Knast-Boxer "Habe den Killerinstinkt"


Er wurde schon als Jahrhundert-Boxer gefeiert. Das war vor Antritt seiner dreijährigen Haftstrafe. Am Wochenende steigt Jürgen Brähmer wieder in den Ring - und träumt insgeheim von einem WM-Fight.

Auf dem Weg in die Zukunft muss Box-Profi Jürgen Brähmer zunächst ein Stück Vergangenheit bewältigen. Der 27 Jahre alte Schweriner will am Samstagabend in Düsseldorf gegen den Südafrikaner Andre Thysse den WBC-Titel im Supermittelgewicht zurückgewinnen, den er nach seiner Verurteilung zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe Ende 2002 verloren hat. "Ich bin in sehr guter Verfassung. Ich habe den besseren Killerinstinkt. Mein Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwölf Monate Weltmeister zu werden", kündigte Brähmer vollmundig an.

Keiner in seinem Umfeld zweifelt daran, dass der als größtes deutsches Talent gepriesene Boxer das schaffen wird. Am wenigsten Chuck Talhami, der den 27-Jährigen in dessen Haftzeit trainiert hat. "Erstens: Jürgen ist ein athletisches Naturtalent. Seine boxerischen Fähigkeiten sind zweitens genial, das kann man nicht erlernen. Drittens wurde er geboren, um ein Champion zu sein", sagte der 58 Jahre alte Amerikaner, der sich in der Box-Welt auskennt wie kaum ein Zweiter.

Brisantes Duell gegen Markus Beyer möglich

So viel Lob hätte den in 26 Fights unbezwungenen Boxer in der Vergangenheit mit Sicherheit aus der Bahn geworfen. Jetzt - nach insgesamt rund sechs Jahren hinter Gittern - ist das nicht mehr so, glaubt Trainer Michael Timm. "Jürgen ist ein Mann geworden", sagte der Europameister von 1985, der Brähmer einst entdeckte, trotz dessen Verfehlungen zu ihm hielt und ihn nun endlich zum ganz großen Karrieresprung führen will.

Timm bescheinigt Brähmer eine professionelle Einstellung wie nie zuvor in dessen wechselvollen Karriere: "Jürgen sieht jetzt nur noch ein Ziel vor sich: sein Leben richtig zu gestalten." Ein Sieg über Thysse würde den Weg nach oben befördern helfen. Ein Selbstläufer werde die Angelegenheit indes nicht. "Wir sind gewarnt, da Thysse ja schon einmal zwölf Runden gegen Markus Beyer durchgehalten hat", sagte der Universum-Coach.

Beyer ist immerhin Deutschlands momentan einziger aktiver Box-Weltmeister. Der 34-Jährige trägt den Gürtel des WBC, bei dem sich Brähmer nach vorn schieben will, und boxt zudem für Sauerland-Event, dem großen Konkurrenz-Unternehmen der Hamburger Universum-Box- Promotion. Da scheint sich ein Puzzle zu fügen für ein deutsches Duell, dass es in dieser Brisanz seit dem Aufeinandertreffen von "Tiger" Dariusz Michalczewski und "Rocky" Graciano Rocchigiani vor mittlerweile einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben hat.

dpa


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