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Hockey-Papst: Fußball-Weltmeister nur mit Peters

Philipp Crone ist gerade Hockey-Weltmeister geworden. Auf stern.de schreibt der Rekord-Nationalspieler auch über den Titelgewinn - aber vor allem über den scheidenden Bundestrainer Bernhard Peters und dessen Brüllattacken.

Brüllen. Das ist das Einzige, äh Erste, was mir zu Bernhard Peters einfällt. Niemand hat mich in meinem ganzen Leben so oft angebrüllt wie er. Zuletzt am Sonntag nach dem Schlusspfiff: Unsere Bank rennt aufs Feld, Bernhard ist natürlich der Letzte, weiß nicht wohin zuerst. Giraffensprint. Irrer Blick. Und Brüllen in Reinform. Ohne Bedeutung. Die 70 Minuten vorher hat er wenigstens noch laut Worte geformt. "Druck" (ca. 236 Mal), "Spiel" (110), "Jetzt", "Los" und so.

Davon war in meinen Armen nicht mehr viel übrig. Ich meine, ein "Jaaaaa" herausgehört zu haben. Das war nach also nach 20 Jahren sein letzter Hockeybrüller. Noch einmal mit dieser einzigartigen Stimme, die immer so klingt, als ob er gerade sterben müsste. Jeder, der unter ihm gespielt hat, kann diese Stimme perfekt nachahmen. Und auch die stoibereske Sprechweise. Als Sportdirektor von Hoffenheim wird er so sicher nicht mehr brüllen. Aber er hat ja auch noch ganz andere Qualitäten, nicht nur seine Stimme. Das wusste ich allerdings noch nicht, als ich ihn kennen lernte. Da war nur Gebrüll und chronische Unzufriedenheit. Zwei der vier Säulen seines Erfolgs. Das war 1991. Peters Juniorenbundestrainer. Ich Nachwuchsspieler. Bei einer Jugendsichtung: "Der kleine da, mit dem roten Kopf, den brauchen wir", sprach die Sterbestimme. Crone wurde so zum Jugendnationalspieler. Und lernte die erste Lektion: Je öfter er dich anbrüllt, desto mehr liegt ihm an dir.

Witze über sich selbst

Säule eins: Wer dem Gebrüll standhält, hält auch den mentalen Druck aus, der in wichtigen Spielen entsteht. Manchmal, wenn er sein Geschrei mal wieder übertrieben hat, wie auch vor der WM in diesem Jahr, sagt er tolle Sätze wie: "Ich meine das nicht persönlich!" Nee, kein Problem. "Ich will euch nur konstruktiv kritisieren." Klar. Oder: "Ich bin eben ein extremer Typ. Das ist meine Art, die müsst ihr akzeptieren." Ok, gut. Akzeptieren wir. Mit der Zeit - ich kenne ihn jetzt 15 Jahre - entdeckt man als Spieler das Gegenmittel: Ironie. Ich hab das unfreiwillig herausgefunden. Noch als Jugendnationalspieler, 1993.

Bernhard war gerade mit der U-21-Mannschaft Weltmeister geworden. Bei einer Besprechung spricht er zu 16 ehrfürchtigen Jugendspielern. Etwa: "Und dann müsst ihr ... und über rechts ... hep, hep, hep muss der Ball laufen." Pause. Der kleine Crone sagt: "Ich dachte das heißt immer Zack, zack, zack bei dir? Und nicht Hep, Hep, Hep." Innehalten, Stille. Bernhards Blick hebt sich. Seine Augen gucken böse. Er denkt: Jetzt muss ich brüllen. Ich denke: Gleich wird er brüllen und ich nie wieder für Deutschland spielen. Doch dann: Ein Lachen! Zwar noch etwas unbeholfen, aber eindeutig ein Lachen. Und seitdem lacht er immer häufiger. Mit jedem Titel mehr. Seit er Herrenbundestrainer ist, macht ihm das sogar so viel Spaß, dass er über sich selbst Witze macht.

Immer einen Schritt vor den anderen

Bis dahin war es allerdings nur ein erster Schritt. Es sollte noch dauern bis aus dem hölzernen Peters ein nur noch für Außenstehende hölzerner Peters werden würde. Die nächsten Jahre widmete er sich mehr seiner dritten Erfolgssäule: Der Perfektion. Seine Idee vom Leistungssport wurde in dieser Zeit polylateral. Bis er 2001 die Herren-Nationalmannschaft übernahm, hatte er ein allumfassendes Konzept entwickelt. Ob Taktik, Leistungsdiagnostik, Prävention, Berufsplanung für die Spieler, Talentförderung, Anhebung des Bundesliganiveaus, Ernährung, Sportpsychologie oder ein exquisiter Betreuerstab, Zufall gab es nur noch auf dem Rasen, und auch da so wenig wie möglich. Der Mann denkt an alles. Hoffenheim kann sich freuen. Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: "Stürmer X trifft wieder - Peters schickte ihn zum Sehtest". Ich habe ihn verflucht, als ich nach seinem unangekündigten Sehtest eine halbe Stunde lang mit meinen ersten Kontaktlinsen in der Hand vor dem Spiegel stand. Die Folge seiner Perfektion: in den Jahren 2001/2002 waren wir der Konkurrenz um Längen voraus. Gewannen die Champions-Trophy 2001 souverän. Bei der WM 2002 den ersten deutschen Hockey-WM-Titel und die Europameisterschaft 2003. Dann erst holten die anderen Nationen auf. Bernhard versucht deshalb, immer einen Schritt vor den anderen zu bleiben. Durch Innovation. Die vierte Säule seines Erfolgs.

Nachholbedarf an der Medienfront

Wer hat als Erster Feldspieler und Torhüter mit Bällen aus einer Ballmaschine beschossen, damit sie sie besser abwehren? Peters. Und wer hat es dann nachgemacht? Die Holländer und alle anderen. Auch der WM-Titel in Mönchengladbach ist das Ergebnis ständiger Neuerung. Nach unserer starken Zeit von 2001 bis 2003 hatte uns die Konkurrenz plötzlich eingeholt. In Athen 2004 reichte es deshalb nur zur Bronzemedaille. Also mussten wir versuchen, wieder einen Schritt weiter zu sein als die Konkurrenz: Innovationen Marsch. Als erstes eine neue Mannschaft, eine junge, Generationenwechsel. Die Raumdeckung wurde als Variante in unser taktisches Konzept aufgenommen. Andere Neuverpflichtungen: Ein Osteopath, ein Torschusstrainer, ein neuer Sportpsychologe und Teambuilding-Maßnahmen.

Mit diesen vier Säulen wird Bernhard auch bei Hoffenheim erfolgreich sein. Und wenn der DFB ihn noch dazu als Berater engagiert, können die Fußballer in vier Jahren wirklich Weltmeister werden. Ich rate ihm allerdings die Brüllmotivationssäule noch durch eine andere zu ersetzen: Den Medienprofi. Denn da liegt eindeutig eine seiner wenigen Schwächen. Wie er vor einer Woche im aktuellen Sportstudio rumschwankte und während des gesamten Interviews durchgrinste, wir Spieler hatten auf unseren Hotelzimmern einen Riesenspaß.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(