Tennis Olympia-Blues zum US-Open-Start


Peking ist Vergangenheit, New York die Gegenwart - doch der olympische Traum hat bei Deutschlands Tennisprofis Spuren hinterlassen. Rainer Schüttler verschlug es kurz vor seinem ersten Einsatz bei den US Open die Sprache, Nicolas Kiefer bekämpfte sein Fernweh nach China allabendlich mit dem Betrachten von Olympia-Fotos.

"Das war schon ein Riesenerlebnis, das ich nie vergesse werde. Natürlich schwirrt das immer noch im Kopf herum. Aber langsam bin ich über den Berg, die Konzentration auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres steigt", berichtete der Weltranglisten-20. Kiefer, der als bestplatzierter Deutscher in die mit 20,6 Millionen Dollar dotierte Veranstaltung startet.

Geht es nach Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen, dann werden die Erinnerungen an die Sommerspiele beim zuletzt aufstrebenden Duo sogar neue Kräfte freisetzen. "Die gesammelten Eindrücke sind ein Vorteil, von dem man profitieren kann. Außerdem wurde in Peking auf dem gleichen Belag und mit den selben Bällen gespielt. Auch das Klima ist vergleichbar", meinte Kühnen.

Olympia hat Spuren hinterlassen

Der Ex-Profi durfte wie Kiefer und Wimbledon-Halbfinalist Schüttler bei der Eröffnungsfeier mit der deutschen Olympia-Mannschaft ins "Vogelnest" einlaufen. Allerdings haben die beiden Olympioniken vom asiatischen Abenteuertrip nicht nur positive Andenken mitgebracht. Kiefer plagte sich beim Training in Flushing Meadows mit Hüft- und Knöchelproblemen, Schüttler leidet unter einer hartnäckigen Erkältung.

"Nach meiner Ankunft aus Peking lag ich mit erhöhter Temperatur zwei Tage im Bett und hatte gar keine Stimme mehr. Seit Sonntag geht es wieder besser, ich konnte trainieren", sagte der 32 Jahre alte Korbacher, der wie Kiefer erst am Dienstag ins Turniergeschehen eingreifen muss. Schüttler trifft dann auf den Franzosen Florent Serra, sein olympischer Doppelpartner Kiefer auf Ivo Minar (Tschechien).

Besonders Schüttler, der in den vergangenen beiden Jahren bei 55 Turnieren 31 Auftaktpleiten kassiert hatte, strahlt ungeachtet seiner gesundheitlichen Probleme samt Heiserkeit enormes Selbstvertrauen aus. Rücktrittsgedanken hat der Hesse nach seiner "Wiederauferstehung" auf dem heiligen Rasen in Wimbledon erst einmal ad acta gelegt. Auch im kommenden Jahr will er weltweit auf Tour gehen. "Es macht wieder Spaß. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich noch mithalten kann", resümierte der in der Bestenliste an 36 notierte Schüttler die letzten Monate und stellte zufrieden fest: "Es hat sich ausgezahlt, dass ich die ganze Energie investiert habe."

Davis-Cup-Boss Kühnen ist optimistisch

Kühnen traut dem Blondschopf im Big Apple erneut eine gute Rolle zu. "Wenn Rainer an seine letzten Leistungen anknüpfen kann, ist einiges drin", prognostizierte der Daviscup-Boss. Auch Kiefer, der bei seinen bisherigen neun Teilnahmen an den US Open immerhin 16 von 25 Matches gewann, macht sich nach seiner Finalteilnahme beim Masters-Turnier Ende Juli in Toronto Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden. Allerdings weiß der Rechtshänder aus Hannover um seine labile Physis. Kiefer: "Ich hoffe, dass die Knochen halten. Durch die stressigen letzten Monate und die Teilnahme an Olympia gab es nie genügend Zeit, sich zu erholen." Die Eindrücke von Peking trösten darüber hinweg.

SID SID

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker