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Ehemalige Weitspringerin: Was macht eigentlich … Susen Tiedtke?

In den 90er Jahren zählte die Berlinerin zu den besten Weitspringerinnen der Welt.

Ehemaliges Weitsprung-Ass: Was macht eigentlich Susen Tiedtke?

Das ehemalige Weitsprung-Ass Susen Tiedtke, 50, in ihrer Heilpraktiker-Praxis in Neu-Lindenberg bei Berlin

Früher besaßen Sie ein sehr spezielles Talent: Sie konnten bis zu sieben Meter weit springen. Leider ist diese Begabung im Alltag wenig gefragt. Ist sie trotzdem manchmal nützlich?

Ja, wenn ich mit meinen Kindern Maria und Max trainiere. Vor allem meine Tochter ist unheimlich begabt, sprang schon mit zwölf Jahren fünf Meter weit. Allerdings packt sie der Ehrgeiz nur, wenn das Schul-Sportfest ansteht. Dann will sie unbedingt ihre Mitschüler schlagen, um ihren Ruf als meine Tochter zu verteidigen. Ein paar Wochen vorher üben wir immer gemeinsam. Hat sich bislang ausgezahlt: Sie springt am weitesten in ihrer Klasse.

Verspüren Sie heute noch den Drang, irgendwo drüberzuhüpfen?

Na klar! Ich fand es schon als Kind unheimlich schön, beim Weitsprung durch die Luft zu fliegen. Durch die vielen Jahre als Leistungssportlerin haben sich die technischen Abläufe fest in mein Unterbewusstsein eingeprägt. Wenn ich heute beispielsweise an einem Bach spazieren gehe, stelle ich mir automatisch vor, wie ich drüberspringe. Allerdings bin ich mittlerweile 50. Da schafft der Körper die Umsetzung leider nicht mehr.

1993 gewannen Sie bei der Hallen-WM Silber, zwei Jahre später Bronze. Ihr schönster Gänsehaut-Moment?

1991 in Seoul beim Wettkampf vor den Weltmeisterschaften. Damals war ich erst 22, nahm zum ersten Mal an einem internationalen Wettkampf teil. Das war schon aufregend, und dann stand ich auch noch in dem Stadion, in dem drei Jahre zuvor die Olympischen Spiele stattfanden. Dort bin ich zum ersten Mal sieben Meter gesprungen. Das war der Hammer!

Trotzdem standen Sie immer im Schatten von Heike Drechsler und waren die Nummer zwei im deutschen Weitsprung. Hat Sie das gewurmt?

Nein, im Gegenteil. Letztendlich war ich froh, dass ich gegen sie springen konnte. Das war eine wahnsinnige Motivation, alles aus mir herauszuholen, denn sie war die weltbeste Weitspringerin. Noch heute verstehen wir uns gut, treffen uns ab und zu.

Sie galten als das Glamourgirl der deutschen Leichtathletik, wurden 1991 in Tokio zur schönsten Sportlerin der WM gewählt. Zehn Jahre später posierten Sie nackt für den "Playboy". Vermutlich hatten Sie damals viele männliche Fans

Erstaunlicherweise schrieben mir vor allem deprimierte Männer und meinten, sie hätten durch meine sonnige Ausstrahlung neue Lebensfreude bekommen.

Video: Olympia-Boykott: Sportler melden sich zu Wort

Mittlerweile sind Sie Heilpraktikerin. Ganz schön weiter Sprung.

Stimmt. Früher trainierte mich mein Vater. Hatte ich mich bei einem internationalen Wettkampf verletzt, mussten wir zum Beispiel auch in Südafrika oder in den USA zu einem Therapeuten. So lernten wir Behandlungsmethoden aus den verschiedensten Ländern der Welt kennen. Irgendwann kannte sich mein Vater so gut aus, dass er mich nur noch selbst versorgte. Ich bin gelernte Physiotherapeutin. Nach meiner Sportlerkarriere brachte er mir alles bei. Das fand ich so spannend, dass ich eine Ausbildung zur Heilpraktikerin machte. Mittlerweile habe ich eine Praxis in Berlin und eine in meinem Haus in Brandenburg.

Ihr Spezialgebiet?

Ich behandle sehr viele Schmerzpatienten. Durch meine Erfahrungen als Sportlerin habe ich eine spezielle manuelle Technik entwickelt, die selbst bei austherapierten Schmerzpatienten hervorragend wirkt. Ein schönes Gefühl, Menschen helfen zu können.

Interview: Sabine Hoffmann
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