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Segel-Team Shosholoza: Rausschmeißer und Ex-Cops an Bord

Sie gehören zu den Paradiesvögeln im knallharten America's-Cup-Business: Hinter der südafrikanischen Shosholoza-Crew steckt weit mehr als eine Segelkampagne.

Von Klaus Bellstedt, Valencia

Wenn im nächsten Jahr vor Valencia Cup-Verteidiger Alinghi um die Krone im Segelsport kämpft, wird der Gegner im Finale aller Voraussicht nach nicht Shosholoza heißen. Und dennoch sticht das südafrikanische Team unter den zwölf America's-Cup-Teilnehmern hervor. Von allen Mannschaften hat Shosholoza die verrückteste Story und ist genau deshalb bei den Medien so beliebt.

Bei Shosholoza ist alles anders; das fängt bei der Base an: Die ist im krassen Gegensatz zu den der Topfavoriten Alinghi oder BMW Oracle Racing für jedermann zugänglich. Täglich öffnen die sympathischen Jungs vom Kap ihre Tore und schleusen ganze Schulklassen über das Areal an der neu geschaffenen America's-Cup-Marina in Valencia. "Jeder Besucher ist für uns ein Multiplikator", sagt der deutsche Marketing-Direktor des Teams Lars Böcking. Ein Haus weiter wäre so etwas undenkbar. Bei Larry Ellisons BMW Oracle Racing Team herrscht Sicherheits- und Geheimhaltungsstufe eins. Eintritt erfolgt dort nur nach Sichtkontrolle und auf Einladung.

Schwarz und Weiß auf einem Boot

Auch bei der Zusammenstellung der Crew hat Shosholoza neue Wege eingeschlagen: Die Mannschaft ist ein bunt zusammengemixter Haufen. Ein ehemaliger Türsteher ist genauso mit an Bord wie ein früherer Rugbyspieler oder Ex-Polizist. Vor allem besteht die Crew aber aus internationalen Profiseglern wie dem deutschen Boat Captain Tim Kröger sowie jungen, meist schwarzen Nachwuchsseglern. Einige kommen von der Izivunguvungu-Stiftung. Sie unterhält bei Kapstadt eine Segel- und Seefahrtschule für sozial benachteiligte Jugendliche aus den schwarzen Townships. Uzivunguvungu - ein Zulu-Wort, das "starker Wind" bedeutet - ist übrigens eine Erfindung von Ian Ainslie, dem mehrfachen Olympia-Teilnehmer und Strategen des Teams.

Schwarz und Weiß auf einem Boot, auch das hat es in der über 150-jährigen Geschichte des ältesten und bekanntesten Segel-Wettbewerbs der Welt noch nicht gegeben. Zuhause in Südafrika erfreut sich das Boot schon seit längerem größter Beliebtheit. 2005 wurde die Segel-Crew gar zum "Sportsteam of the Year" gewählt - in Deutschland undenkbar.

Kontinuierlicher Aufwärtstrend

Geistiger Vater der Kampagne des Team Shosholoza ist Captain Salvatore Sarno. Der italienische Reeder und Syndikatschef, der die Idee vom ersten afrikanischen Teilnehmer am America’s Cup konsequent und erfolgreich vorantreibt, finanziert auch das Team. Das Gesamtbudget der Segelkampagne umfasst dabei mit weit weniger als 40 Millionen Euro nur ein Fünftel von dem des schweizerischen Cup-Verteidigers Alinghi. Über Geld spricht man im Lager der stolzen Südafrikaner aber nur ungern. Stattdessen verweist man lieber darauf, dass mit Erzbischof Desmond Tutu sowie Nelson Mandela gleich zwei Friedensnobelpreisträger das Team als Schirmherren unterstützen.

"Rein sportlich gesehen haben wir uns das Klinsmann-Motto 'impossible is nothing' auf die Fahne geschrieben", sagt Marketing-Direktor Lars Böcking. Und in der Tat: Das Boot macht in der America's-Cup-Szene mittlerweile nicht mehr nur durch das farbenfrohe Schiff und den unbekümmerten Spirit von sich reden. Nach Startproblemen hat sich Team Shosholoza mittlerweile zur größten Überraschung des America's-Cup-Zirkus entwickelt. Hagelte es 2005 in den Vorregatten noch zahlreiche letzte Plätze, machten die Südafrikaner dieses Jahr positiv auf sich aufmerksam und bestätigten zuletzt kontinuierlich den Aufwärtstrend.

"Geh vorwärts, mach deinen Weg"

"Wir wollen unter die letzten Vier", formuliert der erfahrene Boat-Captain und Weltumsegler Tim Kröger aus Bremen das Ziel. Der vielseitige Profisegler - neben Alinghis Sportdirektor Jochen Schümann der bekannteste deutsche Segler - ist nicht das einzige deutsche Element, das an Bord der Shosholoza "mitsegelt". Wichtigster Sponsor des Teams ist T-Systems, die Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom. Die Formulierung derart ehrgeiziger Ziele hört man dort sicher gern.

Der Teamname "Shosholoza" hat seine Wurzeln übrigens tief in der Kultur Südafrikas. Er geht auf ein traditionelles Lied der ausgebeuteten Minenarbeiter zurück. Direkt übersetzt bedeutet "Shosholoza" "geh vorwärts, mach deinen Weg" - irgendwie passend für die Stimmung an Bord des größten Sympathieträgers im kühlen und manchmal auch etwas nüchternen America's-Cup-Business.

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