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Handball-Akademie: Jugendspieler der SG Flensburg-Handewitt mit Rohrzange gequält? Staatsanwaltschaft ermittelt

In der Nachwuchsakademie des Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt soll es über Jahre ein brutales Aufnahmeritual unter Jugendlichen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Handball-Akademie: Jugendspieler der SG Flensburg-Handewitt mit Rohrzange gequält? Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Flens-Arena, Spielstätte der SG Flensburg-Handewitt. Nach Berichten über Quälereien mit einer Rohrzange in der Akademie des Klubs ermittelt die Staatsanwaltschaft

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Sportlich läuft es gut für die SG Flensburg-Handewitt. In der Handball-Bundesliga steht das Team aus dem hohen Norden trotz einer Niederlage gegen den Erzrivalen THW Kiel am Wochenende auf dem ersten Tabellenplatz und könnte in Kürze seinen Meistertitel verteidigen.

Ungemach droht dem Verein von anderer Seite: Die Flensburger Staatsanwaltschaft stattete der Nachwuchsakademie der SG einen Besuch ab und ermittelt nach Berichten über ein brutales Ritual in der Kaderschmiede des Klubs.

"Rohrzangenfolter" als Aufnahmeritual

Im "Spiegel" und im Norddeutschen Rundfunk erhebt ein heute 19-jähriger Ex-Handballer schwere Vorwürfe gegen die Ausbildungsstätte: Demnach sind über Jahre hinweg Neu-Mitglieder der Akademie der sogenannten Rohrzangenfolter ausgesetzt gewesen. Hierbei sollen ältere Handball-Talente die "Frischlinge" festgehalten und ihnen mit einer Zange deren Brustwarzen verdreht haben. Die Folge seien neben den körperlichen Schmerzen auch psychische Belastungen der Opfer gewesen. Betreuer sollen bei dem äußerst schmerzhaften Prozedere nicht anwesend gewesen sein, so die Berichte.

"Wir haben wegen der Vorwürfe von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet", bestätigte eine Sprecherin der Flensburger Staatsanwaltschaft auf stern-AnfrageEs gehe um den Verdacht der gefährlichen Körperverletzung. Das mutmaßliche Tatgeschehen solle "lückenlos" aufgeklärt werden.

Handball-Klub SG Flensburg-Handewitt äußert sich

Die Akademie der SG Flensburg-Handewitt stellte indes klar, dass sie 2016 über das brutale Aufnahmeritual informiert worden sei. Der Leiter habe unmittelbar nach Bekanntwerden "den sofortigen Austausch mit den Eltern des Betroffenen und der Internatsbewohner gesucht und den Fall umgehend aufgeklärt und entsprechend aufgearbeitet". Seitdem seien keine weiteren Vorfälle bekanntgeworden, so der Verein in einer Stellungnahme. "Wir als SG Flensburg-Handewitt verurteilen solche Rituale aufs Schärfste."

Inwieweit auch Verantwortliche der Akademie in den Fokus der Ermittler geraten können, weil die Jugendlichen möglicherweise nachts unbeaufsichtigt gewesen seien, ist noch nicht abzusehen. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", so die Sprecherin der Flensburger Staatsanwaltschaft.

Matthias Musche jubelt.

Quellen: "Spiegel" (kostenpflichtiger Inhalt)Norddeutscher Rundfunk, SG Flensburg-Handewitt

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