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Louis Vuitton Cup: Russisches Roulette

BMW Oracle Racing gegen Pradas Luna Rossa - das war wie Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach früher. Luna Rossa gewann das spektakuläre erste Rennen, aber der Sieg war bei weitem nicht so eindrucksvoll, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Paukenschlag zum Auftakt des Louis Vuitton Cup Halbfinales in Valencia: Die hocheingeschätzen Amerikaner von BMW Oracle Racing mussten sich Luna Rossa geschlagen geben. Aber: BMW hat zwar auf den ersten Blick eine herbe Niederlage einstecken müssen, doch im Grunde hat Skipper Chris Dickson während der anderthalbstunden nur einen einzigen, winzigen Fehler gemacht: allerdings einen mit Folgen.

Als Journalist hatte ich am Montag die freie Auswahl: den Ausritt mit dem Presseboot oder die Fahrt hinaus an Bord der Alcora. Die Alcora ist das VIP-Begleitboot von BMW Oracle, ein motorgetriebenes Luxusappartment mit Moet Chandon und Fünf-Gänge-Menü, die luxuriöseste Yacht, über die ein Team hier in Valencia gebietet. Ich entschied mich, nach einem langen Zögern von wenigen Sekunden, für die Alcora. Strahlend blauer Himmel, ein herrlicher Wind, der allerdings sehr unregelmässig und vom Land her blies und ein tiefblaues, kaum schäumendes Meer. Außer mir waren noch ein paar russische VIPs an Bord, mit teuren Digitalkameras bewaffnet, aber ansonsten sehr ruhig und zurückhaltend, und das sogar beim Champagner.

Ein großer Bluff

Das Rennen zwischen den beiden Dauerrivalen begann gegen 15 Uhr, vom Begleitboot aus, war der Kampf um die bessere Startposition gut zu beobachten. Luna Rossa von rechts in das Startdreieck einfahrend, BMW Oracle völlig überraschend den Italienern sofort die rechte Startseite nehmend. Luna Rossa gab nach, absichtlich wie schnell klar wurde. Die Männer um Francesco De Angelis hatten sich offenbar von Anfang an für die linke Startseite entschieden und geblufft. Beide Boote gingen eng beieinander über die Startlinie und die Italiener fuhren sofort einen Vorsprung heraus, aber einen hauchdünnen: sieben Meter, sechs, fünf, vier, BMW Oracle kam. Aber dann drehte der Wind, und bei der zweiten Wende lagen die Italiener an der rechten der beiden Bojen direkt hinter BMW Oracle, und hier machte Chris Dickson den entscheidenden Fehler. Er umfuhr die linke Wendeboje, während sich Luna Rossa sich für die rechte entschied, sie eng nahm und dann sofort am Wind nach links außen zog. Chris Dickson wählte hingegen die rechte Seite des Feldes, und das war der Anfang vom Ende. Dickson hätte die Italiener "decken" müssen, er hätte sie aus der Führungsposition heraus kontrollieren und immer genau hinter sich lassen müssen. Aber Dickson wollte einen eleganten Sieg, und deshalb hat er russisches Roulette gespielt und verloren.

Weissblaue Perfektion

Und dennoch: Wer BMW Oracle hier in Valencia erlebt hat, kann eigentlich nicht anders, als die bis ins kleinste Detail perfekte Organisation der Kampagne zu bewundern. Das hier ist der von der Leistungsdichte her härteste Louis Vuitton Cup aller Zeiten und BMW ist wahrscheinlich der am besten vorbereitete Herausforderer, den es je gab. Und deshalb bleibt BMW Oracle, trotz der ersten Halbfinal-Niederlage beim Best of Five gegen Prada, der Favorit beim Louis Vuitton Cup hier in Valencia.

In der anderen Halbfinalbegegnung schlug Emirates Team New Zealand die Spanier von Desafio im ersten Best of Five-Rennen mit einem Delta von 43 Sekunden.

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