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Tennis Australian Open - Achtelfinale ohne US-Amerikaner


John Isner hatte alles gegeben, sich die Füße buchstäblich blutig gelaufen. Doch sein Aus in der dritten Runde und den bittersten Moment in der amerikanischen Historie bei den Australian Open konnte er nicht verhindern. Erstmals seit 1973 findet das Achtelfinale ohne US-Beteiligung statt. Besonders bitter: Damals war überhaupt kein Ami gestartet.

Marathon-Mann John Isner hatte sich nach seinem Fünfsatz-Sieg über David Nalbandian zuvor auch in der dritten Runde quälen müssen. Gegen Feliciano Lopez hatte sich der US-Amerikaner blutige Blasen gelaufen. Mehrfach musste er während der Seitenwechsel neu verbunden werden. Trotzdem kämpfte er sich immer wieder zurück. Doch alle Opferbereitschaft trotz großer Schmerzen nutzte am Ende nutzte nichts.

Mit 3:6, 7:6, 4:6, 7:6, 1:6 unterlag Isner dem Spanier, schied als letzter verbliebener US-Amerikaner aus und besiegelte damit das schlechteste Abschneiden der Amis bei den Australian Open seit 1973. Damals hatte zuvor letztmalig ein Achtelfinale ohne US-Beteiligung stattgefunden, nachdem überhaupt keiner zum Turnier nach Down Under angereist war.

Vor Isner hatten unter anderen der immerhin an Nummer acht gesetzte Mardy Fish (glatt in drei Sätzen gegen Alejandro Falla), Sam Querrey (gegen Bernard Tomic) und der letzte Grand Slam-Sieger aus den USA Andy Roddick (gegen Lleyton Hewitt) die Segel streichen müssen. Letzterer mit seiner verletzungsbedingten Aufgabe und Isner mit seinen wunden Füßen – besser kann man die aktuelle Lage nicht auf den Punkt bringen: Das US-Tennis geht am Stock.

McEnroe: Spieler nicht hungrig genug

"Das ist schon sehr hässlich, keinen mehr dabei zu haben. Wir müssen das beim nächsten großen Turnier auf jeden Fall korrigieren“, meinte Isner auf seiner Pressekonferenz. Dieser Auffassung ist auch John McEnroe, der bei den Australian Open für den australischen Sender Fox Sports arbeitet. Doch so richtig dran glauben kann der Altmeister offenbar nicht.

"Wir leben immer noch vom Erfolg, den wir in der Vergangenheit hatten“, schimpfte er laut foxsports.com.au und sprach den aktuellen Spielern seines Landes vor allem eines ab: den nötigen Erfolgshunger. Nur wenn man den wieder herauskitzeln könnte, wäre das US-Tennis aus McEnroes Sicht zu retten.

Nachwuchsprobleme ein weiteres Manko

In Ryan Harrison, der in der ersten Runde gegen Andy Murray immerhin einen Satz gewonnen hatte, und dem erst 19-jährigen Jack Sock, der im letzten Jahr an der Seite von Melanie Oudin immerhin die US Open im Mixed gewonnen hatte, sieht McEnroe immerhin hoffnungsvollen Nachwuchs heranreifen. "Er hat eine Menge Potential und kann etwas ganz großes reißen", so McEnroe über Sock, während Harrison für den großen Durchbruch noch einen eigenen Stil entwickeln müsse.

Doch allgemein sieht Big Mac angesichts der verlockenden Konkurrenzsportarten schwarz für den Tennis-Nachwuchs in den USA. "Unsere besten Kids spielen American Football oder Basketball oder machen einen anderen Sport. Wir müssen Tennis für sie wieder attraktiver machen, wir überlegen aber immer noch, wie man das am besten anstellen könnte."

Malte Asmus

sportal.de sportal

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