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Sven Hannawald: Comeback als Zuschauer

Vor drei Jahren schrieb Sven Hannawald bei der Vierschanzentournee Sportgeschichte. Als bisher einziger Springer gewann er alle vier Wettkämpfe. Jetzt kehrt er zurück an den Ort seines größten Triumphes - als Zuschauer.

Mit zwiespältigen Gefühlen kehrt Sven Hannawald beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf in die Skisprungszene zurück - wenn auch nur als Zuschauer. "Einerseits freue ich mich natürlich, dass ich nun soweit bin, mir die Springen wieder anzusehen. Andererseits wird mir vielleicht das Herz bluten, dass ich noch nicht so weit bin, schon wieder aktiv dabei sein zu können", sagte der am Burn-out-Syndrom leidende Hannawald.

Alte Liebe rostet nicht

Erstmals seit seinem Zusammenbruch vor acht Monaten wird der Hinterzartener vielleicht sogar wieder ein Kribbeln verspüren, wenn seine Kollegen im WM-Ort vom Bakken gehen. "Ich glaube schon, dass da ein bisschen Wehmut aufkommen wird, denn Springen war ja mein Ein und Alles. Ich werde es bestimmt schade finden, dass ich nicht dabei sein kann, aber ich kenne ja den Grund", sagte Hannawald, der mit seinem Vierfach-Triumph bei der Tournee vor drei Jahren Skisprung-Geschichte geschrieben hatte.

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Derzeit kämpft Hannawald mit professioneller Unterstützung um die Rückkehr in ein normales Leben. "Meine Gesundheit ist vorrangig, daher gehe ich auch weiterhin regelmäßig zur Therapie", verriet der 30-Jährige, der in seiner Freizeit viel Tennis spielt und joggt. Das Weihnachtsfest hat er wie immer bei seinen Eltern verbracht.

Für die Tournee drückt Hannawald, der in den vergangenen Jahren für das deutsche Team meist die Kastanien aus dem Feuer holen musste, seinen Kollegen die Daumen. "Ich wünsche mir, dass sie einen draufsetzen können. Ich weiß, dass gerade der Auftakt in Oberstdorf mit der Unterstützung des Publikums ein enormer Push für uns war. Deshalb hoffe ich einfach, dass die Unterstützung dieses Jahr wieder genauso wirkt wie in den Jahren zuvor", sagte der Mannschafts-Olympiasieger.

Vor allem seinem langjährigen Wegbegleiter Martin Schmitt, der sich am Karriere-Tiefpunkt befindet, wünscht Hannawald ein Erfolgserlebnis. "Ich kann mir vorstellen, dass die Situation gerade ein bisschen frustrierend für ihn ist. Irgendwo hängt es im Moment. Ich hoffe, dass er dran bleibt und so schnell wie möglich wieder alles in den Griff bekommt", erklärte Hannawald.

Hannawald als Glücksbringer

Ratschläge will er dem viermaligen Weltmeister jedoch keine geben. "Ich werde mich sicherlich nicht einmischen. In seiner Situation versucht man sowieso schon alles und wenn man dann von außen immer noch auf die vielen Ratgeber hört - das hat mir früher schon nicht getaugt und deswegen werde ich das auch nie machen", sagte Hannawald, der die Mannschaft bei der Tournee vielleicht sogar über den Auftakt in Oberstdorf hinaus begleiten wird. "Das hängt davon ab, wie ich mit dem Trubel vor Ort zurecht komme", meinte Hannawald.

Eric Dobias/DPA / DPA

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