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Olympiasieger: Was macht eigentlich Martin Schmitt?

Der Schwarzwälder zählte zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Sportlern: Als Skispringer wurde er zum Olympiasieger – und Teenie-Schwarm.

So haben ihn wohl die meisten Menschen in Erinnerung: Martin Schmitt bei der Vierschanzentournee 2013/14

So haben ihn wohl die meisten Menschen in Erinnerung: Martin Schmitt bei der Vierschanzentournee 2013/14

Als Skispringer waren Sie ein Posterboy, von dem viele Mädchen geträumt haben. Bekommen Sie noch immer Liebesbriefe?

Die haben stark abgenommen. Es kommt nach wie vor Fanpost, aber nicht vergleichbar mit der Menge zu meiner aktiven Zeit. Die Briefe sind eher Autogrammwünsche; keine Heiratsanträge.

Sie sind seit über zwei Jahren verheiratet und haben eine anderthalbjährige Tochter. Hat die Kleine schon mal eine Skischanze von oben gesehen?

An einer Sprungschanze war sie bereits. Nach ganz oben habe ich sie aber nicht mitgenommen. Den Ausblick kennt sie deshalb noch nicht.

Würden Sie Ihrer Tochter erlauben, Skispringerin zu werden?

Erlauben bestimmt, aber sie wird ihre eigene Entscheidung treffen und ihren Weg gehen.

Wie sind Sie als Kind zum Skispringen gekommen?

Mit sechs Jahren war ich Zuschauer bei einem Wettkampf meines Bruders. Ich wurde gefragt, ob ich auch springen möchte. Obwohl ich zuvor noch nie über eine Schanze gesprungen war, belegte ich den zweiten Platz.

Wie weit fliegt man in dem Alter?

Ganz genau erinnere ich mich nicht, aber um die zehn Meter kamen bestimmt raus.

Als Sie später Profi wurden, hatten Sie einen großen Konkurrenten aus dem eigenen Land: Sven Hannawald. Konnten Sie beide sich leiden?

Wir haben uns schon verstanden, waren in einer Trainingsgruppe und teilten bei Wettkämpfen ein Zimmer. Die sportliche Konkurrenz war natürlich vorhanden. Wir haben aber sehr voneinander profitiert. Jeder wollte gewinnen und war extrem gefordert, weil keiner dem anderen nachstehen wollte. So haben wir uns gegenseitig gepusht.

Mit einem anderen ehemaligen Gegner, dem Schweizer Simon Ammann, betreiben Sie heute eine Sportmarketingagentur. Wie kam es dazu?

Simon und ich hatten denselben Manager und haben zu dritt viel darüber gesprochen, was nach der Sportlerlaufbahn kommen könnte. Daraus hat sich die Idee entwickelt, die Firma "ASP Sports" zu gründen.

Und jetzt sind Sie dicke Freunde?

Zumindest Geschäftspartner (lacht). Wir hatten als Aktive vielleicht nicht den engsten Draht; unser Kontakt bestand aus Small Talk an der Schanze. Jetzt haben wir einen intensiven Austausch auf geschäftlicher Ebene. Wir treffen uns aber nicht ständig privat oder fahren gemeinsam in den Urlaub.

Nach Ihren glorreichen Jahren hatten die deutschen Skispringer lange Zeit wenig Erfolg. Woran lag das?

Wir hatten den Anschluss verloren, waren im Materialbereich nicht auf der Höhe der Zeit, lagen zum Beispiel in der Anzugentwicklung deutlich zurück. Auf einmal zweifelst du und hast wenig Vertrauen und Glauben an die Mannschaft, dass es bis nach vorne reicht. Wenn du nur hinterherspringst, bist du anfällig dafür, dass es sich in die falsche Richtung bewegt.

Wie sehen Sie die deutschen Skispringer heute?

Viele deutsche Athleten können in dieser Saison ein Top-10-Ergebnis erreichen. Severin Freund ...

... den Sie mit Ihrer Agentur managen ... 

... konnte nach einer Hüft-OP im Frühjahr sein Niveau wieder steigern und hatte einen unglaublich starken Saisonstart. Er nimmt auch den Druck von den jungen Springern. So ist die Mannschaft gut aufgestellt.

Abschiedsparty in Willingen: Martin Schmitts letzter Flug
Interview: Tobias Ott
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