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NBA Basket Case - Verhandlungen stocken


Ein Überblick über die neuesten CBA-Verhandlungen, ein Guard im Möbelgeschäft und die Wiederkehr des Sports nach Brooklyn - das alles gibt es im Basket Case!

Es bewegt sich etwas, sagen die einen. Nach wie vor völliger Stillstand, sagen die anderen. Am Wochenende wurden nach langer Pause nun endlich die Verhandlungen zwischen der Liga und den Spielern fortgesetzt – offenbar mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, welche Partei man dazu befragt.

Wenn zu den letzten Meetings sogar Stars wie Kobe Bryant, Kevin Garnett oder Paul Pierce erscheinen, lässt sich leicht abschätzen, wie schlecht die Situation zu sein scheint. War man am Samstag noch relativ friedlich auseinandergegangen, hat sich die Lage während der Verhandlungsrunde vom Dienstag wieder deutlich verschlechtert. Hauptanstoßpunkt ist zur Zeit die Frage der Gelderverteilung. Bisher hatten die Spieler 57 Prozent des sogenannten basketball-related income (BRI) erhalten. Das BRI beinhaltet jeden Cent, den die Clubs sowie die Liga verdienen, und wird neben den Gehaltszahlungen der Spieler für Dinge wie Versicherungen und Notfallfonds genutzt.

Halbe-Halbe ist nicht gut genug

Nachdem die Clubs darauf beharren, im letzten Jahr etwa 300 Millionen Dollar Verlust gemacht zu haben, hatten die Spieler als letzten Vorschlag angeboten, ihren Anteil um 4 Prozent zu senken, was laut Hochrechnungen etwa 200 Millionen Dollar im Jahr gewesen wären – also ein Großteil der Verluste der Clubeigner. Die wiederum möchten die Spieler aber nur noch mit 47 Prozent am Gesamtumsatz beteiligen, und in der Folge dann auch noch einen harten Salary Cap einführen, um die Spielergehälter drastisch senken zu können.

Commissioner Stern sagte nach den abgebrochenen Verhandlungen:“Wir haben in einer sehr kleinen Gruppe aus Ligaoffiziellen und Spielervertretern besprochen, ob eine 50-50 Teilung eine Möglichkeit wäre. Da uns die Spieler aber klipp und klar gesagt haben, dass ein solches Angebot für sie nicht diskutabel wäre, machte es einfach keinen Sinn mehr, weiter zu reden.“

Weiter bestätigte Stern, dass die Pre-Season nun offiziell komplett abgesagt wäre – was den Clubs alleine schon einen Verlust von 200 Millionen Dollar einbringen dürfte. Außerdem betonte er gegenüber ESPN die Dringlichkeit einer Einigung:“Sollten wir bis Montag kein Ergebnis haben, werden wir die ersten beiden Wochen der Saison definitiv ausfallen lassen müssen.“

Da aber laut Spielervertreter Billy Hunter kein Meeting innerhalb der nächsten vier Wochen geplant ist, dürfte es sich so entwickeln, wie Millionen Fans weltweit bereits seit Monaten befürchten – die Saison wird frühestens im Dezember, wahrscheinlich wohl aber erst im Januar oder Februar beginnen. Wenn überhaupt, denn auch ein kompletter Ausfall der Spielzeit 2011/12 ist nach wie vor nicht vom Tisch. Zwar sagte Stern auch, dass es sogar die Möglichkeit gäbe, die Saison zwar verspätet, aber in vollem Umfang zu spielen, aber allein die Hallenbesitzer, die bereits Daten für Konzerte und Ähnliches in ihren Arenen vergeben haben, dürften dem Plan einen Strich durch die Rechnung machen.

Ilgauskas geht in Rente

Keine Lust mehr aufs Warten hat der litauische Center der Miami Heat, Zydrunas Ilgauskas. Nachdem er bereits in den Playoffs auf dem Weg in die NBA-Finals nur zu wenigen Einsatzminuten gekommen war und in den Finals gar überhaupt keine Spielzeit bekam, hängt der Big Man seine Basketballstiefel an den Nagel. “Genug ist genug. Mein Körper ist kaputt, und ich bin mental einfach ausgelaugt. Ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen, nachdem ich 15 Jahre aus dem Koffer gelebt habe“, so Ilgauskas, der sich mit seiner Familie in Miami zur Ruhe setzen wird.

Ilgauskas spielte in seiner Karriere zwei Finalserien mit den Cleveland Cavaliers und den Miami Heat, wurde zweimal ins All-Star-Team berufen und spielte insgesamt in 923 Ligaspielen. Mit 2444 Offensivrebounds verabschiedet der Center sich als 44. in der Bestenliste dieser Kategorie, seiner Spezialität. Nach fünf Operationen am Fuß war seine Karriere eigentlich bereits vor 11 Jahren am Ende, aber Ilgauskas gab nie auf – und erfüllte sich letzten Endes doch noch den Traum einer tollen NBA-Karriere.

Kann ich Ihnen zur Küche noch ein Sofa verkaufen?

Wie bereits vor Wochen berichtet, suchen sich einige Spieler aufgrund der ausbleibenden Gehälter andere Möglichkeiten, um sich über Wasser zu halten. Neben dem offensichtlichen Weg, in einer Liga im Ausland weiter zu spielen, gibt es Einzelfälle, die aus Gründen wie einer Bewährungsstrafe das Land nicht verlassen dürfen. Modellbeispiel dafür ist Delonte West, im letzten Jahr noch bei den Boston Celtics im Einsatz.

Hatte West vor Wochen noch per Twitter mitgeteilt, er hätte sich bei einem Baumarkt sowie einem Versandhandel für Messer beworben, scheint er nun seine Berufung gefunden zu haben – in einem Einrichtungshaus. Er werde per sofort seinen Job bei Regency Furniture Showrooms, einer Möbelhauskette aus Washington, antreten, so West per Tweet. Ob der Guard nun tatsächlich Kunden bedient und versucht, Küchen, Sofas und Teppiche an den Mann zu bringen, oder aber nur als Marketinginstrument eingesetzt wird, ist nicht geklärt, aber Fotos von West in Uniform deuten eher auf Ersteres hin.

New York Knicks? Here come the Brooklyn Nets!

Zum Abschluss gibt es für Fans aber auch noch eine gute Nachricht. So werden die Knicks in ihrer eigenen Stadt von nächstem Jahr an Konkurrenz bekommen. Und zwar nicht mehr von den New Jersey Nets aus der Vorstadt, sondern von den Brooklyn Nets, die direkt im Hinterhof der Knicks spielen werden. Schon lange war die neue Arena mitten im New Yorker Stadtteil Brooklyn im Bau, doch einen Hinweis auf den neuen Namen des Clubs gab es lange nicht – bis sich Mehrheitseigner Mikhail Prokorov, ein russischer Milliardär, und Sean Carter, bekannter unter seinem Künstlernamen Jay-Z und Minderheitseigner der Nets, darauf einigen konnten, dem Team den Namen zu geben, den es nach Ansicht vieler Traditionalisten verdient.

Seit der Flucht der Brooklyn Dodgers, einem der beliebtesten Baseballteams des Landes, nach Los Angeles im Jahr 1958 hatte es in Brooklyn kein Profiteam in einer der großen Sportarten gegeben. Das wird sich nun zur Freude vieler New Yorker wieder ändern, und allein die drei Konzerte, die Jay-Z zur Halleneröffnung versprach, dürften für einigen Trubel rund um und großem Interesse an dem “neuen“ Club sorgen.

Hoffen wir mal, das die Fans in New Jersey zumindest noch ein paar Spiele der letzten Saison ihres Clubs geboten kriegen – was ein Ausfall der kompletten Saison natürlich verhindern würde. Für heute war's das vom Basket Case, ich hoffe, es gibt beim nächsten Mal positivere Entwicklungen zu vermelden.

Oliver Stein

sportal.de sportal

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