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Geschäft Skispringen: Kleine Weiten, große Kohle

Sven Hannawald und Martin Schmitt kommen auf der Schanze nicht in Form. Abseits der Top-Weiten lassen sie sich trotz anhaltender Formkrise prima vermarkten.

Bei Sven Hannawald und Martin Schmitt rollt der Rubel. Die Mannschafts-Olympiasieger lassen sich trotz anhaltender Formkrise von allen deutschen Skispringern am besten vermarkten und kassieren dank gut dotierter Sponsoren-Verträge kräftig ab. "Erfolg ist natürlich wichtig. Aber Sven hat in seiner Karriere schon so viel gezeigt, dass er ihn nicht mehr unbedingt braucht. Das sieht man auch an Schmitt, der zwei Jahre ohne Sieg ist", erklärt Hannawalds Manager Werner Heinz das Phänomen.

Hanni ist finanziell abgesichert

Dank seines historischen Triumphes bei der Vierschanzentournee vor zwei Jahren ist Hannawald in neue finanzielle Dimensionen vorgestoßen. Vor allem das Merchandising-Geschäft boomte und spülte zusätzliche Einnahmen auf das Konto des Schwarzwälders. "Wir haben in den letzten zwei Jahren 35.000 Kappen und 20.000 Mützen verkauft. Ich glaube, nur Michael Schumacher hat mehr abgesetzt", sagt Heinz. Die Sympathiewerte seines Schützlings seien in Umfragen sogar höher als die des sechsmaligen Formel-1-Weltmeisters, berichtet er stolz.

Langfristige Verträge

Obwohl der umtriebige Manager aus Trier in dieser Saison mit einem Verkaufs-Rückgang rechnet, hat er pünktlich zur Tournee 20 000 neue Kappen mit dem Logo des Hauptsponsors (Sonax) geordert. Insgesamt verfügt Hannawald inklusive seiner Ausrüster über acht Sponsoren. "Wir haben langfristige Verträge, deshalb leiden wir noch nicht unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland", erklärt Heinz, der sich über genaue Zahlen ausschweigt. Dass Hannawald durch den Sport zum Millionär geworden ist, dementiert sein Manager nicht. "Skispringen ist zu einem perfekten Produkt gemacht worden. Da kann man richtig Geld verdienen", sagt Heinz.

Schmitt muss etwas kleiner Brötchen backen

Von der rasanten Entwicklung zur Wintersportart Nummer eins in den vergangenen fünf Jahren profitiert auch Schmitt, allerdings nicht mehr in dem Maße wie zu seinen Glanzzeiten. In der Vorsaison gingen 10.000 Baseball-Caps weg, die in Oberstdorf präsentierten neuen Kopfbedeckungen wurden nur noch als limitierte Serie mit 2.500 Stück aufgelegt.

Schmitts Management-Betreuer Hubert Schiffmann von der Liechtensteiner Agentur "WWP" wertet dies jedoch nicht als Einbruch. "Wenn jemand so beliebt ist wie Martin, wird ihm auch verziehen, wenn es mal nicht so läuft. Auf Dauer muss aber der Erfolg da sein", nimmt er den viermaligen Weltmeister in die Pflicht. Bei nur zwei großen Sponsoren (Milka, Gericom) sieht er durchaus ungenutztes Potenzial. "Man kann in diesem Bereich noch etwas machen", meint Schiffmann, "allerdings setzen wir generell auf wenige, dafür aber starke Partner."

Uhrmann: "Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel"

Von Umsätzen in der Größenordnung Hannawalds oder Schmitts kann Michael Uhrmann, der sich mit Freundin Heidi ein Haus bauen möchte, nur träumen. Zwei Sponsoren (Hasseröder, Schumann-Reisen) hat sein Manager Gerd Siegmund, der einst selbst durch die Lüfte segelte, bislang akquirieren können. Mit anderen führe er Gespräche, die durch einen guten Tournee-Verlauf positiv beeinflusst werden könnten, erklärt Siegmund. Gleiches hofft er auch für den Verkauf der Fan-Kappen, von denen im Vorjahr lediglich 600 Stück weggingen. "Das war zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel", sagt Siegmund und hofft auf einen deutlichen Anstieg in dieser Saison.

Eric Dobias, dpa / DPA

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