Skandal Massendoping in den USA aufgeflogen


Der vielleicht größte Dopingskandal der Sportgeschichte erschüttert die Leichtathletik-Welt: Bei zahlreichen Top-Athleten der USA sind verbotene Substanzen entdeckt worden. Vermutet wird eine Verschwörung zwischen Chemikern und Sportlern.

Ein offensichtlicher Fall von Massendoping in den USA erschüttert zehn Monate vor den Olympischen Spielen die Sportwelt. Nach Veröffentlichungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) ist bei zahlreichen Top-Leichtathleten in der A-Probe das Steroid Tetrahydrogestrinone (THG) nachgewiesen worden. "Ich kenne keinen Dopingfall, in den mehr Athleten involviert waren als in diesen. Wir glauben sogar fest daran, dass auch internationale Sportler darin verwickelt sind", sagte USADA-Direktor Terry Madden am Donnerstagabend in Colorado Springs. "Das ist absichtlicher Betrug der schlimmsten Art."Bei dem womöglich größten Dopingskandal der Sportgeschichte drängt sich ein Vergleich mit dem systematischen Staatsdoping in der ehemaligen DDR auf.

"Neue Dimension des Doping"

«Der Fall ist eine neue Dimension des Dopings mit Steroiden», sagte Prof. Wilhelm Schänzer, Leiter des Doping-Analyse-Labors in Köln, der dpa. "Es ist sehr leicht, Steroide zu verändern und ich habe mit so einem Fall gerechnet. Dies ist nun der erste konkrete Hinweis, dass so etwas schon gemacht wird."

Verschwörung von Sportlern und Chemikern?

Der offenbar gigantische Sportbetrug wirkt wie ein Kriminalfall. «Das Ausmaß stellt sich als eine Verschwörung von Chemikern, Trainern und Sportlern dar, die glaubten, mit einem nicht nachweisbaren Designer-Steroid die Mitkonkurrenten, die Amerikaner und die Weltöffentlichkeit betrügen zu können», sagte Madden. Auf das "Komplott" sei USADA durch einen anonymen Hinweis aufmerksam geworden.

Anonymer Hinweis

Bei dem USADA-Informanten handelt es sich offenbar um einen renommierten Leichtathletik-Trainer. Er habe USADA Anfang Juni angerufen und behauptet, dass bestimmte US- und internationale Leichtathleten ein Steroid verwenden, dass noch nicht nachgewiesen werden könne. Der Informant sandte der Anti-Doping-Agentur später eine Spritze, die diese Dopingsubstanz enthielt, berichtete Madden. Daraufhin seien während der nationalen Meisterschaften im Juni im kalifornischen Stanford 350 und außerhalb der Wettkämpfe 100 Dopingproben genommen worden. Dazu kommen weitere 100 Proben bei Nicht-Leichtathleten. Den Sportlern droht bei ebenfalls positiven B- Proben, die bis zum Dezember erfolgen sollen, eine zweijährige Sperre und damit die Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen in Athen.

Verband fordert Anti-Doping-Gesetz

Helmut Digel, Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), gewann der Aufdeckung des Skandals auch Positives ab: "Das unabhängige Kontrollsystem in Amerika hat funktioniert." Auch IAAF- Generalsekretär Istvan Gyulai lobte die USADA: «Man hat die Initiative ergriffen. Auch die Amerikaner machen Fortschritte.» Digel forderte zugleich eine Verschärfung der Strafen für Athleten. "Die Athleten müssen härter bestraft werden. Da der Sport auch immer mehr ökonomischer Art ist, müssten gedopte Athleten für den Schaden, den sie angerichtet haben, haftbar gemacht werden", sagte der Tübinger Sportsoziologe der dpa. "Der Sport allein kann das Problem nicht lösen», meinte er zudem. Ein Anti-Doping-Gesetz wäre im Kampf gegen die Sport-Geißel ein wirkungsvolleres Instrument.

DPA

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