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Service-Ausrüstung: Gut und ein wenig teuer

Ein schlechte Ausrüstung kann nicht nur einen Wandertag verderben, sie kann sogar lebensgefährlich sein. Qualität geht also vor "Billig". Tipps, wie sich die Ausgaben in Grenzen halten lassen.

Wandern heißt laufen, das kann jeder mit jedem Schuh. Denkt man. Stimmt aber nicht, ungeeignete Ausrüstungsgegenstände können lebensgefährlich sein, in jedem Fall nehmen sie die Freude an der Tour. Anders als manche Kataloge suggerieren, muss man nicht hundert Gegenstände erwerben, bevor ein Fuß vor den anderen gesetzt werden darf, aber ohne ein paar Essentials sollte man nicht aufbrechen. Wahr ist, dass eine perfekte Ausrüstung eine Einheit bildet und nur so stark ist, wie das schlechteste Glied. Umgekehrt treibt ein vollständiges Equipment in High-Tech-Qualität die Kosten für einen Wanderausflug in abschreckende Höhen. Der Rat: Zunächst nur die Essentials anschaffen, dann aber nicht an der Qualität sparen. So werden nur Dinge erworben, über die man sich im nächsten Jahr nicht ärgern muss

Nummer 1: Schuhe

Ohne passendes Schuhwerk geht es nicht. Im Gebirge sollten die Stiefel die Knöchel schützen, gerade Ungeübte und Erschöpfte verletzen sich dort häufig. Ebene Touren ohne Geröllflächen, Felsen und Abstiege können auch mit flacheren Trekkingschuhen bewältigt werden. Zwar ist ein Lederschuh etwas Feines, aber er ist schwerer, bedarf der Pflege und muss unbedingt länger eingetragen werden. Schuhe aus modernen Materialen sind wesentlich leichter, einfach zu pflegen und müssen nicht langwierig in Form gebracht werden. Aber auch beim High-Tech-Schuh gilt: Zumindest eine Woche vor Start regelmäßig tragen. Am Schuh kann leider nicht gespart werden. Vor dem Kauf im Internet ohne Beratung und Anprobe ist abzuraten. Die abgebildeten Schuhe von Merrel und Salomon zeigen in etwa die Bandbreite für Wanderer. Beide sind nicht für Steigeisen geeignet. Der Schuh von Merrel ist sehr leicht, atmungsaktiv, besitzt aber dennoch eine feste Sohle für sicheren Tritt auf Geröll. Für Gelegenheitswanderer ist er ein Traum. Der Schuh trägt sich wahnsinnig leicht und beschwerdefrei, wie ein Joggingschuh. Dennoch lässt sich der Fuß fest umschnüren und die griffige Sohle findet überall Halt. Selbst auf scharfkantigem Geröll gibt die Sohle ausreichende Stabilität. Auf sehr rauem Gelände wirkt er auf Dauer aber doch etwas soft. Der Schuh von Salomon ist immer noch leicht, insgesamt aber schwerer. Im Falle eines Sturzes wird er den Knöchel besser schützen können, da er das Bein auch weiter oben noch umschließt.

Nummer 2: Jacke

Bei Ausflügen im Gebirge muss sich jeder auf einen kräftigen Wettersturz einstellen, eine regenfeste Jacke gehört also ins Gepäck. Der Vorteil spezieller Wanderjacken aus Goretex liegt in der Kombination von Funktionalität, Regenfestigkeit, der Durchlässigkeit von Schweiß und einem geringen Gewicht. Die abgebildete, orange "Heli Jacket" von Haglöfs ist mit einem Listenpreis von über 300 Euro natürlich kein Schnapper, dafür bietet sie eine hervorragende Verarbeitung, zahlreiche schlaue Details, eine enorme Absorption von Flüssigkeit und ein extrem niedriges Gewicht. In der Praxis ist die Jacke eine Wucht, sie lässt sich sehr klein zusammenlegen, fühlt sich innen wie außen sympathisch an. Verstärkungen des Materials an Oberkörper, Schulter, Arm und Jackenbund schützen vor ungewolltem Abrieb. Ventilationsöffnungen sorgen für eine angenehme Belüftung. Das Oberflächenmaterial weist auch heftige Güsse ab. Neben der Edel-Jacke wurde auch eine einfache Regenjacke von Jeantex (etwa 80 Euro) mitgenommen, sie hielt den Regen auch dauerhaft an. Aber man schwitzt zu sehr unter der Jacke und zu plastikartig fühlt sich das Material an, um auf Dauer zu überzeugen. Auf den ersten Blick scheint die Preisdifferenz enorm, macht man sich aber die Mühe einmal beide Produkte Detail für Detail abzuklopfen, merkt man schnell, welche Welten zwischen den Jacken liegen. Mit der "Heli" fühlt man sich immer gut angezogen. Das gilt auch für das unten abgebildete graue Typhoon Jacket. Das 3-lagige Windstopper Jacket fühlt sich kuschelig an, Verstärkungen im Arm- und Schulterbereich sorgen für Tragekomfort und beugen dem Verschleiß an diesen Stellen vor.

Deutlich günstigere Jacken, die die Regenfestigkeit mit einer undurchlässigen Beschichtung erreichen, können da nicht mithalten. Ihr Nachteil: Sie halten zwar den Regen ab, wird so eine Jacke aber bei körperlichen Anstrengungen getragen, steht man schnell im eigenen Saft. Preistipp: Der Neukauf einer günstigen, aber nicht atmungsaktiven Jacke ist eigentlich zu teurer, um sie später zu wechseln. Wer die Investition für den Wander-Anfang scheut, sollte versuchen, sich einen Regenüberzieher (Poncho) oder eine Fahrradjacke zu leihen.

Nummer 3: Hose

Solide Verarbeitung, abtrennbare, lange Beine und atmungsaktives Material sind eine Grundvoraussetzung. Eine Vielzahl von Großraumtaschen ist dagegen eher eine Geschmackssache. "Normale" Alltagshosen aus Baumwolle haben mehrere Nachteile. Sie speichern Feuchtigkeit weit eher, als sie abzugeben. Gerade mit dicken Jeansstoff steht man schnell im eigenen Schweiß. Viele Hosen sind zudem so geschnitten, dass sie an sensiblen Stellen scheuern. Wird die Hose erst einmal richtig nass, trocknet sie nur sehr schwer. Eine Trekkinghose wie die von Haglöfs trägt sich dagegen sehr leicht und nimmt keine Feuchtigkeit auf. Der Stoff ist strapazierfähig und hält einiges aus.

Nummer 4: Und das Übrige Ein GPS-Gerät benötigt man zu Beginn wirklich nicht, wichtiger sind Trekkingstöcke (sie schonen die Gelenke) und ein funktionaler Rucksack. Einsteiger können beides meist im Bekanntenkreis ausleihen. Ebenfalls sehr zu empfehlen, sind atmungsaktive Textilen. Ein T-Shirt oder Hemd kommt auf 40 bis 59 Euro. Eine komplette Garnitur von Hemd, T-Shirt, Unterwäsche und Socken geht so natürlich ins Geld. Ihr Vorteil: Nur so verhindert man schweißnasse Stellen unter dem Rucksack. Sonnenbrille und eine Cap als Sonnenschutz sollte sich finden lassen. Ein Notfallpaket mit Verbandszeug und eine brauchbare Wanderkarte sind unverzichtbar. Es reicht natürlich nicht ein Handy nur mitzunehmen, die Nummern von Bergrettung, Hotel etc. müssen vor Beginn der Tour eingespeichert sein.

Warum eigentlich Markenprodukte? Gerade im Trekkingbereich wird viel Schindluder getrieben. Der günstigen Ware von Discountern oder Kaffeehausketten kann man nicht einfach blind vertrauen. Geiz ist hier leider meist ungeil. Nur derjenige, der aus eigener Sachkenntnis die Qualität des Angebotenen zu beurteilen weiß, kann das eine oder andere Schnäppchen machen. Blutige Laien rüsten sich dagegen mit Schuhe im "Trekkinglook" aus, deren Sohlenaufbau höchstens den Anforderungen eines Hausschuhs genügt. Ein Beispiel: Ohne Nachzudenken wurde ein günstiger Rucksack mit auf die Tour mitgenommen. Den "Belastungen" hielt der Blender genau einen Tag lang stand, dann hatte sich die Kunststoffverstärkung durch Polsterung und Material gearbeitet. Ergebnis: Zwei schmerzhafte Schnitte über den Nieren. Also: Hände weg! Beim Besuch im Fachgeschäft kauft man nicht nur das Produkt, sondern erwirbt und bezahlt auch die Kompetenz des Verkäufers mit. Das hilft, richtige Entscheidungen zu treffen.

Auch dann geht es günstiger Geld sparen, kann man mit den bekannten Methoden. Der Kauf "Out of Season" ist bei Trekkingartikeln sehr viel günstiger. Nach dem Sommer fliegt die Wanderware raus, damit die Skiartikel Platz finden. Wer diesen Zeitpunkt verpasst hat, kann im Internet nach den Artikeln der Vorsaison fahnden. Ob "schilfgrau" oder "rohrgrün" macht funktional wenig Unterschied, im Preis kann man allerdings mehr als die Hälfte einsparen. Ebenso interessant kann es sein, bei E-Bay gebrauchte Fehlkäufe zu erstehen. Bei diesen Methoden benötigt der Käufer allerdings eigene Fachkompetenz.

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