pechstein

«Ich wäre gern unter zwei Minuten geblieben. Jetzt orientiere ich mich nur noch auf den Kampf um Platz zwei gegen Renate Groenewold. Den Titel kann ich abhaken. Anni ist in einer blendenden Form», sagte die Berlinerin, die nach dem Debakel von Inzell bei den deutschen Meisterschaften wieder auf ihren Viking-Goldschuh von Salt Lake City umgestiegen war. Auch über 3000 m, auf der Pechstein bei Olympia gegen Friesinger dominiert hatte, kaufte ihr die Bayerin diesmal den Schneid ab und landete in 4:08,64 ihren dritten Streckensieg und verdrängte die Hauptstädterin mit 1,13 Sekunden auf Platz zwei.

Sehr gut im Rennen liegen auch noch die anderen beiden Deutschen Daniela Anschütz (Erfurt) und Katrin Kalex (Berlin), die nach drei Strecken in der Gesamtwertung die Ränge fünf und sieben einnehmen und damit die besten EM-Platzierungen ihrer Karriere entgegenstreben. Die Thüringerin darf sich nach dem vierten Platz über 3000 m (4:14,63) auf den abschließenden 5000 m am Sonntag sogar noch vage Hoffnungen auf Bronze und damit ihre erste internationale Medaille ausrechnen.

Herren

Bei den Herren haben mit Jan Friesinger (Inzell/9.) und dem deutschen Meister Stefan Heythausen (Grefrath/16.) zwei deutsche Läufer das Finale der besten 16 am Sonntag über 10 000 m erreicht. Der Bruder von Anni Friesinger war über 1500 m als Achter in 1:50,39 Minuten nur rund zwei Sekunden vom Streckensieger Gianni Romme (Niederlande/1:48,35) entfernt. «Das gibt mir Auftrieb. Irgendwann werde ich auch diese Lücke schließen», gab sich Friesinger zuversichtlich. Heythausen war mit seinen Leistungen hingegen gar nicht zufrieden, da ihn eine Lymphdrüsen-Entzündung handicapte und schnellere Zeiten verhinderte.

Der EM-Titel führt wiederum nur über die «fliegenden Holländer», die sogar einem Dreifacherfolg entgegen streben. Topfavorit ist Romme, der tags zuvor auch schon über 5000 m erfolgreich war. Der Doppelolympiasieger von Nagano, der noch nie einen EM-Titel gewann, führt das Klassement vor seinen Landsleuten Mark Tuitert und Rintje Ritsma an. Insofern tat das Fehlen des nicht qualifizierten Titelverteidigers Jochem Uytdehaage der Stimmung unter den 13 000 Fans in der ausverkauften Thialf-Halle keinen Abbruch.


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