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Sponsoring-Ausstieg: Telekom zieht die Reißleine

Die Telekom wird ihr Radsport-Sponsoring mit sofortiger Wirkung beenden. Diese Entscheidung des Vorstands gab das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage bekannt. Man wolle sich damit, nachdem weitere Vorfälle bekannt geworden sind, vom Doping im Radsport distanzieren.

Der Telekom-Konzern zieht die Konsequenzen aus dem Doping-Sumpf im deutschen Profi-Radsport und beendet nach 16 Jahren sein Sponsoring. "Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um uns und die Marke T-Mobile von den jüngsten Doping-Erkenntnissen im Sport und speziell im Radsport zu distanzieren", sagte der Vorstandsvorsitzende von T-Mobile International, Hamid Akhavan, am Dienstag in Bonn.

"Angesichts unserer langjährigen Unterstützung für den Profiradsport und der Fortschritte, die das Management um Bob Stapleton zuletzt machte, ist uns dies nicht leicht gefallen", erklärte der Telekom-Vorstand. Aber es gebe auch eine Verpflichtung gegenüber dem Kerngeschäft und damit gegenüber den Mitarbeitern, Kunden und Aktionären. Der Konzern habe mit dem aktuellen Management des T-Mobile-Teams hart daran gearbeitet, für einen sauberen Radsport einzutreten.

"Wir haben uns aber nun dazu entschieden, unsere Mittel an anderer Stelle einzusetzen", sagte Akhavan. Die Entscheidung, das Engagement im Radsport zu beenden, sei nicht aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Team-Management oder dessen Fehlverhalten getroffen worden, betonte Akhavan. Nichts geändert habe sich für die Telekom zudem an der Sichtweise, dass man durch seine Sponsoring-Engagements auch Verantwortung trage: "Wir werden unseren Verpflichtungen im Anti-Doping-Kampf, dem wir eine nennenswerte Summe zur Verfügung stellen, unverändert nachkommen."

Noch im August keine Anzeichen für Ausstieg

Zur Zukunft des T-Mobile-Teams sagte dessen Manager Stapleton: "Wir hoffen, dass die Mannschaft als unabhängige Einheit weiter arbeiten kann, um nicht nur die sportlichen Ziele zu erreichen, sondern auch weiter die Führungsrolle im Anti-Doping-Kampf einzunehmen." In den vergangenen Tagen habe der Konzern mit dem Unternehmen "Neuer Straßen Sport", der Betreibergesellschaft der beiden T-Mobile Profi-Rad-Teams, über die Auflösung des bis 31. Dezember 2010 geschlossenen Vertrages in beiderseitigem Einvernehmen verhandelt. Die Details würden von beiden Seiten vertraulich behandelt.

Noch im August hatte T-Mobile angekündigt, trotz der Dopingkrise sein Engagement als Sponsor bis mindestens 2010 fortsetzen zu wollen. "Der, der verändern will, darf nicht weglaufen", hatte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert erklärt und ergänzt, dass ein Ausstieg das falsche Signal wäre, das die Bemühungen aller Beteiligten um einen sauberen Sport torpedieren würde. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte dies als wichtigen Schritt im Kampf gegen Doping bezeichnet. Allerdings hatte der Konzern sich schon damals vorbehalten, bei weiteren Dopingfällen im Team umgehend auszusteigen.

DPA/AP/kbe

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